Verbindungen schaffen
Nachbarschaftszentrum in Évry-Courcouronnes von HEMAA
Évry-Courcouronnes ist eine der französischen Villes nouvelles, die ab den 1960er Jahren in der Pariser Agglomeration entstanden. Großmaßstäblicher Wohnungsbau und vom Autoverkehr geprägte Strukturen sollten moderne Städte schaffen, erwiesen sich jedoch langfristig als problematisch. Seit den 2000er Jahren wird die rund 67.000 Einwohner*innen zählende Gemeinde im Süden von Paris deshalb – wie so viele in der Region Île-de-France – schrittweise umgebaut, um wieder mehr öffentliche Räume, kleinteiligere Strukturen sowie eine stärkere soziale und funktionale Mischung zu schaffen.
In diesem Kontext entstand die Maison des Services Publics (MSP) Jacques-Prévert, entworfen von HEMAA Architectes (Paris). Der 2.470 Quadratmeter große Neubau bündelt unterschiedliche soziale, kulturelle und kommunale Angebote für die Anwohner*innen: ein Bürgerbüro, ein Elternzentrum, eine Kita für 30 Kinder, einen Veranstaltungssaal mit 180 Sitzplätzen, ein Tanzstudio, Räume für Kunst, Musik, Workshops und einen frei zugänglichen digitalen Treffpunkt.
Das dreiteilige Ensemble liegt zwischen den Stadtvierteln Les Pyramides und Le Bois Sauvage, die heute zu den Quartiers prioritaires gehören – also Gebieten mit besonderem Förderbedarf. Rund 11.900 Menschen leben hier auf 57 Hektar, größtenteils in sozial benachteiligten Haushalten. Mit dem neuen Ensemble sollen die Verbindungen zwischen den beiden Vierteln und deren Bewohner*innen gestärkt werden.
HEMAA organisierten die drei Gebäudeteile entlang einer zentralen „inneren Straße“, die von Norden nach Süden verläuft. Diese schafft nicht nur eine Verbindung der beiden Stadtviertel, sondern dient auch als Mittelpunkt und Verteiler des Gebäudes. Ein begrünter Innenhof für die Kita und Aufenthaltsflächen im Erdgeschoss sowie Terrassen im Obergeschoss erweitern diese öffentliche, teilweise zweistöckige, verglaste Struktur in den Außenraum.
Mit der roten Ziegelfassade knüpfen HEMAA gestalterisch an das Stadtzentrum von Évry-Courcouronnes an, etwa an die Kathedrale von Mario Botta, das Rathaus und die Handelskammer. Der Ziegel zeigt sich dabei je nach Funktion mal perforiert, mal gemustert – als Sockel, Sichtschutz, Wand oder vorspringendes Element. Konstruktiv handelt es sich um ein Tragwerk aus Holz mit strohbasierter Dämmung. Holz prägt auch die Innenräume. Die Dächer sind teilweise begrünt. Photovoltaikmodule auf dem Dach der inneren Straße decken einen Teil des Energiebedarfs. (dsm)
- Fertgstellung:
- 2026
- Architektur:
- HEMAA Architectes
- Partner in der Wettbewerbsphase:
- Hesters-Oyon architectes
- Ingenieursplanung:
- Ote and Otelio
- Szenographie:
- Aqora
- Landschaftsarchitektur:
- AFC
- Bauherrschaft:
- Stadt Évry-Courcouronnes
- Fläche:
- 2.474 m² Bruttogrundfläche
- Baukosten:
- 12.000.000 €
Die städtebaulichen Strukturen von Évry-Courcouronnes, insbesondere auch der Wohnkomplex Les Pyramides von Michel Andrault und Pierre Parat, inspirierten Jugendliche in den 1990ern zu einer neuen Art der Fortbewegung: Parkour. Die BauNetz WOCHE #680 erzählt, wie daraus eine weltweite Praxis mit eigenen Anlagen entstand.








