Bürgerlich, festlich, fertig
Zur Sanierung und Erweiterung der Bühnen Köln
Bürgerlich, festlich, fertig
Zur Sanierung und Erweiterung der Bühnen Köln
Die Bühnen Köln spielen nach 14 Jahren wieder in ihren Stammhäusern am Offenbachplatz. Eine ARGE um HPP hat das Nachkriegsensemble von Wilhelm Riphahn saniert und erweitert. Viel wurde über Kosten und Zeitpläne diskutiert. Das ist wichtig. Doch mit Blick auf die morgige Wiedereröffnung sollte man die Leistung der Planer*innen nicht vergessen.
Wenn ab morgen der Bauzaun vor den Bühnen Köln weggeräumt sein wird, gilt wieder wie früher: Die ganze Stadt ist eingeladen. Das von Wilhelm Riphahn entworfene Ensemble aus Oper, Opernterrassen und Schauspielhaus, gefasst vom Großen und Kleinen Offenbachplatz hat den ihm eingeschriebenen bürgerlichen Stolz des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg nicht verloren. Nur schaut man nach 14 Jahren Sanierung und Umbau mit anderen Augen auf die Wiedereröffnung – auch, weil nach einem Wettbewerb von 2008 noch eine ganz andere Vision im Raum stand.
1957 eröffnete, nach wenig mehr als zwei Jahren Bauzeit, zunächst Riphahns Opernhaus. Es zeigte sich bürgerlich, verzichtete auf Schwellen und die Abbildung von Hierarchien. Es zeigte sich lesbar durch die unmittelbare Übersetzung seiner Funktionen in Formen. Es zeigte sich festlich in der Inszenierung von Räumen und Wegen, dem Spiel mit Licht, Farben und Materialien. Und es zeigte sich dabei immer wieder überraschend: Kronleuchter aus Muranoglas trafen auf Glasbausteine und Isolierglas, Nagelfluh auf Spaltklinker und Sichtbeton. Gleiches gilt mit kleinen Abstrichen bei der Festlichkeit für das gesamte bis 1962 fertiggestellte Ensemble.
1957 eröffnete, nach wenig mehr als zwei Jahren Bauzeit, zunächst Riphahns Opernhaus. Es zeigte sich bürgerlich, verzichtete auf Schwellen und die Abbildung von Hierarchien. Es zeigte sich lesbar durch die unmittelbare Übersetzung seiner Funktionen in Formen. Es zeigte sich festlich in der Inszenierung von Räumen und Wegen, dem Spiel mit Licht, Farben und Materialien. Und es zeigte sich dabei immer wieder überraschend: Kronleuchter aus Muranoglas trafen auf Glasbausteine und Isolierglas, Nagelfluh auf Spaltklinker und Sichtbeton. Gleiches gilt mit kleinen Abstrichen bei der Festlichkeit für das gesamte bis 1962 fertiggestellte Ensemble.
Als der Vorhang in der Kölner Oper im Juni 2012 zum letzten Mal fiel, schien alles noch überschaubar: HPP Architekten (mit Hauptsitz in Düsseldorf und diversen Standorten weltweit) waren 2010 nach europaweiter Ausschreibung als ARGE mit theapro (München) und BRB Lindlar (Bonn) mit der denkmalgerechten Sanierung des Opernhauses und des Schauspielhauses, dem Umbau des Restaurant- und Geschäftshauses Opernterrassen zu einem Kleinen Haus des Schauspiels und dem Neubau einer Kinderoper unter dem Kleinen Offenbachplatz beauftragt worden. Drei Jahre sollte die Maßnahme dauern, die Kosten waren auf 253 Millionen Euro gedeckelt. Die Bühnen Köln verteilten sich in der Zwischenzeit auf verschiedene Interimsspielplätze in der Stadt.
