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10.05.2023

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Wie in Abrahams Schoß

Moschee, Synagoge und Kirche von Adjaye Associates in Abu Dhabi


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Die zum Teil künstlich aufgeschüttete Sandinsel Sa‘adiyat im Norden Abu Dhabis ist seit inzwischen 15 Jahren eine gigantische Baustelle. Nur langsam lichten sich die Staubwolken. Mit dem Louvre Abu Dhabi, entworfen von Jean Nouvel und Hala Wardé, eröffnete 2018 das erste der dort versammelten kulturellen Mega-Projekte. Noch im Bau befinden sich das Zayed National Museum von Foster+Partners, das Nationale Naturkundemuseum von Mecanoo und das Guggenheim Abu Dhabi von Gehry Partners. Die jüngste Eröffnung feierte das Abrahamic Family House von Adjaye Associates (London).

Im Vergleich zu den benachbarten Museen ist das Projekt von Adjaye bemerkenswert schnell umgesetzt worden, waren die Entwürfe doch vor gerade vier Jahren öffentlich präsentiert worden. Damals hatten sich Papst Franziskus und der ägyptische Imam Ahmad al-Tayyib auf Einladung der Arabischen Emirate in Abu Dhabi getroffen. Es sollte der Beginn eines interreligiösen Dialogs für mehr Frieden und Toleranz werden. Daraus entstand dieses überaus symbolhafte Projekt. Auf einem 180 Meter langen, 112 Meter breiten und sechs Meter hohen Sockel stehen eine Moschee, eine Kirche und eine Synagoge in demonstrativ friedlicher Koexistenz beieinander – ganz wie drei unterschiedliche Mitglieder der gleichen Familie.

Das gesamte Projekt soll die Gemeinsamkeiten der drei Religionsgemeinschaften betonen, die sich jede auf unterschiedliche Weise auf die Figur des Abraham bzw. Ibrahim beziehen. So ist der große Sockel als gemeinsamer Garten mit Wasser- und Pflanzbecken gestaltet, der zum Begegnungs- und Gesprächsort zwischen den Religionen werden soll. Um keine Hierarchien entstehen zu lassen, sind Kirche, Moschee und Synagoge in drei identischen Volumen untergebracht: Würfel mit je 30 Metern Kantenlänge. Die Moschee ist nach Mekka ausgerichtet, die Synagoge nach Jerusalem und die Kirche nach Osten in Richtung des Sonnenaufgangs. Das Sonnenlicht, das jedes Haus zu einer anderen Tageszeit durchflutet, schreiben die Architekt*innen, sei ihr primäres Entwurfsmaterial gewesen.

Die Fassaden seien zudem abstrakt von grundlegenden Motiven der jeweiligen Religion inspiriert: Die Moschee mit sieben schwungvollen Bögen, die sich auch im Inneren finden; die Kirche mit einer dichten Versammlung von Säulen; die Synagoge mit mehreren Schichten aus zackig schräg gestellten Pfeilern, die in ihrer Überlagerung an den Davidstern erinnern können. Jedes Haus besitzt einen ummauerten Innenhof mit Nebenräumen für verschiedene religiöse Handlungen und Rituale.

Die Hauptgebetsräume im Inneren werden bei der Moschee von neun aufsteigenden Bogengewölben bestimmt, bei der Synagoge von einem großen, feinmaschigen Netz aus Baubronze (das wie ein Baldachin über den Raum aufgespannt wurde) und bei der Kirche von einem „Regen“ aus Holzlatten, die ein Gewölbe andeuten. Das Kreuz am Altar ist bewusst klein gehalten, da die Kirche von verschiedenen christlichen Gemeinschaften genutzt werden soll.

Bleibt nur zu hoffen, dass im Abrahamic Family House tatsächlich ein alltägliches, religiöses Gemeinschaftsleben jenseits aller touristischen oder symbolischen Nutzungen entwickelt. Denn anders als beim Berliner House of One oder dem Campus der Religionen in Wien wird die Umgebung auf Sa‘adiyat als Kultur- und Freizeitort entwickelt – und nicht so sehr als tatsächlicher Wohnort. Neben den erwähnten, gewaltigen Museen sind derzeit etwa 29 Hotels, eine Marina sowie an die 8.000 Villen und 38.000 Apartments geplant oder bereits im Bau. Ob ein interkonfessionelles Religionszentrum in dieser Umgebung funktionieren kann? David Adjaye lässt sich optimistisch zitieren: „Unsere Hoffnung ist, dass in diesen Gebäuden Menschen aller Glaubensrichtungen und aus allen Gesellschaftsschichten zusammen kommen, von- und miteinander lernen und sich für eine Mission des friedlichen Miteinanders der kommenden Generationen engagieren.“ Schön wär’s. (fh)

