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10.04.2019

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Verdichtung am Königsufer

Ideenwettbewerb in Dresden entschieden


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Nachdem sich die Bautätigkeit im Dresdner Zentrum in den vergangenen Jahren  auf die Altstädter Seite konzentriert hatte, schmiedet die Stadt nun auch Pläne für das Neustädter Ufer. Vor einem Jahr entschied man den Wettbewerb zum Umbau des Blockhauses zum Archiv der Avantgarden. Nun ist der von der Stadt Dresden ausgeschriebene zweiphasige städtebaulich-freiraumplanerische Ideenwettbewerb zum Areal rund um den Neustädter Markt entschieden. Gesucht war ein städtischer Rahmenplan für das Gebiet, das sich vom Neustädter Markt nach Süden beidseits des Kopfes der Augustusbrücke über das Japanische Palais im Westen bis zum Carolaplatz im Osten erstreckt. Dieser soll Grundlage für den künftigen Bebauungsplan werden.

Das Quartier um den Neustädter Markt mit dem angrenzenden Königsufer der Elbe liegt gegenüber der Altstadt mit Semperoper und Hofkirche und ist ein wichtiger Bereich im Stadtpanorama auf der Neustädter Elbseite. Im 2. Weltkrieg war das Gebiet stark zerstört. In den 1970er- und 1980er-Jahren ergänzte man großflächig mit Plattenbauten und baute eine Hauptverkehrsstraße. Neue Bauten für die übliche städtische Mischung aus Wohnen, Einzelhandel, Hotel, Büros, Gastronomie und Kultureinrichtungen sowie Freiflächen mit hohen Aufenthaltsqualitäten auf dem rund zehn Hektar großen Wettbewerbsareal sollen das Quartier nun verdichten und aufwerten. Die Wettbewerbsteilnehmer*innen sollten sich nicht zuletzt mit einer Rekonstruktion einiger historischer, 1945 zerstörter Bürgerhäuser auf dem Areal auseinander setzen.

Die Jury, der unter anderem Hans Kollhoff, Peter Kulka und Jorunn Ragnarsdottir angehörten, vergab unter den fünf Wettbewerbsbeiträgen der zweiten Phase drei Preise und zwei Anerkennungen.

  • 2. Preis: ARGE Jordi–Kauz–Keller–Krause–Pellnitz (Berlin)

  • eine Anerkennung: Architekturbüro weise bauplanung mit Simonsen Freianlagen (beide Dresden)


  • eine Anerkennung: Brune Architekten (München) mit ver.de landschaftsarchitektur (Freising)

Bernd Albers mit Vogt Landschaftsarchitekten überzeugten das Preisgericht durch die „gute Maßstäblichkeit und die relative Einheitlichkeit der Bauvolumen“ mit klar strukturierter Blockrandbebauung. Zu den Elbwiesen lockern sie die Bebauung auf und bieten in den Parks und Freiflächen vielfältige Sicht- und Wegebeziehungen auf die Altstadt. Die beiden Neubauten am Neustädter Markt überzeugten die Jury nicht. Sie orientieren sich an den Proportionen des Vorkriegszustands und kommunizieren dadurch kaum mit der bestehenden Bebauung und den Brunnen, so die Jury.

Der Vorschlag von ARGE Jordi–Kauz–Keller–Krause–Pellnitz löste kontroverse Diskussionen im Gremium aus. Die geplanten Arkadenbauten am Neustädter Markt in Richtung zum Japanischen Palais, so das Argument, ragen so weit in die Große Meißner Straße, dass diese in ihrer Funktion als wichtige Verkehrsader eingeschränkt wird. Die vorgeschlagene Kurvierung der Straßenführung und die dadruch entstehende „Neue Enge“ versteht die Jury als begrüßenswerten Schritt hin zu mehr Langsamkeit in der Stadt. Das Konzept einer kleinteiligen Parzellierung ermögliche eine schrittweise bauliche Entwicklung, auch wenn sie de facto nicht in jedem Einzelfall realisierbar sei, so die Jury. Die beiden Turmbauten am Carolaplatz sowie die begleitende Grüngestaltung überzeugten die Jury nicht.

