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28.05.2020

Feuerroter Farbakzent

Brandweerpost in Antwerpen von Happel Cornelisse Verhoeven


Die Feuerwehr Antwerpen ist dabei, ihre Wachen Schritt für Schritt den aktuellen Anforderungen anzupassen. So entstand auch dieser Neubau einer Brandweerpost von Happel Cornelisse Verhoeven Architecten (Rotterdam) in der Gemeinde Wilrijk. Die liegt ganz im Süden von Antwerpen, gut 12 Kilometer vom historischen Stadtzentrum entfernt. Die Architekten hatten einen Einladungswettbewerb gewonnen. Als Grundstück stand eine hübsch verwilderte Brache zur Verfügung, auch ein verlassenes Wohnhaus wurde für das Projekt abgerissen.

Die Wache ist an sieben Wochentagen rund um die Uhr besetzt, es sollten also neben Garage und Leitzentrale auch Räume zum Wohnen, Schlafen und für die Freizeit untergebracht werden. Die Feuerwache steht frei auf dem etwa 1.400 Quadratmeter großen Areal, gut sichtbar an der dicht befahrenen Ausfallstraße Gaston Fabrélaan. Die Architekten setzen ein schlichtes, rechteckiges Volumen an die Straße; auffällig wird es erst durch seine Farbe, einen kleinen Turmbau sowie die feine Ausgestaltung der Fassaden. Konstruktiv ist das Gebäude ein Hybrid, der sich aus einer pragmatischen Stapelung des geforderten Programms ergab. Grundsätzlich trennen die Architekten nach Räumen für die Maschinen und Räumen für die Menschen: Die doppelt hohe Garage mit beidseitig drei Rolltoren besteht aus Stahlbeton, die Wohn- und Arbeitsräume daneben und darüber sind ein Holzbau. Dabei ist die oberste Etage der Freizeit gewidmet, hier liegen die Räume für Sport, Spielen, Kochen oder Essen. Zur Rückseite Richtung Süden öffnet sich über den Toren auch eine Terrasse.

Neben die große Halle legen die Architekten auf zwei kompakten Etagen alle Räume für den Einsatz: die Leitzentrale mit Innenfenstern zu den Fahrzeugen sowie die etwas zurückgezogeneren Räume zum Schlafen und Ausruhen. Im Erdgeschoss finden sich die Ein- und Aufgänge sowie ein effizientes System von Umkleiden und Durchgängen. Im kleinen Turmaufbau verbirgt sich die Technikzentrale, der Turm selbst setzt einen städtebaulichen Akzent zur Kreuzung. Hier steht auch in großen, weithin gut lesbaren Buchstaben „BRANDWEER“ auf dem Gebäude.

Ob es diese Beschriftung überhaupt gebraucht hätte? Sie sind in Belgien jedenfalls Vorschrift. Ansonsten scheint das Haus selbst eindeutig genug. Das liegt neben den großen Toren vor allem an der feuerroten Farbe der Glasurklinkersteine, die der Fassade in zwei verschiedenen Formaten Rhythmus geben. Es ist eine erzählerische Tektonik: kräftige Pfeiler in größeren Abständen fassen die ersten beiden Etagen zu einer Einheit, darüber liegt ein roter Querbalken, auf dem schmalere Pfeiler in kleineren Abständen den „Dachbalken“ tragen. Die verschiedenen Formate der Klinker betonen dabei die Systematik: Die Pfeiler wirken kräftiger durch die größeren Formate, die Wände leichter. Das weiße Fugenbild leuchtet im Rot der Steine. Darin liegen die Fenster mit Rahmen in „dunklem Purpur“.

Ganz anders wirken die Innenräume durch ihr reduziertes Materialbild aus Sichtbetonflächen, offenen technischen Einbauten und viel Holz, das vor allem in den Aufenthaltsräumen zum Einsatz kam. Die Architekten sprechen bei ihrem Entwurf von einem Bezug zur „architecture parlante“, der sprechenden Architektur, die ihre innere Funktion eindeutig nach außen zeigt. In jedem Fall ist ihnen ein schöner, feuerroter Hingucker an einer sonst wenig ansehnlichen Durchfahrtsstraße gelungen. (fh)

Fotos: Karin Borghouts


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