Von Frust zu Raum
Pavillon im Kanton Solothurn von Piertzovanis Toews
Diese Geschichte ist fast zu schön, um wahr zu sein: Jugendliche in der kleinen Schweizer Gemeinde Nuglar-St. Pantaleon suchen einen Ort, an dem sie sich abends treffen können. Als es dabei zu Lärmbeschwerden kommt, wenden sie sich in einem offenen Brief an den Gemeinderat. Fünf Jahre später steht der Schiebetürenpavillon von Piertzovanis Toews (Basel) auf einer Wiese außerhalb des Ortes. Seit Mai 2025 ist er für alle zugänglich. Geplant wurde er gemeinsam mit Jugendlichen, Anwohnenden und Fachleuten. Ein knappes Budget wurde durch Sachspenden und ehrenamtliche Arbeit ergänzt.
Der Ort Nuglar-St. Pantaleon liegt rund zwölf Kilometer Luftlinie südöstlich des Basler Stadtzentrums. Dass hier ein solches Projekt entstehen konnte, dürfte auch damit zu tun haben, dass die zuständige Gemeinderätin selbst Architektin ist und das Anliegen der Jugendlichen entsprechend ernst nahm. Eine Jury, der auch Jugendliche angehörten, lud zunächst vier regionale Büros zu einer Vorstellungsrunde ein. Mit dem ausgewählten Büro wurde anschließend eine Arbeitsgruppe gebildet, in der Jugendliche, Anwohnende und Fachleute gemeinsam weiterarbeiteten. In Sitzungen und Workshops wurde der Entwurf konkretisiert – und aus Kostengründen schließlich auch verkleinert. Übrig blieb ein Pavillon mit 15,5 Quadratmetern Nutzungsfläche.
Seinen Platz hat der Gemeinschaftsraum rund 300 Meter außerhalb des Dorfes gefunden. Dort, wo er niemanden stören dürfte, steht er leicht angehoben inmitten einer Wiesenlandschaft. Der einfache Baukörper besteht aus einer mintgrün gestrichenen Skelettkonstruktion aus regionalem Holz. Vier Rundholzstützen und je zwei rechtwinklig zueinander angeordnete Wandscheiben an den Stirnseiten tragen die Dachkonstruktion. Charakteristisch und namensgebend sind die Schiebepaneele an den Längsseiten. Je sieben Elemente lassen sich auf jeder Seite in vier Ebenen verschieben. Durch rosafarbene Netzvorhänge kann der Raum zusätzlich strukturiert werden.
Die mit transluzentem Plexiglas gefüllten Paneele machen aus dem kleinen Baukörper einen wandelbaren Raum. Denn der Schiebetürenpavillon ist ausdrücklich nicht nur als Jugendtreff gedacht. Kindergeburtstage können hier stattfinden, ebenso Konzerte oder Kleintheateraufführungen. Wandernden ermöglicht er, eine Pause einzulegen. Und wer einfach nur einen geschützten Ort im Freien sucht, kann ebenfalls vorbeikommen. Einen Schlüssel braucht niemand. Nach dem ersten Betriebsjahr scheint dieses Prinzip zu funktionieren. Der Ort bleibt niederschwellig, es gibt weder Elektrizität noch Dämmung.
Bei der Konstruktion und Finanzierung wurde mit dem gearbeitet, was verfügbar war. Zwar unterstützte die Gemeinde das Projekt, für die vollständige Umsetzung reichte das Budget jedoch nicht. Also wurde die Projektgruppe kreativ. Unternehmen stellten kostenlos Materialien zur Verfügung, darunter gebrauchtes Trapezblech für das Dach, die Stegplatten, Farbe und Vorhänge. Die ausführenden Firmen arbeiteten ebenso wie Jugendliche und weitere Interessierte aus der Dorfgemeinschaft ehrenamtlich. Bei Workshops wurden Holzbauteile gestrichen und Hocker gebaut. Selbst unter dem Pavillon versteckt sich diese Haltung: Die Schraubfundamente stammen aus einem alten Bau und wurden wiederverwendet. Sollte der Schiebetürenpavillon eines Tages abgebaut werden, lassen sie sich herausdrehen und erneut einsetzen. (gk)
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur:
- Piertzovanis Toews
- Team Architektur:
- Ioannis Piertzovanis, Heinrich Toews, Thibaut Dancoisne, Lukas Fritschi
- Ausführung:
- az Holz mit Jugendlichen aus Nuglar - St. Pantaleon
- Bauingenieur:
- az Holz
- Bauherrschaft:
- Gemeinderat Nuglar - St. Pantaleon
- Fläche:
- 16 m² Nutzungsfläche
- Baukosten:
- 83.500 €



