Ferien im Paarhof
Sanierung in Südtirol von raumdrei architekten
Wer noch ein Ziel für die Sommerferien sucht, wird hier vielleicht fündig: Zwischen Brixen und Bozen, auf einem Hochplateau bei Lajen, liegt der Paarhof Oberbuchfelder, ein Ensemble aus Wohnhaus und Stadel, dessen Geschichte bis in die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts zurückreicht. raumdrei architekten aus Brixen haben den denkmalgeschützten Hof saniert und in eine Anlage mit fünf Ferienwohnungen überführt.
Die Grundstruktur des Paarhofs – Wohn- und Wirtschaftsgebäude mit Blick auf den historischen Brandschutz klar getrennt und leicht versetzt zueinander in den Hang gebettet – blieb dabei unangetastet. Ebenso die Absicht, das Bestehende nicht zu überformen, sondern nur dort zu ergänzen, wo es funktional notwendig wurde. Entstanden sind Ferienwohnungen zwischen 28 und 120 Quadratmetern, insgesamt 585 Quadratmeter Wohnfläche.
Im westlichen Haupthaus konzentrieren sich die gemeinschaftlichen Funktionen sowie eine der Ferienwohnungen. In die historischen Räume – spätgotische Stube, Rußküche, Kammer – wurden Aufenthalts- und Frühstücksbereiche integriert. Im Obergeschoss erstreckt sich eine große Wohnung mit zwei Bädern und zwei Schlafzimmern über die gesamte Etage. Eine neue Nordgaube bringt hier Licht in die Tiefe des Raums. Und im massiven Sockelgeschoss, zwischen Rundbögen und dickem Mauerwerk, befindet sich ein Wellness- und Saunabereich.
Das Wirtschaftsgebäude nimmt drei weitere Wohneinheiten auf. Zwei liegen im Erd-, eine im Obergeschoss, das durch die Öffnung der Stirnseiten deutlich stärker belichtet wird. Eine zurückversetzte Wand schafft eine private Außenzone. Eine offene Holzlattung fasst das Volumen, ohne es aufzulösen, während das neu eingedeckte Strohdach den Baukörper weiterhin als einst landwirtschaftliches Bauwerk der Region lesbar belässt.
Die Sanierungseingriffe folgen einer klaren denkmalpflegerischen Haltung. Innenliegende Dämmungen und Zwischensparrendämmung im Dach, Fenster im historischen Format sowie punktuelle statische Ertüchtigungen wurden so integriert, dass sie im Bestand kaum sichtbar sind. Auch die Ausstattung bleibt zurückhaltend und doch präzise. Möbel aus massivem Holz, historisch anmutende Fertigungsweisen, dazu bauforscherisch belegte Farbtöne wie Eisenoxidrot und Taubenblau sowie Lärchenholz, Kalkputz und Naturstein.
Die Sanierung gestaltete sich entsprechend aufwändig, rund zwei Millionen Euro wurden investiert. Wirtschaftlich dürfte sich das Projekt über die touristische Vermietung langfristig tragen, zugleich ist die Summe als notwendiger Beitrag zum Erhalt von historischen Bauten zu lesen. (gk)
- Fertigstellung:
- 2024
- Architektur:
- raumdrei architekten (Felix Kasseroler, Jürgen Prosch)
- Mitarbeit:
- Andreas Daberto
- Tragwerksplanung:
- Kurt Haselrieder
- Brandschutz:
- Kurt Tröbinger
- Fläche:
- 585 m² Wohnfläche
- Baukosten:
- 2.000.000 €
- Auszeichnungen:
- Anerkennung Südtiroler Architekturpreis 2026
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