Es dauerte länger, es wurde teurer. Beides in einem Maße, dass sich bald jede kommunale Sanierungsdebatte auch in anderen Städten mit einem „aber in Köln…“ beenden ließ. Inzwischen summieren sich die reinen Baukosten auf 798 Millionen Euro. Die Finanzierung des gesamten Projekts (inklusive Kreditlast und Kosten der Interimsstätten) wird in den kommenden 40 Jahren einen Betrag in etwa gleicher Höhe verschlingen. So wurde in den vergangenen Jahren meist nur der Zahlenhorror publiziert. Der Denkmalwert, die Fortschreibung der Architektur und die Bedeutung der Häuser für die kulturelle Identität der Stadt, die sich schlecht numerisch erfassen lassen, drangen dagegen kaum noch durch den Bauzaun.
Steht man heute auf dem wiederhergestellten historischen Schmuckpflaster des Offenbachplatzes (Jürgen Hans Grümmer, 1966), sieht man fast das bauzeitliche Erscheinungsbild. Denn HPP (mit 72 Gewerken, 58 Unternehmen und 22 Planungsbüros) haben an den richtigen Stellen angesetzt. Vor allem, um die Qualitäten herauszuarbeiten und weiterzudenken, die Peter Zumthor der Oper im Rahmen des Projekts „Liebe deine Stadt“ (2005 initiiert von Konzeptkünstler Merlin Bauer) zugeschrieben hatte – die Festlichkeit, die Intimität, den öffentlichen Raum.
Es dauerte länger, es wurde teurer. Beides in einem Maße, dass sich bald jede kommunale Sanierungsdebatte auch in anderen Städten mit einem „aber in Köln…“ beenden ließ. Inzwischen summieren sich die reinen Baukosten auf 798 Millionen Euro. Die Finanzierung des gesamten Projekts (inklusive Kreditlast und Kosten der Interimsstätten) wird in den kommenden 40 Jahren einen Betrag in etwa gleicher Höhe verschlingen. So wurde in den vergangenen Jahren meist nur der Zahlenhorror publiziert. Der Denkmalwert, die Fortschreibung der Architektur und die Bedeutung der Häuser für die kulturelle Identität der Stadt, die sich schlecht numerisch erfassen lassen, drangen dagegen kaum noch durch den Bauzaun.
Steht man heute auf dem wiederhergestellten historischen Schmuckpflaster des Offenbachplatzes (Jürgen Hans Grümmer, 1966), sieht man fast das bauzeitliche Erscheinungsbild. Denn HPP (mit 72 Gewerken, 58 Unternehmen und 22 Planungsbüros) haben an den richtigen Stellen angesetzt. Vor allem, um die Qualitäten herauszuarbeiten und weiterzudenken, die Peter Zumthor der Oper im Rahmen des Projekts „Liebe deine Stadt“ (2005 initiiert von Konzeptkünstler Merlin Bauer) zugeschrieben hatte – die Festlichkeit, die Intimität, den öffentlichen Raum.
Von den 66.150 Quadratmetern Bruttogrundfläche des gesamten Ensembles entfallen 16.900 Quadratmeter auf den Neubau für zwei Probebühnen, Kostümlager und Logistik, die unterirdisch beziehungsweise mit der Schließung der Rückseite an der Krebsgasse Platz fanden. Die Bestandsbauten sind energetisch ertüchtigt, die gesamte technische Infrastruktur wurde ersetzt, Brandschutz und Barrierefreiheit hergestellt. Die Bühnentechnik ist neu aufgebaut, die betrieblichen und künstlerischen Abläufe sind optimiert und akustische Schwächen in den Sälen beseitigt.
Die Architektur hat ihre Lesbarkeit zurückgewonnen, sämtliche Bauteile (von den Garderobenhaken bis zur Rabitzdecke) und Oberflächen (vom Schieferboden bis zum Nussbaumfurnier im Zuschauerraum der Oper), die in der Vergangenheit zwar wenig gepflegt, aber nicht zerstört waren, sind fachgerecht aufgearbeitet. Bei stratografischen Untersuchungen fanden die Restaurator*innen 131 Farbtöne, mit denen sie Riphahns fein nuanciertes Farbkonzept rekonstruieren konnten. Der Sichtbeton der hoch aufragenden schrägen Werkstatttürme wurde seit 1962 mit viel Weiß quasi weggestrichen. Nun darf er seine raue Oberfläche, in der auch die Sanierung Spuren hinterlassen hat, zeigen. Die Geländer vor den Balkonen tragen wieder ihr originales Rot.
