Die Platte macht Platz
Wohnungsumbau in Berlin von Werck Workshop
Die Wohnhochhäuser an der Leipziger Straße gehören zu den prägnantesten Relikten des Ost-Berliner Städtebaus. Zwischen 1969 und 1982 entstand hier ein Ensemble aus acht paarweise angeordneten Scheiben mit bis zu 25 Geschossen. Zweigeschossige Sockelbauten und Zeilen auf der gegenüberliegenden Straßenseite komplettieren die städtebauliche Großform, die bis heute das Bild der Magistrale bestimmt.
Viele der rund 2.000 Wohnungen werden inzwischen von Kreativen bewohnt. Entsprechend häufig dienen die standardisierten Grundrisse als Experimentierfeld für Architekt*innen. Auch Werck Workshop (Dresden) nahmen sich – in den späteren Leistungsphasen gemeinsam mit Hauptstadt-Studio.Berlin – einer 75 Quadratmeter großen Wohnung in einem 1976 fertiggestellten Hochhaus an. Der Umbau trägt den Titel Oase – als Referenz an das großzügige Zusammenleben hoch über der Stadt.
Eine Stärke des Bestands liegt in seiner Konstruktion. Das tragende Stahlbetonskelett ermöglicht weitreichende Veränderungen. Dort setzt der Entwurf an. Die Wohnung wurde bis auf die Rohstruktur zurückgebaut, die Betonstützen und -unterzüge bleiben sichtbar und prägen nun den Charakter der Räume.
Der ursprüngliche Grundriss folgte einem bekannten Muster. Drei Zimmer orientierten sich zur Fassade, während Küche, Bad und Flur im Inneren lagen und entsprechend wenig Tageslicht erhielten. Der Umbau öffnet die Struktur an entscheidenden Stellen. Zahlreiche Trennwände entfallen. Küche und Wohnbereich verschmelzen zu einem Raum. Dahinter liegt das Schlafzimmer, während das Bad an seiner ursprünglichen Position verblieb und erweitert wurde.
Im Zentrum der Wohnung steht ein pastellgrüner Einbaukörper, der als kreuzförmiges Gelenk funktioniert. Er bündelt Küche, Waschmaschine und den Badheizkörper und zoniert die unterschiedlichen Nutzungen. Ein weiterer prägender Eingriff ist die Öffnung der Fassade. Die Fenster wurden zu einer durchgehenden, bodentiefen Verglasung über die gesamte Wohnungsbreite erweitert, die zum Balkon führt. Im Bestand war nur die Tür bodentief verglast. Damit gewinnt die ehemals kleinteilige Wohnung deutlich an Großzügigkeit und Licht.
Erhalten wurden die bauzeitlichen Einbauschränke, die in das neue Raumgefüge integriert sind und sich bei Bedarf hinter Vorhängen verbergen. Ihr warmer Holzton bildet den Ausgangspunkt für weitere Materialentscheidungen. Geöltes Kirschholz setzt Akzente, während Aluminium, Linoleum und keramische Fliesen die robuste Materialpalette ergänzen.
- Fertigstellung:
- 2026
- Architektur:
- Werck Workshop (LPH 1-7 + Künstlerische Oberleitung)
- Kooperation:
- Hauptstadt-Studio.Berlin (LPH 5-8)
- Tischlerarbeiten:
- Tischlerei Eder
- Bauherrschaft:
- privat
- Fläche:
- 75 m²
- Baukosten:
- 79.500 € Umbaukosten inklusive Fassade
Zwei Umbauten in den Hochhäusern an der Leipziger Straße realisierte Christoph Sitzler 2021 und im letzten Jahr.
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