Fetzige Feuerwehr Vetzan
Lukas Wielander, Martin Trebo und Martin Egger in Südtirol
Selten haben wir einen unserer Redakteure derart aufgewühlt erlebt – und das nur, weil er in den Osterferien den Besuch eines kleinen Bauwerks verpasste, das nur wenige Kilometer vom Familienurlaubsdomizil entfernt lag. Und dieser Kollege hat viel gesehen. Es muss also was dran sein am Neubau der Freiwilligen Feuerwehr Vetzan in der Südtiroler Gemeinde Schlanders.
Wer hat sie denn entworfen, die tolle Feuerwehr, lautete sofort die Frage der Kolleg*innen. Eine gute Frage, denn ein allseits und überregional geläufiger Name war es nicht. 2018 lud die Gemeinde 16 aus Schlanders stammende oder in Schlanders lebende Architekt*innen zu einem einstufigen Wettbewerb ein. Die Arbeitsgemeinschaft Lukas Wielander, Martin Trebo und Martin Egger konnte das Konkurrenzverfahren für sich entscheiden. Für das Projekt wurden sie jüngst mit dem Architekturpreis Südtirol 2026 ausgezeichnet.
Die Feuerwehr Vetzan sei mit über 40 Mitgliedern – im Ort leben rund 460 Menschen – „sehr stark aufgestellt“, sagte der Vizebürgermeister bei der Präsentation des siegreichen Projekts: „Und eine gute Wehr braucht eine neue Halle.“ Die alten Räumlichkeiten hätten schon lange nicht mehr den Anforderungen entsprochen. Der direkt am Ortseingang gelegene Neubau von Wielander, Trebo und Egger erfülle den Wunsch nach einem „Gleichgewicht aus nötiger Präsenz und gebotener Zurückhaltung“ am besten, hieß es im Juryurteil.
Neben seiner Funktion als Zweckbau müsse das circa 560 Quadratmeter Nutzfläche bietende Feuerwehrhaus auch ein „würdiger Sitz für diesen wichtigen Verein im Dorf sein“, so die Architekten. In diesem Sinne sei die Material- und Farbwahl getroffen worden, an der auch Künstler Manfred Alois Mayr beteiligt war. Die dunklen Langformatziegel der Fassade beziehen sich auf die lokale Tradition der Ziegelherstellung. Die Art des Verbands orientiere sich zudem an ausgefachten Lüftungsöffnungen, wie man sie an Stadelgebäuden im Ort findet. Die leicht irrisierende Ziegellasur lasse wiederum an die Reflektoren der klassischen Feuerwehruniform denken, schreiben die Architekt*innen.
Typisch Feuerwehr sind auch die Farbakzente der Einbauten und mancher Details: Feuerrot und Schwefelgelb. Wobei sich zumindest auf den Fotos der grünliche Hauch in den reflektierenden Metalltoren der Fahrzeughallen ebenfalls nicht schlecht macht. Ob das vor Ort auch so gut wirkt, hätte besagter Kollege gerne überprüft. Vielleicht im nächsten Jahr, denn die Reise nach Südtirol ist ein schöner Familienklassiker. (mh)
- Architektur:
- Arbeitsgemeinschaft Arch. Lukas Wielander, Arch. Martin Trebo, Arch. Martin Egger
- Material- und Farbkonzept:
- Manfred Alois Mayr
- Bauherrschaft:
- Gemeinde Schlanders
- Fläche:
- 564 m² Nutzungsfläche
- Baukosten:
- 1.713.250 € Baukosten
- Auszeichnungen:
- Architekturpreis Südtirol 2026




