Kino International
Sanierung in Berlin von Dickmann Richter Architekten
Das Kino International an der Berliner Karl-Marx-Allee gilt als bedeutendes Beispiel der DDR-Moderne und ist nicht nur für das Berliner Filmpublikum eine Institution. Nach 18 Monaten Generalsanierung öffnet es ab morgen wieder seine Türen. Dahinter wirkt auf den ersten Blick alles wie zur Einweihung im Jahr 1963. Doch die Maßnahmen, mit denen Dickmann Richter Architekten das Großraumkino technisch aktualisierten, reichen vom Keller bis zum Dach. Das Berliner Büro arbeitete hierzu eng mit der Denkmalschutzbehörde zusammen.
Ein neun Meter auskragender, leuchtender Kubus vor blauer Hochhausscheibe – so konzipierte Architekt Josef Kaiser das von der SED-Staatsführung in Auftrag gegebene Großraumkino, das weit mehr als ein klassisches Premierentheater sein sollte: Großzügige Foyers, Räume für Klubtreffen und eine Bibliothek ergänzten den Kinosaal. Bis heute hat ein Besuch des „International“ mehr mit einer Opernpremiere als mit Popcornkino gemein: Von der Garderobenhalle mit ihrer niedrigen, goldfarbenen Rautendecke schreitet man über flach geneigte Treppenaufgänge ins obere Foyer, wo sich die holzvertäfelte und lüstergekrönte Panoramabar über große Fenster zum Stadtraum öffnet – und zum eleganten Kinosaal mit geschwungener, weißer Rabitzdecke und paillettenbesetztem Vorhang.
Der Erhalt dieser Raumfolge bildete den Ausgangspunkt für die Planung von Dickmann Richter. Die denkmalgeschützten Wand- und Deckenoberflächen wurden abgetragen, um die dahinterliegenden Leitungen komplett zu erneuern, und anschließend originalgetreu wiederhergestellt. So wurden über sieben Kilometer Holzlamellen aus Kirschbaum, Ulme und Esche demontiert, restauriert und wieder eingesetzt. Auch der historische Betonwerksteinboden, Natursteinflächen sowie die markante Golddecke im Eingangsbereich wurden aufgearbeitet. Ebenso der silberne Premierenvorhang mit über 40 Millionen Pailletten.
Panorambar und Kinosaal profitieren von der verbesserten Akustikdämmung sowie Sound- und Projektionstechnik. Das Dach wurde mit neuen Oberlichtern, erneuterter Dachabdichtung, Zinkblechdeckung und denkmalgerecht integrierten Haustechnikkomponenten versehen. Die neue Heiz- und Lüftungstechnik senkt den Energiebedarf des Gebäudes um rund 70 Prozent. Gleichzeitig erfüllt das Kino nun alle Anforderungen an den Brandschutz und ist, dank eines Aufzugs zum Kinosaal sowie rollstuhlgerechter Sanitäranlagen, endlich barrierefrei.
Die aus den 1990er Jahren stammende Bestuhlung blieb erhalten – sie war mittlerweile ebenfalls denkmalrelevant. Gleichwohl wurde die Zahl der Sitze von 550 auf 506 reduziert. Eine Maßnahme für dasselbe stilvolle Kinoerlebnis bei deutlich mehr Beinfreiheit. (kms)
- Fertigstellung Sanierung:
- 2026
- Architektur (Bestand):
- Josef Kaiser
- Architektur (Sanierung):
- Dickmann Richter Architekten
- Team:
- Daniel Dickmann, Helen Hart, Elena Herwarth von Bittenfeld, Chiara Alten, Julia Gerhards
- Projektsteuerung:
- Becker + Hofstätter
- Gebäudetechnik:
- ABK Gebäudetechnik
- Bauherrschaft:
- Yorck Kino GmbH
- Fläche:
- 6.381 m² Bruttogrundfläche
Für den Eröffnungsfilm gibt es noch wenige Karten.