Nach dem Feuer
Gemeindezentrum in Galicien von Based Architecture und FIRM Architects
Muimenta ist ein kleines Dorf mit rund 100 Einwohner*innen, eingebettet in die hügelige Landschaft Galiciens. Abwanderung, Überalterung und Leerstand – bekannte Symptome des ländlichen Spaniens – treffen hier auf eine weitere existenzielle Herausforderung: die zunehmende Waldbrandgefahr durch nicht mehr genutzte landwirtschaftliche Flächen. Mit den verheerenden Bränden von 2017 wurde der Zusammenhang zwischen sozialem und landschaftlichem Verfall unübersehbar – und Muimenta daraufhin Teil eines Pilotprojekts, das den ländlichen Raum nicht nur erhalten, sondern langfristig wiederbeleben soll.
Zu den Maßnahmen gehört ein neues Gemeindezentrum der beiden jungen Büros Based Architecture (Bilbao) und FIRM Architects (Lugo). Der Entwurf besetzt eine der höchsten Geländestufen oberhalb der Kirche und entwickelt sich aus den für Galicien typischen socalcos, den historischen Trockenmauerterrassen. Statt das Gelände zu nivellieren, greifen die Architekt*innen dessen Topografie auf und machen sie zum ordnenden Prinzip des Projekts.
Den Auftakt bildet die Umnutzung einer Brandruine. Die erhaltenen Feldsteinmauern blieben stehen, zwei Geschosse in Holzkonstruktion wurden eingestellt. Entstanden sind flexibel nutzbare Räume für Workshops, Vorträge, Kurse oder Ausstellungen. Prägend ist die großformatige Verglasung, die den Blick weit über die Landschaft schweifen lässt und den ehemals introvertierten Bau öffnet. An der Nordseite ergänzt eine Spange mit Sanitär- und Nebenräumen den Bestand. Die integrierte Treppe vermittelt zugleich zwischen den unterschiedlichen Geländeniveaus und macht das Gebäude zum räumlichen Bindeglied innerhalb des Ensembles.
Oberhalb ergänzt ein Mehrzweckpavillon die Anlage. Parallel zu einer bestehenden Stützmauer platziert, gibt sich der eingeschossige Holzbau mit Pultdach bewusst zurückhaltend. Sein Grundriss ist denkbar einfach: ein zentraler Saal, flankiert von Nebenräumen an den Stirnseiten. Seine eigentliche Qualität entwickelt der Bau an der Längsseite. Dort lassen sich die großformatigen Flügeltüren vollständig öffnen, sodass Innen- und Außenraum nahezu ineinander übergehen und der Pavillon im Sommer eher als Überdachung funktioniert. Teil des Projekts ist schließlich auch die behutsame Wiederherstellung historischer Elemente auf dem Grundstück – darunter ein Getreidespeicher, ein Waschbrunnen und die steinerne Einfriedung. (gk)
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur:
- Based Architecture und FIRM Architects
- Mitarbeit Architektur:
- Daniel Gómez Magide, Eduardo Dipre Mazza, Miguel Ángel Díaz González
- Bauleitung:
- Diego Rodríguez Val
- Bauherrschaft:
- Gemeinde Carballeda de Avia
- Fläche:
- 214 m²
- Baukosten:
- 340.000 €









