Verdichtung am Königsufer
Ideenwettbewerb in Dresden entschieden
Nachdem sich die Bautätigkeit im Dresdner Zentrum in den vergangenen Jahren auf die Altstädter Seite konzentriert hatte, schmiedet die Stadt nun auch Pläne für das Neustädter Ufer. Vor einem Jahr entschied man den Wettbewerb zum Umbau des Blockhauses zum Archiv der Avantgarden. Nun ist der von der Stadt Dresden ausgeschriebene zweiphasige städtebaulich-freiraumplanerische Ideenwettbewerb zum Areal rund um den Neustädter Markt entschieden. Gesucht war ein städtischer Rahmenplan für das Gebiet, das sich vom Neustädter Markt nach Süden beidseits des Kopfes der Augustusbrücke über das Japanische Palais im Westen bis zum Carolaplatz im Osten erstreckt. Dieser soll Grundlage für den künftigen Bebauungsplan werden.
Das Quartier um den Neustädter Markt mit dem angrenzenden Königsufer der Elbe liegt gegenüber der Altstadt mit Semperoper und Hofkirche und ist ein wichtiger Bereich im Stadtpanorama auf der Neustädter Elbseite. Im 2. Weltkrieg war das Gebiet stark zerstört. In den 1970er- und 1980er-Jahren ergänzte man großflächig mit Plattenbauten und baute eine Hauptverkehrsstraße. Neue Bauten für die übliche städtische Mischung aus Wohnen, Einzelhandel, Hotel, Büros, Gastronomie und Kultureinrichtungen sowie Freiflächen mit hohen Aufenthaltsqualitäten auf dem rund zehn Hektar großen Wettbewerbsareal sollen das Quartier nun verdichten und aufwerten. Die Wettbewerbsteilnehmer*innen sollten sich nicht zuletzt mit einer Rekonstruktion einiger historischer, 1945 zerstörter Bürgerhäuser auf dem Areal auseinander setzen.
Die Jury, der unter anderem Hans Kollhoff, Peter Kulka und Jorunn Ragnarsdottir angehörten, vergab unter den fünf Wettbewerbsbeiträgen der zweiten Phase drei Preise und zwei Anerkennungen.
- 1. Preis: Bernd Albers Gesellschaft von Architekten (Berlin) mit Vogt Landschaftsarchitekten (Berlin/Zürich)
- 2. Preis: ARGE Jordi–Kauz–Keller–Krause–Pellnitz (Berlin)
- 3.Preis: kister scheithauer gross architekten und stadtplaner (Leipzig) mit plandrei Landschaftsarchitektur (Erfurt)
- eine Anerkennung: Architekturbüro weise bauplanung mit Simonsen Freianlagen (beide Dresden)
- eine Anerkennung: Brune Architekten (München) mit ver.de landschaftsarchitektur (Freising)
Bernd Albers mit Vogt Landschaftsarchitekten überzeugten das Preisgericht durch die „gute Maßstäblichkeit und die relative Einheitlichkeit der Bauvolumen“ mit klar strukturierter Blockrandbebauung. Zu den Elbwiesen lockern sie die Bebauung auf und bieten in den Parks und Freiflächen vielfältige Sicht- und Wegebeziehungen auf die Altstadt. Die beiden Neubauten am Neustädter Markt überzeugten die Jury nicht. Sie orientieren sich an den Proportionen des Vorkriegszustands und kommunizieren dadurch kaum mit der bestehenden Bebauung und den Brunnen, so die Jury.
Der Vorschlag von ARGE Jordi–Kauz–Keller–Krause–Pellnitz löste kontroverse Diskussionen im Gremium aus. Die geplanten Arkadenbauten am Neustädter Markt in Richtung zum Japanischen Palais, so das Argument, ragen so weit in die Große Meißner Straße, dass diese in ihrer Funktion als wichtige Verkehrsader eingeschränkt wird. Die vorgeschlagene Kurvierung der Straßenführung und die dadruch entstehende „Neue Enge“ versteht die Jury als begrüßenswerten Schritt hin zu mehr Langsamkeit in der Stadt. Das Konzept einer kleinteiligen Parzellierung ermögliche eine schrittweise bauliche Entwicklung, auch wenn sie de facto nicht in jedem Einzelfall realisierbar sei, so die Jury. Die beiden Turmbauten am Carolaplatz sowie die begleitende Grüngestaltung überzeugten die Jury nicht.
Am Entwurf von kister scheithauer gross mit plandrei Landschaftsarchitektur lobte die Jury insbesondere die stimmige Perforierung der Baukörper zum Elbufer, die sich mit dem Landschaftsraum der Elbwiesen verzahnt. Die seriellen Baustrukturen blieben jedoch letztlich zu statisch, um sowohl vom Stadtraum als auch in der Perspektive vom anderen Elbufer gänzlich zu überzeugen, so das Urteil. (stu)
Canale Grande - dass war die Idee, die beide Elbufer mit dem Neubau der Augustusbrücke verband. Im 21. Jahrhundert nicht mehr (weiter)(zu)denken, ein Trauma....
ABER So lange nicht funktionierende und allgemein als ästhetisch angenommene Beispiele geliefert werden, bleibt der Ruf nach der "intelligenten Lösung auf der Höhe der Zeit" wieder mal nur pseudointellektuelles und sehr abstraktes Blabla. Daran krankt doch die ganze Geschichte. Es gibt anscheinend das Bedürfnis nach gebautem Umfeld in der Qualität der vor-/frühmodernen Stadt, und ebenso gibt es das Bedürfnis nach Lösungen von Problemen, die damals noch nicht antizipiert werden konnten. So lange sich aber der Formenkanon weiterhin nur in der mode du jour bewegt und das Einmaleins der Proportionen, Materialien, Formenreichtum nicht beherrscht wird, bekommt man eben nur Drittklassigkeit, die dem hochwertig Abstrakten anscheinend vorgezogen wird.
Ansonsten entstehen eigentlich bei allen Beiträgen interessante Räume durch den Zusammenprall von alt und neu. Einfach weiterbauen die Stadt; sehr gut. @mages: Was meinen Sie gibt es an der Schule zu lernen zum Thema Städtebau und Klimaveränderung? Stadt der kurzen Wege? Verdichtung statt Versiegelung? Dass wir in Zukunft alle in die leeren Häuser auf dem Land ziehen, ist wohl kaum realistisch...