Mehr Bühne für die vier Musen
Sanierung und Erweiterung in Kielce von WXCA
Das Stefan Żeromski Theater in Kielce gehört zu den ältesten Theatern Polens. Wie viele historische Bühnen benötigte das über 140 Jahre alte Haus eine dringende Anpassung an heutige Anforderungen. Das Warschauer Büro WXCA sanierte den historischen Bau und ergänzte eine Erweiterung, deren strukturierte Sichtbetonfassade an das bestehende Erscheinungsbild anknüpft. Das Projekt ging aus einem 2017 entschiedenen Wettbewerb hervor und kostete polnischen Medienberichten zufolge rund 40,2 Millionen Euro, teils finanziert durch regionale Fördermittel.
Um die Entstehung des heute denkmalgeschützten Baus rankt sich die Legende, ein Industrieller habe es für eine Warschauer Schauspielerin errichten lassen. Das zentral an einer Hauptstraße in Kielce gelegene Gebäude zeigt die Formensprache des eklektischen Historismus des späten 19. Jahrhunderts mit Anklängen an Neorenaissance und Neobarock. Der Umbau umfasste neben der Vergrößerung und Umstrukturierung des Hauses vor allem die Restaurierung der historischen Fassade und der Innenräume sowie die Rekonstruktion verloren gegangener Elemente. Unter anderem erhielt die Fassade vier Statuen zurück, die die Musen der darstellenden Künste repräsentieren und vor über sechzig Jahren entfernt worden waren.
Für die Erweiterung wurde ein angrenzender Bau, der zuvor Wohn- und Geschäftsflächen beherbergte, aufgestockt. Die neue Fassade aus geriffelten Betonplatten greift Gliederung und Dimension der historischen Fassade auf, bleibt jedoch deutlich als zeitgenössische Ergänzung erkennbar. Die neuen Flügel im Innenhof zeigen sich als schlichte Putzfassaden, die in Proportion und Fensteranordnung die historische Architektur zitieren.
Durch die Ergänzung konnte die historische Bühne um mehr als das Doppelte vergrößert werden. Moderne technische Neuerungen – darunter eine sechs Meter große Drehbühne, mobile Zuschauerräume und sechs doppelstöckige Falltüren – ermöglichen schnelle Szenenwechsel und 360-Grad-Drehungen. Hinzu kamen außerdem eine weitere, kleine Bühne mit Proberäumen, ein Aufnahmestudio, Werkstätten, ein Restaurant und Künstlerwohnungen. Besonders wichtig für Stadt und Öffentlichkeit sei die Öffnung des ehemaligen Hinterhofs gewesen, so die Architekt*innen. Der Hof dient nun als zusätzlicher Veranstaltungsort für Aufführungen, Workshops und Ausstellungen. Ein Bühnenfenster öffnet den Innenraum zum Hof, sodass auch Außenaufführungen möglich sind.
Im Inneren führt eine räumliche Abfolge die Besucher*innen „allmählich in die feierliche Atmosphäre dieses Tempels der Kultur“, wie WXCA es beschreiben. Im Hauptsaal wurden unter anderem die Karyatiden restauriert, die das Bühnenfenster rahmen. Rekonstruierte Dekorationen zeigen Porträts von Schriftsteller*innen, die früher den unteren Balkon schmückten. Ursprünglich waren es fünfzehn, auf Initiative der Architekt*innen wurde die Galerie jedoch um zeitgenössische Schriftsteller*innen auf dem oberen Balkon ergänzt. Für diese Reliefs war der Bildhauer Piotr Maślanka verantwortlich.
Ein auffälliger Akzent ist die handgehämmerte, vergoldete Messingdecke über der Hauptbühne, die sowohl dekorative als auch akustische Funktionen erfüllt. Die verwendete Farbpalette – Gold, Pastellrosa sowie Hell- und Dunkelgrün – ist von der ursprünglichen Innenraumgestaltung des Theaters inspiriert. (dsm)
- Fertigstellung:
- 2024
- Architektur:
- WXCA
- Team:
- Szczepan Wronski, Marta Sekulska-Wronska, Monika Lemanska, Malgorzata Dembowska, Michal Kasprzyk, Marcin Kruk, Paulina Kucharska, Krzysztof Moskala, Krzysztof Marciszewski, Malgorzata Gilarska, Marcin Jurusik, Kacper Karpinski, Magdalena J. Nowak, Kajetan Szostok, Nina Wojtczuk-Hejduk, Tomasz Burno, Zuzanna Wodowska, Stanislaw Klajs, Adrianna Manista, Anna Majewska-Karolak, Michal Czerwinski, Mikolaj Nieweglowski, Lukasz Rossa, Pawel Grodzicki, Andrzej Bulanda, Piotr Hardt
- Bilhauer:
- Piotr Maslanka
- Investor:
- Stefan Zeromski Theatre in Kielce
- Fläche:
- 10.887 m² Bruttogrundfläche




