Wie viel Ordnung muss sein?
Polizeipräsidium in Karlsruhe von sehw architektur
„Ordnung braucht Ordnung“ schreiben sehw architektur (Berlin u.a.) über das Polizeipräsidium Karlsruhe. Und es stimmt schon: Wenn in Deutschland für die sogenannten Blaulichtorganisationen geplant und gebaut wird, geht es meistens streng und trocken zu. Ikonografisch ist das völlig nachvollziehbar, trotzdem würde man sich doch die ein oder andere formale Auflockerung wünschen.
Die findet man in Karlsruhe an der Rückseite des Hauses, wo der Riegel mit seiner grauen Klinkerfassade auf den Bestand mit gelben und roten Ziegeln trifft. Hans Döllgasts bahnbrechende Reparatur der Alten Pinakothek in München von 1957 drängt sich hier sofort als Referenz auf. Tatsächlich ist in Karlsruhe aber auch der vermeintliche Neubau eine Sanierung. Doch der Bestand war hier so stark kriegszerstört, dass er bis auf das Betonskelett rückgebaut wurde, erklären die Architekt*innnen. Anschließend verpassten sie dem sogenannten Bauteil F eine neue, graue Hülle mit hohen, schmalen Fenstern und einem Flachdach, auf dem die Haustechnik untergebracht wurde.
Bauteil E war in einem besseren Zustand. Hier wurde mit denkmalpflegerischer Expertise gearbeitet. Neben der Reparatur der rückwärtigen Fassade wurden die historischen Fenster entglast, die Stahlrahmen aufgearbeitet und fehlende Sprossengitter ergänzt. Die eigentlichen Fenster liegen nun hinter der historischen Wandschicht. Im Dachgeschoss sitzt jetzt die Spurensicherung und freut sich über denkmalgerecht ergänzte Gauben sowie Teppichböden und raumtrennende Regale im Sinne angenehmer Raumakustik.
Das Bauprojekt steht im Zusammenhang mit dem Umzug des Polizeipräsidiums in das historische Ensemble der ehemaligen Seifenfabrik Wolff & Sohn, das aus mehreren Einzelgebäuden unterschiedlicher Epochen besteht. Neben Büroräumen, Archiv und Funktionsräumen für kriminaltechnische Untersuchungen befindet sich auch das zweitgrößte Führungs- und Lagezentrum des Landes in dem von sehw architektur ertüchtigten Gebäudekomplex, der 2025 in Betrieb ging. Das Projekt geht auf ein Vergabeverfahren zurück, sehw verantworteten die Leistungsphasen 2 bis 9. Planmaterial und Angaben zu den Kosten hat das Polizeipräsidium nicht veröffentlicht. (gh)
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur:
- sehw architektur
- Mitarbeit Architektur:
- Alexander Wild, Julia von Reden, Loana Sahihi, Hanna Heber, Wolf Ludwig
- Statik:
- Haag Ingenieure
- TGA:
- IGP
- Brandschutz:
- HSI
- Schallschutz / EnEV:
- Brüssau Bauphysik
- Bauherrschaft:
- Vermögen und Bau Baden-Württemberg, Amt Karlsruhe
- Fläche:
- 7.086 m² Bruttogrundfläche