Kultur im Eisenbahner-Quartier
Umbau in Portugal von Adarq
Dass Bestandsgebäude für neuen Wohnraum umgenutzt werden, ist üblich. Im portugiesischen Entroncamento hat man die Vorzeichen umgekehrt: Ein um 1920 entstandenes Eisenbahnerquartier hat das dort ansässige Büro Adarq in einen Museums- und Wissenschaftskomplex umgewandelt. Thematisch ist die Eisenbahn dabei erhalten geblieben.
Die zentralportugiesische Kleinstadt entstand Mitte des 19. Jahrhunderts rund um einen wichtigen Eisenbahnknoten. Ihr Name, Entroncamento, bedeutet auf Portugiesisch „Verzweigung“. Hier befinden sich Portugals zentrales Ausbesserungswerk für Schienenfahrzeuge und das Nationale Eisenbahnmuseum. Gleich daneben lag die Siedlung Bairro do Boneco.
Für Wohnungen nach heutigen Ansprüchen hätten sich die Gebäude nicht mehr geeignet, weshalb die Kommune eine kulturelle Transformation anstieß, so Adarq-Gründer André David. Die Anlage zwischen Gleisen und benachbartem Militärstützpunkt besteht aus zwei parallelen Satteldachbauten, einem ein- und einem zweistöckigen Riegel. Die Wohnungen im Obergeschoss erreichte man über Außentreppen, Bäder waren extern untergebracht.
Das Innere der Bestandsbauten räumten die Architekt*innen weitgehend aus, um zwischen den dicken Außenwänden langgestreckte Hallen zu schaffen. In den südlichen Eingeschosser zog ein Wissenschaftszentrum, im nördlichen befindet sich nun unten das Nationale Eisenbahn-Dokumentationszentrum, oben ein Ausstellungssaal.
Während sie innen zeitgenössische Räume schaffen wollten, so David, sollte das Ensemble außen seinen historischen Charakter behalten. Treppen und Schornsteine sind Original, alle übrigen Elemente an Fassaden und Dächern habe man repliziert. Bis auf die beiden Enden des eingeschossigen Riegels, wo sie die Dächer entfernen ließen und so kleine Atrien einrichteten. An die jeweiligen Rückseiten der Gebäude – also abseits des mittigen Hofs mit seiner rechtecktigen Rasenfläche – stellten die Architekt*innen neue schlichte Volumen, in denen Nebenräume beziehungsweise Archivbereiche unterkommen.
Zumindest auf den Fotos wirkt die leergefegte Anlage museal, fast künstlich. Eine ästhetische Auflockerung liefert das geflieste Motiv von Álvaro Siza an der rückwärtigen, weiß getünchten Begrenzungsmauer, auf das der grüne Rasen zuläuft. Das abstrakte Bild soll die Geschichte von Entroncamento und der Nachbarschaft darstellen. (mh)
- Fertigstellung:
- 2024
- Architektur:
- Adarq - André David Arquitecto
- Projektleitung:
- André David
- Team Architektur:
- Daniel Duarte , Andreia Teixeira, Jessica Duarte, Agnieszka Izabela
- Fliesenbild:
- Álvaro Siza
- Bauherrschaft:
- Gemeinde Entroncamento
- Fläche:
- 920 m² Bruttogrundfläche