Am Entwurf von kister scheithauer gross mit plandrei Landschaftsarchitektur lobte die Jury insbesondere die stimmige Perforierung der Baukörper zum Elbufer, die sich mit dem Landschaftsraum der Elbwiesen verzahnt. Die seriellen Baustrukturen blieben jedoch letztlich zu statisch, um sowohl vom Stadtraum als auch in der Perspektive vom anderen Elbufer gänzlich zu überzeugen, so das Urteil. (stu)


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Kommentare

19

CTine | 12.04.2019 09:12 Uhr

@mies antroph und Desaster

Vorweg, ich bin ganz bei Dir, was die architektonische Drittklassigkeit angeht.

ABER

So lange nicht funktionierende und allgemein als ästhetisch angenommene Beispiele geliefert werden, bleibt der Ruf nach der "intelligenten Lösung auf der Höhe der Zeit" wieder mal nur pseudointellektuelles und sehr abstraktes Blabla.

Daran krankt doch die ganze Geschichte. Es gibt anscheinend das Bedürfnis nach gebautem Umfeld in der Qualität der vor-/frühmodernen Stadt, und ebenso gibt es das Bedürfnis nach Lösungen von Problemen, die damals noch nicht antizipiert werden konnten. So lange sich aber der Formenkanon weiterhin nur in der mode du jour bewegt und das Einmaleins der Proportionen, Materialien, Formenreichtum nicht beherrscht wird, bekommt man eben nur Drittklassigkeit, die dem hochwertig Abstrakten anscheinend vorgezogen wird.

18

mies antroph | 11.04.2019 19:23 Uhr

Ein weiteres Desaster,

erneut setzt sich der Kleingeist ein Denkmal. Dabei spielt es gar keine Rolle, ob sich ein "Konzept" am vergangenen augusteischen Barockdresden orientiert, oder ohne Bindung agiert wie am derzeit im Bau befindlichen Postplatz; immer entstehen städtebauliche Katastrophen, die architektonisch dann drittklassig umgesetzt werden und Dresden noch provinzieller machen. Das ist der Unterschied: Im 18. und 19. Jahrhundert wurde im abgelegenen Dresden garnicht hinterwäldlerisch , sondern auf der Höhe der Zeit geplant und gebaut. Es liegt nicht an den finanziellen Möglichkeiten in der Stadt, dass ein so bedeutendes architektonisch-städtebauliches Erbe verschleudert wird, sonder an der Inkompetez der Akteuere, namentlich des Stadtplanungsamtes und der Kommunalpolitiker, die Dresden für die Interessen von Bauträgern und Investoren zurichten. Es war abzusehen und ist offenbar beabsichtigt gewesen, dass mit einer Pseudo-Bürgerbeteiligung nur Pseudobarock rauskommt, und eben keine intelligente urbane Problemlösung.

17

Max | 11.04.2019 15:10 Uhr

Verkehrsführung

Schade, dass nur der Beitrag, der am striktesten zurückblickt, den Mut hat die aktuelle Verkehrsführung zu hinterfragen. Wenn ich nach Dresden fahre, habe ich von der Autobahn kommend immer den Eindruck hier einen Umweg zu fahren.
Ansonsten entstehen eigentlich bei allen Beiträgen interessante Räume durch den Zusammenprall von alt und neu. Einfach weiterbauen die Stadt; sehr gut.

@mages: Was meinen Sie gibt es an der Schule zu lernen zum Thema Städtebau und Klimaveränderung? Stadt der kurzen Wege? Verdichtung statt Versiegelung? Dass wir in Zukunft alle in die leeren Häuser auf dem Land ziehen, ist wohl kaum realistisch...

16

Micha | 11.04.2019 13:56 Uhr

Wettbewerb

@ Dr. Yikes:
Oh je! Schwarz oder Weiß, dazwischen gibt es nichts. DDR Architektur -> Abreissen; Historische Architektur -> Rekonstruieren. Moderne -> Schlecht; Geschichte -> Jawohl, Früher war alles besser. Neumarkt oder Primark. Schwarz oder Weiß. Dazwischen gibt es nichts. Traurige Zeiten. SIC transit Gloria Mundi. Abgesehen davon passt das Schlagwortpaar „Neumarkt oder Primark“; nicht zusammen, denn Primark würde sich wohl auch in der Frauenkirche einnisten, wenn sie dürften. Zu der Einschätzung, dass es ein Gestaltungsvakuum in den Architekturfakultäten gäbe, sag ich schon gar nichts mehr. Siehe oben.