Fotos: Dror Baldinger, Arwa Alhati, Adjaye Associates


Zum Thema:

abrahamicfamilyhouse.ae


Kommentare

7

Lars k | 11.05.2023 18:43 Uhr

Inhalt vs. Form

Inhaltlich ein wunderbares Projekt. Das gemeinsame der Religionen kann kaum überbetont werden und wenn es gelingt, das im Alltag zu installieren und tatsächlich zu leben, umso besser. Das gilt für Berlin, Tel Aviv, Istanbul oder Abu Dhabi. Is mir egal. Je mehr solche Projekte es gibt, desto besser, ist mir eh unverständlich, warum es zB in deutschen Schulen nicht längst einen gemeinsamen, vergleichenden, aufklärenden Religionsunterricht mit Schülern aller Konfessionen gibt.

Architektonisch hingegen klebt es irgendwie am Mittelmaß. Da stand wohl die Gleichheit ohne Hierarchie etwas stark im Vordergrund, sonst hätten die drei Gotteshäuser doch ruhig stärker und individueller sien können, So wirkt die Geste der drei betonwürfel auf einem Silber-, sorry, Betontablett doch etwas steril und allzu pflegeleicht. Wäre spannend, zu sehen, wie das Podium in 5 Jahren aussieht und ob die Häuser dann tatsächlich zu regem, alltäglichem Leben erwacht sind. BauNetz bleibt dran... oder?

6

peter | 11.05.2023 13:54 Uhr

ein wunderbares projekt

von adjaye.

5

Frauke | 11.05.2023 11:56 Uhr

House of one

Schönes Projekt , den Fotos nach zu urteilen auch in der Detailausführung sehr gelungen! Die 3 gleichwertigen Baukörper auf einem gemeinsam Sockel mit Parkdeck finde ich ebenfalls sehr gelungen und als Symbolbild fast passender als z.B. das aufgeteilte House of One.
( Der motorisierte Individualverkehr als Fundament und gemeinsames Verbindungselement der Weltreligionen ist auch zeitgemäß und funktioniert von Bayern bis Berlin Neukölln. )

@auch ein Architekt, Adjaye macht eigentlich nicht auf "einfaches bauen" sondern baut seit Jahren eher im High End Bereich.
...Möglicherweise liegt hier eine Verwechslung mit Francis Kere vor?

4

Noel | 10.05.2023 23:49 Uhr

Louvre

Louvre wurde im November 2017 eröffnet. Sonst interessanter Artikel

3

Karl | 10.05.2023 18:12 Uhr

???

Was ist daran aus der Zeit gefallen ? Abrahamic Familiy House mit tausenden Jahren im Rücken ist keine modische Programmatik.
Der Gedanke, dass es mehr Gemeinsames als Trennendes gibt, kommt doch im Allgemeinen viel zu kurz. Gut gemacht !

2

auch ein | 10.05.2023 16:54 Uhr

architekt

sieht alles ganz nett aus.
in Abu Dhabi muss man dank der Kontrolle auch keine Angst vor Feindseligkeiten untereinander auf dem "Dorfplatz" haben.....

machte der Adjaye nicht einen auf "nachhaltig" und einfaches bauen?

1

Zweitverwendung | 10.05.2023 16:18 Uhr

"Freie Auswahl"

möchte man da direkt sagen. Der gebaute Relativismus. In mehrerer Hinsicht aus der Zeit gefallen. Der Innenraum der Synagoge ist natürlich trotzdem großartig.

 
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Moschee, Synagoge und Kirche von Adjaye Associates in Abu Dhabi

Moschee, Synagoge und Kirche von Adjaye Associates in Abu Dhabi

Hauptraum der St. Franziskus-Kirche

Hauptraum der St. Franziskus-Kirche

Innenraum der Moschee

Innenraum der Moschee

Gebets- und Unterrichtsraum in der Synagoge

Gebets- und Unterrichtsraum in der Synagoge

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