Betonsäge im Hochhaus
Wohnungsumbau von DEMO Working Group in Köln
Der Kölner Stadtteil Zollstock ist ein ehemaliges Arbeiterviertel, in dem in der Kierberger Straße ein imposanter Solitär mit 24 Geschossen über die Dächer des Viertels ragt. Hier zeigt das Kölner Architekturbüro DEMO Working Group mit einem Wohnungsumbau bereits zum zweiten Mal, dass Wohnen in Hochhäusern der 1970er Jahre sexy sein kann. Nach dem Umbau in einem Hochhaus in Köln-Poll wird auch bei der Zwei-Zimmer-Wohnung im achten Geschoss des Zollstocker Hochhauses seine Vorliebe für Transluzenz, Schiebewände, rohen Beton und gespiegelten Flächen und die eigene, frische Handschrift deutlich.
So will Architekt Matthias Hoffmann mit dem Projekt KIER als Case Study Projekt beweisen, dass auch in Wohnhochhäusern in Schottenbauweise flexible Grundrisse möglich sind. Während die funktionale Aufteilung erhalten blieb, wurde die schachtelartige Zonierung der Räume aufgelöst. Wo einst für jede Funktion ein eigener Raum mit abgetrennter Tür war, befinden sich nun ein Sanitärkern und eine umfließende Schlaf- und Aufenthaltszone. Den notwendigen Durchbruch in der tragenden Betonwand erledigte ein gekonnt inszenierter, unverkleideter Schnitt mit der Betonsäge.
Einbauschränke mit Fronten aus Alusandwichplatten ermöglichen Stauraum im Eingangsbereich. Die grüne Arbeitsplatte in der Küche setzt einen farblichen Kontrapunkt zu den weißen Fliesen und den hellen, grifflosen Möbelfronten. Spiegelflächen an den Wänden sorgen für mehr Raumtiefe. Der Schlaf- und Sanitärbereich kann durch bewegliche, transluzente Glasscheiben von der Küche abgetrennt werden, ohne das einfallende Tageslicht zu blockieren. Der gesamte Boden in der Wohnung erhielt einen Kautschukbelag.
Die Dusche lässt sich dank weißer Armaturen auf weißem Fliesengrund und einer raumhohen Glaswand auf dem durchgehenden Kautschukboden im Nassbereich erst auf den zweiten Blick ablesen. Ähnlich wie der Boden wurde auch die Decke einheitlich verkleidet. Die haustechnischen Leitungen und Beleuchtungselemente für eine diffuse Verteilung des Kunstlichts liegen hinter einem Gitter aus transluzentem Kunststoff.
Für Großzügigkeit und Weitblick sorgt ein Panoramaschiebefenster, das per Kran in seine Position gebracht wurde. Die Fensterrahmen als markanter Farbtupfer in der sonst farblich zurückhaltend gestalteten Wohnung greift den bestehenden blauen Anstrich der Balkonlaibungen auf.
Fotos: Jan Voigt
Text: Nathalie Brum
sagen sie mir IRGENDETWAS neues, was es wirklich die letzten 50 Jahre in der Architektur gab??? Ist wie in der Mode oder? Es wurden paar halb-neue Materialien oder Bautechniken "erfunden" oder weiterentwickelt, aber ausser dass es jetzt würstchen-artige wände aus dem betondrucker gibt für wände, die immer noch wände bleiben, gibts nicht so viel neues. da trifft es doch eher den zeitgeist und die NOTWENDIGKEIT, die substanz zu nutzen. und hier eben multipliziert statt im nächsten tiny-haus das heil zu suchen. bauen und die ressourcen möglichst zu schonen ist ein zähes geschäft und weit endfernt von der "architektur" der kunsthochschulen manchmal "leider", manchmal "gottseidank"
Für eine "Case Study" müsste m.E. etwas Neues entstehen, was gleichzeitig zukünftig typenhaft anwendbar ist. Die Umgestaltung einer Wohnung in geschmackvoll-coolem Stil, sowie einen offenen Grundriss haben wir schon mal gesehen, denke ich. Ich störe mich nicht am Projekt, dass reizvolle Details enthält, sondern an dem Versuch der etwas zu offensichtlichen Überhöhung dieser vergleichsweise kleinen Aufgabe ("abhypen" hat es Kommentator 3 genannt :-) . Insofern fühle mich als Leser nicht richtig ernst genommen, und hätte mir da eine redaktionelle Einordnung gewünscht.
und ein "case study" ist auch nicht DER betonschnitt sondern allgemein der umgang mit einer solchen bausubstanz und deren umnutzung bzw anpassung