Der Druck steigt
Strukturbefragung der Bundesarchitektenkammer
Alle zwei Jahre befragt die Bundesarchitektenkammer (BAK) ihre Mitglieder zu Auftragslage, Umsätzen, Gehältern und Arbeitsbedingungen. Nun liegen die Ergebnisse der diesjährigen Strukturbefragung unter rund 14.000 selbstständigen und angestellten Kammermitgliedern vor.
Während die BAK bei der Strukturbefragung 2024 weitgehend stabile wirtschaftliche Kennzahlen für das Wirtschaftsjahr 2023 meldete, zeichnet die aktuelle Befragung ein deutlich angespannteres Bild. Trotz steigender Umsätze und Gehälter bleiben die finanziellen Spielräume gering: „Die vorliegenden Ergebnisse zeigen insgesamt, wie stark viele Planungsbüros unter wirtschaftlichem Druck stehen. Steigende Anforderungen, längere Verfahren und ein intensiver Preiswettbewerb erschweren es ihnen, angemessene Honorare und wettbewerbsfähige Gehälter zu erzielen“, so BAK-Präsidentin Andrea Gebhard.
Wie sich dieser Druck wirtschaftlich niederschlägt, zeigt ein Blick auf die Büroüberschüsse. Die Gesamtleistung der Architekturbüros aus Umsatz und Bestandsveränderungen ist gegenüber 2023 zwar gestiegen und liegt im Median bei 92.500 Euro pro Vollzeitbeschäftigtem. Der Überschuss pro Büro fällt dagegen bescheiden aus. Nach Abzug der Inhabergehälter bleiben im Median lediglich 20.800 Euro. Knapp ein Drittel der Büros (32 Prozent) erwirtschaftet keinen Überschuss oder macht sogar Verluste.
Was die HOAI angeht, wurde bei der vorherigen Befragung noch ein Bedeutungsverlust festgestellt. Nun ist der Anteil der nach HOAI vereinbarten Honorare am Gesamtumsatz wieder von 49 auf 59 Prozent gestiegen. Dennoch berichten immer mehr Büros von einem verschärften Preiswettbewerb infolge des Wegfalls der verbindlichen Mindest- und Höchstsätze mit der HOAI-Novellierung 2021 (43 Prozent gegenüber 34 Prozent bei der Befragung 2024).
Bemerkenswert ist, dass der Trend zum Bauen im Bestand anhält. Der Anteil des Neubaus am Umsatz der Büros ist von 47 Prozent im Jahr 2021 über 42 Prozent im Jahr 2023 auf nunmehr 39 Prozent gesunken. Zugleich wird die Projektabwicklung aufwendiger. Die Laufzeiten verlängern sich, was sich besonders bei der Genehmigungsplanung zeigt, für die 60 Prozent der Büros angeben, mehr Zeit zu benötigen. Die Wettbewerbsbeteiligung bleibt mit weiterhin 17 Prozent niedrig. Für zwei Drittel der teilnehmenden Büros sind Wettbewerbe sogar ein finanzielles Verlustgeschäft.
Die Bruttojahresgehälter der angestellten Architekt*innen sind laut Umfrage gegenüber 2023 um zehn Prozent auf einen Median von 74.872 Euro (Vollzeit) gestiegen. In Planungsbüros fiel das Plus mit sechs Prozent allerdings geringer aus als im öffentlichen Dienst oder in der Bau- und Immobilienwirtschaft.
Insgesamt zeigt die Studie außerdem, dass der Berufsstand altert. Im Durchschnitt sind die selbstständigen Kammermitglieder 56 Jahre alt, die Angestellten 48 Jahre. Die Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern bestehen fort. Frauen arbeiten häufiger in Teilzeit, übernehmen seltener Führungspositionen, tragen dort Verantwortung für weniger Mitarbeitende und verdienen weiterhin weniger als ihre männlichen Kollegen. (dsm)
Die Befragung wurde im Mai und Juni 2026 durchgeführt, die wirtschaftlichen Kennzahlen beziehen sich auf das Berichtsjahr 2025. 85 Prozent der Befragten sind Hochbauarchitekt*innen, Für Innen-, Landschaftsarchitektur und Stadtplanung liegen Sonderberichte vor. Erstmals wurde zudem ein eigener Bericht zu Juniorarchitekt*innen erstellt, für den 450 Personen befragt wurden.
Die gesamten Ergebnisse der Strukturbefragung finden sich auf der Webseite der BAK.




