Wohnskulptur im Siedlerhaus
Umbau von Klöpfel Zeimer Architekten in der Uckermark
Die junge Familie, die in dieses zierliche Haus in der Uckermark gezogen ist, suchte nach etwas Speziellem. Gefunden hatten sie zunächst etwas recht Gewöhnliches: Ein historisches Siedlerhaus, das in den 1990er Jahren „ordentlich verhunzt“ wurde, wie Architekt Robert Zeimer erzählt – Baumarkt-Charme und Styropordämmung. Man kennt es. „Macht was draus“, sei da der Auftrag der Bauherrschaft gewesen, die als Mediendesigner*innen selbst gestaltungsaffin sind.
Das frisch gegründete Berliner Büro Klöpfel Zeimer Architekten setzte das Spezielle vor allem im Inneren um. Wie so oft bei Umbauten dieser Art begann auch hier alles mit einem radikalen Entrümpeln. Die Devise: Alles muss raus. Im Sinne des offenen Wohnkonzepts, das sich die Familie wünschte, ließen die Architekt*innen sämtliche Trennwände verschwinden. Stattdessen organisiert nun eine mittige Ziegelskulptur das gesamte Innenleben über 135 Quadratmeter Nutzfläche.
Den Anstoß für diesen ungewöhnlichen Entwurf bildete die alte Treppe. Sie lag an einer gemauerten Außenwand, wodurch ein möglicher Ausblick verschenkt wurde. Mit der Entscheidung, die Treppe in die Mitte des Hauses zu verlegen, sei klar gewesen, dass sie auch konzeptuell ins Zentrum rücken sollte. So wurde daraus ein Element, das nicht nur Erschließung und Kamin aufnimmt, sondern beide Geschosse weitestgehend wandfrei zoniert und zum gestalterischen wie baukonstruktiven Spielfeld avanciert.
Klöpfel Zeimer wählten Dünnformat-Ziegel. Da diese perfekt zum Steigungsformat und Querschnitt der Stufen passen, braucht es keine Treppenwange. Im Verband ließen die Architekt*innen Steintaschen frei, in die die Holzplanken direkt einbinden. So manches Gimmick hält die Raumskulptur dabei auch bereit. Nebst der Sitzstufen drehen sich hie und da Steine aus dem Verband – perfekte Orte für ausgewählte Deko.
Im gesamten Innenraum existieren nur drei Türen – eine zum Keller, eine zum Bad und eine ins Kinderzimmer. Das Elternschlafzimmer bleibt offen, sowohl in Richtung Treppenaufgang als auch über eine Galerie zum Wohnraum. Die Hauseingangstür verlegten die Architekt*innen an die Seite, um so die Form des asymmetrischen Volumens zu stärken. Generell gefiel ihnen die unprätentiöse Art des Baus. „Es sollte ein Putzhaus bleiben, die Fassade ist im Prinzip neu interpretiert“, erklärt Zeimer ihren Ansatz.
Dabei ist diese eher nüchterne Fassade als bewusster Gegenpol zum kraftvollen Inneren gedacht. Der Architekt verweist auf das Foto, auf dem man durch die geöffnete Gartentür hindurch den roten Ziegelblock sieht – hier verbinden sich beide Konzepte. Trotzdem offenbart auch die Hülle einige interessante Details. Für manche ist allerdings Insiderwissen nötig. Zum Beispiel sollten die schlanken Stahlumrahmungen der Fenster ursprünglich verdeutlichen, dass hier neue Öffnungen in die bestehende Dämmung geschnitten wurden. Im Projektverlauf musste das Styropor aus baukonstruktiven Gründen dann doch einem neuen Wärmedämmverbundsystem mit Holzfaserplatten weichen. Die Struktur des Besenstrichputzes hat aber auch etwas Unperfektes an sich, weshalb das Haus gar nicht so nagelneu wirke und das Konzept lesbar bleibe.
Alles muss raus, galt derweil explizit nicht für die bestehenden Decken- und Dachbalken, die den Bauherr*innen wichtig waren. Während die Außenwände innen einen Lehmputz erhielten, habe man darüber hinaus aber nicht viel der schlechten Substanz erhalten können. Es kamen auch neue Böden samt Fußbodenheizung im Erdgeschoss und thermisch aktivierte Giebelwände hinein, zudem eine Wärmepumpe im Keller. Vor der Falttür zum Garten soll noch eine Art Findling platziert werden, um die Schwelle zu überwinden.
Der Umbau wurde in knapp zwei Jahren realisiert – für Klöpfel Zeimer ist das Projekt aber noch nicht ganz abgeschlossen. Zum Grundstück gehört nämlich auch ein rückwärtiges Haus. Seine Substanz sei noch schlechter, weshalb es abgerissen und durch ein Gästehaus ersetzt werden soll. Die Uckermark liegt weit draußen, da macht es sich gut, wenn der Besuch auch mal übernachten kann. Da der Neubau leicht versetzt zum Bestand errichtet wird, öffnet sich dann auch der Blick in die Landschaft – zwei Fliegen mit einer Klappe. (mh)
Fotos: Schnepp Renou
- Architektur:
- Klöpfel Zeimer Architekten
- Statik:
- BauART
- Fläche:
- 135 m² Nutzfläche
Es ist übrigens das Erstlingswerk des Büros, wenngleich nicht der beiden Partner, die sich schon aus dem Studium an der Bauhaus-Universität Weimar kennen. Zeimer war danach Projektleiter und Assoziierter bei AFF, beispielsweise am Kornversuchsspeicher beteiligt. Mathias Klöpfel war Teil von Klöpfel Koenig Architekten.
Werter Kollege ich bin völlig ihrer Meinung, schauen Sie einfach mal genau und unvoreingenommen hin, dann wird es ihnen schon klar werden.
"Halt die Mitte frei?" Wie meinen Sie das? In den Plänen ist doch der alte Grundriss und Aufteilung gut erkennbar. Eine Treppe wird ja benötigt. Im Prinzip steht die Neue da, wo sie immer stand und zwar genau an dem Platz wo sie auch richtig ist. Sie zoniert die neuen Räume perfekt. Im OG entstehen so interessante, intime Zwischenbereiche. Der Kamin ist zudem auch integriert. Von "wuchtig" kann also keine Rede sein. Vielleicht die Pläne nochmal genau anschauen ;-)
In ein ohnehin kleines, annähern quadratisches Bestandsgebäude einen derart wichtigtuerischen Backsteinklops in die Mitte zu setzen ist von zahlreichen Möglichkeiten wohl die schlechteste. Dadurch entstehen durchgehend kleine, enge Räume die gerade noch ihre Funktion erfüllen, siehe Bad, Küche, Schlafzimmer. Kein tolles Projekt.
Gute und sinnvolle (vor allem umsetzbare) Details mit Verstand geplant und ausgeführt. Innen ist ein warmer und wohnlicher neuer Innenraum entstanden. Der Charakter des Hauses wurde außen erhalten, bzw. meiner Meinung nach sogar verstärkt und geschärft. Richtig gut!