Viele unter einem Dach
Wohnhausumbau von c/o now in der Uckermark
An der kopfsteingepflasterten Zufahrtsstraße eines ehemaligen Landguts in der 38 Dörfer umfassenden Gemeinde Nordwestuckermark reihen sich drei baugleiche Wohnhäuser aneinander. Errichtet wurden sie 1870 für Arbeiter*innen des Guts. Während man den beiden äußeren Gebäuden ihr Alter sehr deutlich ansieht, sticht das mittlere hervor. Durch eine umfassende Instandsetzung von c/o now (Berlin) bekam es ein frisches Erscheinungsbild, bleibt aber als Teil des Ensembles erkennbar. Die privaten Bauherr*innen stemmten das Projekt als Baugruppe mit viel Eigenleistung. Sie nutzen das Haus, das c/o now unter dem Projekttitel Prolonged Berlin I: Arbeiter*innenhaus nächst Gut führen, nun als kollektiven Rückzugs- und Kreativort.
Angesichts des schlechten baulichen Zustands nach mehreren Jahren Leerstand war zu Anfang auch ein Abriss und kleinerer Neubau im Gespräch. Doch die neuen Eigentümer*innen ließen sich gerne von den Architekt*innen überzeugen, mit dem Bestand zu arbeiten. Ein Argument bildeten nicht zuletzt die räumlichen Qualitäten. Das Gebäude wurde einst errichtet, um eine größere Zahl von Menschen zu beherbergen. Und auch bei den jetzigen Bewohner*innen handelt es sich um einen aus drei Parteien bestehenden und entsprechend großen Freundeskreis.
Der symmetrisch organisierte Grundriss des Erdgeschosses war dafür bestens geeignet, sodass die Architekt*innen kaum intervenierten. Es ist in vier gleich große Wohneinheiten mit jeweils einer kleinen Stube, Kammer und eigener Eingangsloggia unterteilt. Jede Partei hat nun einen solchen Bereich zur privaten Nutzung zur Verfügung, die vierte Einheit ist für Gäste gedacht. Das mittig gelegene Treppenhaus wurde zur Gemeinschaftsküche, mit Kochblock unter der Stiege.
In Richtung Garten öffnet eine große Verglasung die Fassade. Sie lässt sich komplett zur Seite schieben und dient auch als neuer Haupteingang. Straßenseitig liegen zwei identische Bäder nebeneinander, die von allen genutzt werden. In den Wohnbereichen sind Linoleumböden verlegt, in der Küche blau-weiße Fliesen. Das Treppengeländer ist eine kleine Referenz auf die typischen Zäune aus DDR-Zeiten, die in der Umgebung zu finden sind.
Im hohen Dachgeschoss befanden sich früher neben Speicherflächen zwei weitere Unterkünfte. Sämtliche Ausbauten ließen c/o now entfernen, sodass ein großer Raum mit offenem Dachstuhl entstand. Ausgestattet mit einem Lehmofen und diversen Sitzbereichen dient er als gemeinschaftliches Wohnzimmer. Um den Raum besser zu belichten und einen stärkeren Bezug zur Landschaft zu schaffen, haben die Architekt*innen den Westgiebel „kopiert“ und um 90 Grad gedreht als Kreuzgiebel aus transluzentem Polycarbonat mit Panoramafenster in die Längsseite eingefügt.
Die Außenwände des Gebäudes bestehen aus feuchtigkeitsempfindlichen Grünlingen, ungebrannte Lehmsteine. Sie waren großflächig unverputzt der Witterung ausgesetzt und dementsprechend angegriffen. Nach umfassender Reparatur erhielt die Fassade außen einen dunkelgrauen Rauputz, innen einen Lehmputz. Hinzugefügt haben die Architekt*innen außerdem eine Bodenplatte, denn im Bestand lag lediglich eine Holzbalkendecke direkt über dem Erdreich. Die neue Dachdeckung besteht aus Trapezblechen. (da)
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur:
- c/o now
- Team:
- Tobias Hönig, Andrijana Ivanda, Markus Rampl, Paul Reinhardt, Duy An Tran, Ksenija Zdešar, Sebastian Rothkopf, Pola Koch
- Bauleitung:
- Peter Quass
- Tragwerksplanung:
- Lothar-Rüdiger Jäger
- Bauherrschaft:
- privat
- Fläche:
- 404 m² Bruttogrundfläche






