Zwischen Tradition und Innovation
Tessenow-Medaille 2026 für Florian Nagler
Der Architekt Florian Nagler zählt seit einigen Jahren zu den wichtigsten Protagonisten der zeitgenössischen Architekturdebatte. So beginnt die Begründung der Heinrich-Tessenow-Gesellschaft, die ihm am Mittwoch, 20. Mai 2026 die Heinrich Tessenow-Medaille verleiht. In Zeiten der Debatten über den Gebäudetyp E beweise er, dass Einfachheit keinesfalls einer rein quantitativen Dimension entsprechen darf. Denn dies würde eine Banalisierung des architektonischen Narrativs bedeuten. Wie schon bei Heinrich Tessenow und seinen besten Schülern, zeigten Naglers Forschung zwischen Tradition und Innovation, dass die Essenz der Architektur nicht in lauten, konsumorientierten Gesten liegt, heißt es weiter.
Heinrich Tessenows Geburtstag jährt sich in diesem Jahr zum 150. Mal. Die Preisverleihung in Hamburg ist deshalb der Auftakt für eine ganze Festwoche. In Kooperation mit der HafenCity Universität (HCU) hat die Tessenow-Gesellschaft unter anderem eine Ausstellung unter dem Titel „ESSENTIAL“ organisiert. Zu sehen sind Werke von Florian Nagler Architekten sowie Architekturprojekte aus dem Entwurfskurs von Paolo Fusi, die im Dialog mit gebauten Beispielen erarbeitet wurden, die von Schülern Heinrich Tessenows stammen. Außerdem sind Beiträge von früheren, noch aktiv tätigen Preisträgern der Tessenow-Medaille zu sehen.
Zur Eröffnung spricht Hamburgs Bausenatorin Karen Pein, die Laudatio übernimmt Dietrich Erben von der TU München. Am Donnerstag, 21. Mai 2026 folgt ein Symposium an der HCU. Unter dem Titel „Heinrich Tessenow – Positionen gestern und heute“ erörtern internationale Expert*innen die Frage, weshalb sein architektonisches Schaffen nichts von seiner Relevant verloren hat, heißt es in der Ankündigung. Im Anschluss wird das Buch „Das einfache Haus von HT - la casa semplice di HT“ des Mailänder Architekten Francesco Collotti erstmals in Deutschland präsentiert. Der italienischen Erstausgabe soll im Laufe des Jahres eine deutsche Fassung folgen.
Die Heinrich Tessenow-Medaille wird seit 1963 „europäischen Persönlichkeiten zuerkannt, die Hervorragendes in der architektonischen, handwerklichen und industriellen Formgebung und in der Erziehung zu Wohn- und Baukultur geleistet haben, oder deren Wirken dem vielseitigen Lebenswerk Heinrich Tessenows entspricht.“ Frühere Preisträger waren unter anderem Hans Döllgast, Sverre Fehn, Peter Zumthor, David Chipperfield, Eduardo Souto de Moura, Peter Märkli, Miroslav Šik, Sergison Bates, Richard Sennett, Roger Diener, Alberto Campo Baeza, Winfried Brenne, Lacaton & Vassal, Vittorio Magnago Lampugnani, Quintus Miller & Paula Maranta, Maruša Zorec und Bernard Quirot. (fm)
Ausstellungseröffnung: 20. Mai 2026, 16 Uhr
Symposium und Buchvorstellung: Donnerstag, 21.05.2026, 10 bis 18 Uhr
Ort: Auditorium HafenCity Universität Hamburg, Henning-Voscherau-Platz 1, 20457 Hamburg