zum 1. Preis:
Man wirft ja gerne der modernen Architektur vor, dass sie sich nicht um den Kontext schert und keine Rücksicht auf die historischen Gegebenheiten nimmt. Bei dem Entwurf geht es mir hier so mit den 2 (wohl) auf historischem Stadtgrundriss beruhenden Fragmenten auf dem Neustädter Markt. Die stehen in meinen Augen schon sehr arrogant auf dem Platz rum und verbessern die Situation stadträumlich nicht.
Auch finde ich die Bebauung an der Großen Meißner Straße zur Elbe hin schon sehr massiv (Bild 8) und gleichförmig. Sie erdrückt fast die bestehenden Bauten.

15

Harry | 11.04.2019 11:41 Uhr

@Dr. Yikes

oh bitte, ihren letzten kommentar ist nicht ernst zu nehmen

14

heiner | 11.04.2019 11:38 Uhr

Trolle

Leider verwechseln hier viele rückwärts mit vorwärts :)

13

Dr. Yikes | 11.04.2019 10:50 Uhr

Pekingmensch

Das Erbe der SED dominiert nicht nur das Stadtbild Dresdens, sondern auch alle Verwaltungsebenen - man erinnere sich nur an die Farce um den Abriss des Hotels am Terrassenufer.

Es bedarf eines Gesetzes in Dresden, das sämltiche DDR-Bauten unmissverständlich und unmittelbar zum Abriss freigibt, um wieder eine zukunftsfähige städtische Infrastruktur zu gewährleisten.

Und in Anbetracht des hiesigen Gestaltungsvakuums in den Architekturfakultäten, wäre es das Beste, die historische Stadt weitgehend zu rekonstruieren.

Neumarkt oder Primark - Dresden hat die Wahl

12

mages | 11.04.2019 09:34 Uhr

Mehr Beton

Wer mit mehr Beton, Pflaster, Asphalt, Stein meint, die Antwort gefunden zu haben auf die städtebaulichen Herausforderungen der sich ohne Zweifel einstellenden Klimaerwärmung, der sollte nochmal zurück in die Schule und anschließend erst mal ordentlich seine Hausafgaben machen!
Städebauliche Lösungen von vorgestern können nicht die Antwort auf städtebauliche Anforderungen von heute und morgen sein, oder?

11

Pekingmensch | 11.04.2019 05:06 Uhr

Dresdner Politik

@Dr Yikes, @Shosta: Na, Sie kennen sich ja prima aus mit der Dresdner Politik. Zur Information: der derzeitige Dresdner Oberbuergermeister ist als unabhaengiger Kandidat gewaehlt worden und ist Mitglied der FDP. Wollen Sie etwa nahelegen, dass die FDP die Landtagswahlen gewinnen wird? Oder dass die FDP das Erbe der SED angetreten hat? ---------------- Lasst uns lieber ueber den Staedtebau und die Architektur diskutieren!

10

Pekingmensch | 11.04.2019 05:00 Uhr

Verdient

Der Entwurf von Albers bietet in der Tat das groesste staedtebauliche Potenzial und hat daher verdient gewonnen. Glueckwunsch!------------ Auf der Elbseite bietet dieses Grundstueck einen spektakulaeren Ausblick ueber die Elbe auf das Panorama der Altstadt - es ist quasi das Neustaedter Pendant zur beruehmten Bruehlschen Terrasse auf der Altstadtseite. Insofern sollte dem staedtischen Raum, der Freiflaechengestaltung/ Landschaftsarchitektur und dem Nutzungskonzept auf der Elbseite groesste Aufmerksamkeit geschenkt werden. Ehrlich gesagt kann ich das bei keinem der Entwuerfe wirklich sehen. Die Vorkriegssituation kann da kein Vorbild sein, weil die Elbseite damals die Hinterseite (Hinterhoefe und Gaerten) der Bebauung an der Meissner Strasse bildete. Heutzutage ist die Elbseite die "Schokoladenseite" und sollte daher als maximal oeffentlicher und urbaner Raum gestaltet werden.

