Zweite Chance für Schokofabrik, Kaserne & Co.
Bundespreis Umwelt & Bauen vergeben
Ob eine ehemalige Kaserne, der durch gemeinschaftliches Wohnen neues Leben eingehaucht wird, der Umbau einer Sporthalle in eine schadstofffreie Mehrzweckhalle oder ein integratives Familienzentrum in den Räumen einer ehemaligen Schokoladenfabrik: Bauen im Bestand ist en vogue – das zeigt aktuell auch der zum dritten Mal vergebene Bundespreis Umwelt & Bauen. Sieben Projekte prämierte die Jury unter Vorsitz von Rita Schwarzelühr-Sutter und Christa Reicher. Der Preis, den Bundesumweltministerium und Umweltbundesamt gemeinsam ausrichten, blickt auf Projekte, die in puncto Nachhaltigkeit und ressourcenschonendes Bauen besonders überzeugen konnten.
In der Kategorie Wohngebäude fand das Projekt Collegium Academicum –Gemeinschaftliches Wohnen mit Zukunft in Heidelberg besonderen Anklang bei der Jury. Statt auf dem Neubau von DGJ Architektur lag das Augenmerk dieses Mal aber auf einem ergänzenden Bestandsumbau von gerstner + hofmeister architekten. Das ehemalige Verwaltungsgebäude aus den 1940ern bietet nun Raum für Wohngemeinschaften und sozialen Mietwohnraum. Schon vorhandene Bauelemente wie Türen, Ziegelsteine oder Treppenstufen wurden wiederverwendet und die Rückbauverwendbarkeit aller neuen Materialien berücksichtigt. Am Gebäude generierter Solarstrom sorgt zudem für einen reduzierten Energiebedarf. Durch regelmäßige Schulungen können sich die Bewohner*innen für ihren eigenen Energiebedarf sensibilisieren.
Auch Nichtwohngebäude haben es unter die Preisträger geschafft. Die Mehrzweckhalle in Ingerkingen von Atelier Kaiser Shen zeigt auf, dass auch eine in die Jahre gekommene Sporthalle durchaus noch Potenziale aufweist. Sechzig Prozent der Bestandsstruktur ließen sich erhalten. Auf die Nutzung individuell angepasst wurden Lüftung, Beleuchtung und Temperierung, was zu einer Reduzierung des Energieverbrauchs führt. Bauteile sind schadstofffrei und so konstruiert, dass sie wieder in den Kreislauf zurückgeführt werden können.
Ebenfalls einen interessanten Ansatz lieferten die Preisträger Alexander Poetzsch Architekturen mit der Umfunktionierung einer um 1900 errichteten Schokoladenfabrik in ein integratives Familienzentrum. Geachtet wurde auf einen möglichst komplexen Erhalt des Bestehenden – aufgestockt und ergänzt in Holzbauweise. Das Gebäude setzt auf eine natürliche Belüftung anstatt aufwendiger Gebäudetechnik.
Zwei weitere Projekte wurden von der Fachjury in Form einer besonderen Anerkennung ebenfalls hervorgehoben:
- Reithalle Achern von Michael Welle Architektur
- Büro in einer Scheune von Steinbach Schimmel Architekten
Darüber hinaus erhielten der Lehm-Dünnbettmörtel der Firma Clay Tec und das Z2.0-Gebäude der Firm Ed. Züblin AG in der Kategorie Bauprodukte, bautechnische und digitale Innovation weitere Anerkennungen.
Wie in den vorangegangenen Ausgaben gab es kein Preisgeld, aber es wurde zu jedem Projekt ein Videoporträt produziert, das zusammen mit weiteren Informationen online verfügbar ist.
Text: Paula Feichter