Zwei neue Spielstätten ergänzen das Angebot von Oper (1.300 Plätze, 14 Rollstuhlplätze) und Schauspiel (703 Plätze, 8 Rollstuhlplätze). Für die als Institution in Köln seit 1996 etablierte Kinderoper schufen HPP acht Meter unter dem Kleinen Offenbachplatz (seit 2025 Dirk-Bach-Platz) Raum für ein professionelles Bühnenerlebnis von 220 Kindern (4 Rollstuhlplätze). Der Weg über die Doppelhelixtreppe hinab in den vergoldeten Saalkörper ist spielerisch inszeniert, die Atmosphäre im Rund der konzentrischen Bänke wohltuend vertraulich.
Die Architektur hat ihre Lesbarkeit zurückgewonnen, sämtliche Bauteile (von den Garderobenhaken bis zur Rabitzdecke) und Oberflächen (vom Schieferboden bis zum Nussbaumfurnier im Zuschauerraum der Oper), die in der Vergangenheit zwar wenig gepflegt, aber nicht zerstört waren, sind fachgerecht aufgearbeitet. Bei stratografischen Untersuchungen fanden die Restaurator*innen 131 Farbtöne, mit denen sie Riphahns fein nuanciertes Farbkonzept rekonstruieren konnten. Der Sichtbeton der hoch aufragenden schrägen Werkstatttürme wurde seit 1962 mit viel Weiß quasi weggestrichen. Nun darf er seine raue Oberfläche, in der auch die Sanierung Spuren hinterlassen hat, zeigen. Die Geländer vor den Balkonen tragen wieder ihr originales Rot.
Zwei neue Spielstätten ergänzen das Angebot von Oper (1.300 Plätze, 14 Rollstuhlplätze) und Schauspiel (703 Plätze, 8 Rollstuhlplätze). Für die als Institution in Köln seit 1996 etablierte Kinderoper schufen HPP acht Meter unter dem Kleinen Offenbachplatz (seit 2025 Dirk-Bach-Platz) Raum für ein professionelles Bühnenerlebnis von 220 Kindern (4 Rollstuhlplätze). Der Weg über die Doppelhelixtreppe hinab in den vergoldeten Saalkörper ist spielerisch inszeniert, die Atmosphäre im Rund der konzentrischen Bänke wohltuend vertraulich.
Das Kleine Haus des Schauspiels, für das die Opernterrassen umgebaut wurden, bietet mit der Studiobühne einen flexibel konfigurierbaren Black-Box-Saal für Zeitgenössisches mit bis zu 220 Publikumsplätzen (Rollstühle flexibel). Der Große Offenbachplatz, erst Parkplatz, dann Schmuckplatz, animiert mit neuer kreisrunder Möblierung und restauriertem Mosaikbrunnen endlich zum Spielen und Bleiben. Die Gastronomie im Kleinen Haus und die Kantine in der Oper laden auf den rückwärtigen Dirk-Bach-Platz.
Viele sahen Köln an diesem Großprojekt scheitern. Doch es ist sehr tröstlich, wenn der Besuch der Häuser wenige Tage vor der morgigen Wiedereröffnung zeigt, dass die kostspielige Sanierung nicht das Schaulaufen einer Elite inszeniert, sondern das originär bürgerlich-demokratische Wesen der Bühnen Köln konsolidiert hat.
Viele sahen Köln an diesem Großprojekt scheitern. Doch es ist sehr tröstlich, wenn der Besuch der Häuser wenige Tage vor der morgigen Wiedereröffnung zeigt, dass die kostspielige Sanierung nicht das Schaulaufen einer Elite inszeniert, sondern das originär bürgerlich-demokratische Wesen der Bühnen Köln konsolidiert hat.
Bautafel
- Fertigstellung:
- 2026
- Architektur:
- HPP Architekten
- Theaterfachplanung:
- theapro
- Restauration:
- BRB Lindlar
- Bauherrschaft:
- Bühnen Köln
- Fläche:
- 66.150 m² Bruttogrundfläche
- Baukosten:
- 798.000.000 € (KG 300 + 400)
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