Rückbau de luxe
Wohnungsumbau von Christopher Sitzler in Berlin
„Sichtbeton – Nichts anzeichnen“: Das improvisierte Schild, das während der Umbauarbeiten in einem Berliner Hochhaus an der Wand klebte, bringt die Herausforderungen solcher Planungsaufgaben gut auf den Punkt. Damit, dass aus dem Grundgerüst eines Gebäudes plötzlich das wesentliche Charakteristikum einer Wohnung wird, ist aus Sicht vieler ausführender Firmen ja nicht unbedingt zu rechnen. Christopher Sitzler (Berlin) hat hier eine Wohnung neugestaltet, die mit dem Kontrast zwischen Rohbauästhetik und feinen Oberflächen spielt.
Bei dem „Grundgerüst“ handelt es sich um nichts weniger als um eines der bekanntesten Hochhausensembles der Stadt. Entworfen von den Kollektiven Joachim Näther (Städtebau) und Werner Straßenmeier (Hochbau), reihen sich vier Scheiben entlang der Leipziger Straße. Im Zusammenspiel mit der gegenüberliegenden Zeile und der Sockelbebauung war mit dem großmaßstäblichen Ensemble an der Leipziger Straße auch in der DDR das Lebensgefühl einer automobilen Gesellschaft angekommen. Heute erfreuen sich die Hochhäuser gerade unter den Kreativen der Stadt einer großen Beliebtheit, zahllose Künstlerinnen, Architektinnen und Designer leben hier. Kein Wunder, zeugt doch die Architektur mit ihren tiefen durchlaufenden Balkonen von einer ganz anderen Großzügigkeit als viele andere Hochhäuser sowohl in Ost wie West.
Aber zurück zum Beton, den Sitzler aufwändig hat freilegen und instand setzen lassen. Entscheidend für die Umgestaltung der Wohnung war, dass es sich hier nicht um klassische Platten, sondern um eine Skelettbauweise handelt. Die rund 100 Quadratmeter große Eckeinheit ließ sich somit rückbauen und neu organisieren. Aus vier Zimmern und einer kleinen Küche wurden drei große Räume, in denen sich die Nutzungen überlagern. Mittelpunkt der Wohnung ist ein offener Wohn- und Essbereich, der in das angrenzende Arbeitszimmer übergeht. Und im Schlafzimmer, das durch die Küchenwand abgegrenzt wird, kann auch gebadet werden.
Der Vergleich mit dem ursprünglichen Zustand zeigt, wie konsequent Sitzler vorgegangen ist. Anstatt der teils geschlossenen Fassadenpaneele gibt es jetzt durchgehend Glas. Und die freistehenden Heizkörper verschwanden zugunsten einer Fußbodenheizung. Hinzu kommen tiefe Einbaumöbel mit Oberflächen aus heller Eiche, dank derer sich die übrige Möblierung auf wenige Schmuckstücke reduzieren ließ. (sb)
Fotos: Maximilian König
Mehr zu den gestalterischen Details der Umgestaltung auch im ausführlichen Beitrag auf BauNetz ID.
z.B. in dem man ein Musterbeispiel an Gentrifizierung und Ressourcenverschwendung eine "Rehabilitierung der DDR Moderne" nennt. Und solange "anecken" als Berufsmotivation noch im Vordergrund steht, wird es weiterhin diese platzraubenden Klientel Materialschlachten geben. Und dafür können die unzählbar vielen 130m² Altbauwohnung-Besitzer aber nichts.
Ich finde aber den viel höheren Wert das hier jemand tatsächlich an die Möglichkeit von Schönheit im nicht auf den ersten Blick klassisch Schönen geglaubt hat. Und dementsprechend auch einmal das Budget in die Hand genommen eine Wohnung in den Hochhäusern der Leipziger Straße incl. Betonsanierung auf diesen Stand zu bringen. Toller Beitrag zur Rehabilitierung der DDRModerne! @3 Pathologe, Schön zu sehen, das man schienbar immer noch damit anecken, kann. Ich finde es ausgesprochen wohnlich und mag vor allem den Marmor und Beton. Von mir aus hätte man eher noch das Holz weglasen können...