Rübenauer Chalet
Umbau im Erzgebirge von Meyer-Grohbrügge
Wer sich hierzulande nach größtmöglicher Abgeschiedenheit sehnt, der kann zum Beispiel von Chemnitz aus Richtung Erzgebirge fahren. Hier werden die Dörfer immer kleiner und die Wälder immer dunkler, bis man hinter Zschopau, Marienberg und Rübenau schließlich direkt an der deutsch-tschechischen Grenze auf die ehemalige Nagelfabrik Rübenau im Natzschungtal trifft.
Das Gebäude wurde um 1890 errichtet, zunächst als Sägemühle. Ab 1921 diente es als Nagelfabrik mit eigener Wasserturbine. Später wurde die Nagelfabrik als Volkseigener Betrieb geführt. Danach stand sie leer und wechselte mehrfach den Besitzer. 2021 erstand eine Familie aus Chemnitz das Haus und ließ es nach Plänen vom Berliner Büro Meyer-Grohbrügge zum Wochenend- und Ferienhaus umbauen.
Ein „Jahrhundert voller Anbauten“ habe man entfernt, so Johanna Meyer-Grohbrügge, um das ursprüngliche Volumen des Gebäudes wieder freizulegen. Alle neuen Funktionen – vor allem ein 15-Meter-Pool, ein Dampfbad und eine Sauna mit Panoramafenster – brachten die Architekt*innen in einem eingeschossigen Anbau unter, der mit geschwungener Aluminiumfassade in den Hang zu beiden Seiten des Hauptgebäudes eingebettet wurde. Von der Straße aus ist er nicht zu sehen.
Alle Schlaf- und Wohnräume liegen im historischen Haus, dessen charakteristisches, großes Satteldach nach historischen Fotografien wiederhergestellt wurde; der Dachboden war 1923 ausgebrannt. Aufgrund von Kontaminationen musste das Gebäude vollständig entkernt werden. In die erhaltene Hülle wurde eine neue Tragkonstruktion aus regionaler Fichte eingebaut. Die Außenwände aus Bruchstein erhielten eine Dämmung mit Holzfasern und Lehm.
Von der Straße aus betritt man das Haus in der mittleren Etage. Hier liegen die fünf Schlafräume für bis zu zehn Übernachtungsgäste. Darüber findet sich der offene Dachboden mit Ausblick durch das verglaste Holztragwerk. Im Untergeschoss liegt ein großes Wohnzimmer mit Kamin und einer prominent platzierten Treppenskulptur aus schwarzem Metall. Die beiden neuen Panoramafenster öffnen den Raum in zwei Richtungen. Rückseitig zum Hang steht eine geschwungene Schrankwand aus schimmerndem Aluminium, die die beiden Anbauten seitlich des Bestands konzeptionell durch diesen hindurchführt.
Die Energieversorgung erfolgt mit der 80 Jahre alten Wasserturbine und einer Solaranlage auf dem Dach. Das Abwasser wird über eine Kleinkläranlage gereinigt. Die Bauarbeiten wurden von regionalen Unternehmen durchgeführt, sodass Meyer-Grohbrügge und die Bauherrschaft von „sanftem Tourismus“ sprechen. Die Familie möchte das Haus selbst nutzen, vermietet es unter dem Namen Chalet Haamit aber auch über eine eigene Webseite. (fh)
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur:
- Meyer-Grohbrügge
- Bauherrschaft:
- privat
- Fläche:
- 828 m² Wohnfläche
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