Stille laute Bewohnerin
Haltestelle in Lousada von spaceworkers
Markante Formen und ausladende Gesten prägen die Arbeiten von spaceworkers. Vor allem Kassettendecken scheinen es den portugiesischen Architekt*innen aus Paredes angetan zu haben – so etwa beim Veranstaltungspavillon in Sobrado. Auch im Informationszentrum in Lousada, das Wissen zur romanischen Epoche in der Geschichte Portugals vermittelt, sticht im Inneren die Decke ins Auge. Der nordportugiesischen Gemeinde gefällt dies offenbar: erneut beauftragte sie das Büro, diesmal mit dem Entwurf für eine Haltestelle in Sichtweite des Informationszentrums.
Das 2024 fertiggestellte Interface Intermodal de Lousada entstand auf einem rund 1.500 Quadratmeter großen Grundstück im Norden der Innenstadt. Hier sind neue Wohnbauten, kulturelle Einrichtungen sowie zusätzliche Verkehrsachsen in der Umsetzung. Vor diesem Hintergrund verfolgt das Projekt das Ziel, die allgemeine Mobilität zu verbessern, ohne nachteilig in die kleinteilige Struktur der Kernstadt einzugreifen.
Passend dazu beschreiben die Architekt*innen die Haltestelle als „stille Bewohnerin“ und meinen damit ihre städtebauliche Positionierung – nahe genug am Zentrum, jedoch weit genug entfernt, um den zusätzlichen Busverkehr auf Abstand zu halten. Gleichzeitig stärke der Knotenpunkt die Verbindungen zu den Nachbargemeinden, so spaceworkers. Der rund sieben Meter hohe Baukörper fügt sich zwischen höheren Mehrfamilienhäusern auf der einen und niedrigeren Einfamilienhäusern auf der anderen Seite ein.
In ihrer Gestaltung wirkt die Haltestelle jedoch als das Gegenteil von still. Das große, schwarz verkleidete Dach ist weithin sichtbar. Rund 35 Prozent bestehen aus Glas. Abends und nachts wird die in rechteckige Felder gegliederte Struktur effektvoll beleuchtet. Gehalten wird sie von einem Volumen von gleicher Materialität, in dem Wartebereich, Abstellraum und Sanitäranlage untergebracht sind. Der etwa 30 Quadratmeter große Innenraum ist mit Aluminiumbänken ausgestattet, digitale Anzeigen informieren über Ankunft und Abfahrt der Busse.
Wegeführungen, Einstiegsbereiche und Stellplätze für gleichzeitig vier Fahrzeuge stehen zur Verfügung. Ergänzende Grünflächen nehmen Geländesprünge auf und strukturieren die Außenräume. Für die Gebäudehülle und den Innenraum des Wartebereichs kamen schwarz lackierte Aluminium-Verbundplatten zum Einsatz. Die Dachkonstruktion besteht aus Stahl und erhielt ebenfalls eine schwarze Lackierung. (dsm)
- Fertigstellung:
- 2024
- Architektur:
- spaceworkers
- Bauherrschaft:
- Kommune Lousada
- Fläche:
- 60 m² Grundfläche