9

T. Raufhöhe | 10.04.2019 21:53 Uhr

Jo, is denn scho Weihnachten

Bravo, ein weiterer Meilenstein in der sächsischen Krippenarchitektur !
Wie es knuspert und duftet, lecker !
Ich hör schon die Englein singen:
Ihr Pegidalein kommet - oh kommet doch all’!
Zur Krippe her kommet in den Neustädter Stall ...

8

Harry | 10.04.2019 21:09 Uhr

Prague

Schöne Handzeichnungen, Respekt an die Zeichner, (nicht Bearbeiter, entwurflicht scheint es eher ohhhh, müde). Dresden mit Prague zu vergleichen ist lustig. Das muss man gesehen haben. Ich hätte eher an London gedacht, wegen dem Fluss. Jedenfalls ist die Region scheinbar nicht nur politisch von sehr gestern und deshalb momentan von wenig Interesse, es sei denn man ist Verfassungsschützer.

7

Josef Angelo | 10.04.2019 18:28 Uhr

Glückwunsch an die Gewinner

Ein verdienter Erster Preis an BAGvA, wie ich meine.

Die verschiedenen städtebaulichen Situationen schön ausdifferenziert. - Da könnte sich Berlin ein Beispiel nehmen.

6

... | 10.04.2019 17:57 Uhr

...

Oha... schade!

5

Dr. Yikes | 10.04.2019 17:19 Uhr

Slow-Mo

Schöne Aussichten, ABER: zu wenig und zu langsam. Rufen wir uns kurz in Erinnerung: in den bald 30 Jahren nach Fall der Mauer hat Dresden nur ein können und Flächen reaktivieren können. IN DER
SELBEN ZEITSPANNE wuchs die Elbmetropole um die Jahrhundertwende von 150.000 auf über 400.000 Einwohner.

Was auch immer hinter diesem Schneckentempo bei der Stadtentwicklung stecken mag, es muss aufhören. Prag hat Dresden schon lange als wirtschaftliches Zentrum der Region abgelöst und beim derzeitigen Entwicklungsstand ist nicht ersichtlich, wie Dresden hier wieder Boden gut machen könnte.

Anstatt noch die letzte DDR-Platte zu sanieren, sollte die Stadt ein umfassendes Entwicklungsprogramm initiieren, um die Relikte der sozialistischen Städteplanung zu beseitigen und auf Grundlage der Struktur der Residenzstadt wieder eine konkurrenzfähige städtische Bebauung schaffen - selbstredend sind überdies Bauflächen für Einfamilienhäuser auszuweisen, um Familien durch Hauseigentum die Bildung eines Kapitalstocks zu ermöglichen.

Die Wende ist erst geschafft, wenn auch im Stadtbaurat nicht mehr die SED regiert.

4

Shosta | 10.04.2019 16:27 Uhr

Vorwärts nimmer, rückwärts immer!

Die Enwürfe nehmen einen schönen Bezug auf das zu erwartende Landtagswahlergebnis in Sachsen im September - Vorwärts nimmer, rückwärts immer!

3

schwarzalbe | 10.04.2019 16:19 Uhr

mit Mißvergnügen

Triumph der Ewiggestrigen

2

Rudi | 10.04.2019 16:15 Uhr

Klasse

Super Entwürfe (außer platz 3)

Besonders gut gefallen mir die Zeichnungen von weise bauplanung.

1

so ein archi | 10.04.2019 15:57 Uhr

Zurück in die Zukunft?

der erste Preis scheint mir ein ganz guter Kompromiss zu sein, aber wie zur Hölle kann der zweite als ernsthafter Beitrag aufs Treppen gehievt werden? Copy-Paste Stadtplan von vor '45, und an den Ecken wo es knirscht einfach mit den Schultern zucken? Brandwand-Fasching und Kissing Corners zur Bestandsbebauung, so etwas zeugt doch von absoluter "Mir Egal!"-Haltung dem Bestand gegenüber!

 
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1. Preis: Bernd Albers Gesellschaft von Architekten, Blick vom Neustädter Markt

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2. Preis: ARGE Jordi–Kauz–Keller–Krause–Pellnitz, Blick vom Neustädter Markt

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3. Preis: kister scheithauer gross architekten und stadtplaner, Neustädter Markt

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Eine Anerkennung: Architekturbüro weise bauplanung, Neustädter Markt, Blick zur Altstadt

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