Putzige Symmetrie
Wohnungsbau auf Mallorca von Alventosa Morell und Joan J. Fortuny
Auf Mallorca ist ein weiteres ambitioniertes Projekt aus dem Umfeld des Instituto Balear de la Vivienda (IBAVI) fertiggestellt worden. Diesmal realisierten die Büros Alventosa Morell Arquitectes aus Barcelona gemeinsam mit dem in Palma ansässigen Architekten Joan J. Fortuny einen Wohnungsbau im Westen der Insel. Wie bei so vielen Bauten des IBAVI setzte man auch bei diesem konsequent auf lokale Materialien, einfache Konstruktionen und ein weitgehend technikarmes Energiekonzept.
Das zweigeschossige Volumen mit sechs Wohnungen liegt in Puigpunyent, einer rund 2.000 Einwohner*innen zählenden Gemeinde in der Serra de Tramuntana. Nach außen zeigt sich der Bau freundlich – beinahe putzig –, obwohl er streng symmetrisch organisiert ist. Geschuldet ist dies unter anderem der warmen Fassade aus teils großformatigen Bruch- und Feldsteinen, die von Kalkmörtel zusammengehalten werden. Die Steine stammen zum Teil aus dem Aushub des Projekts.
Tragende Wände aus weiß gestrichenen Hochlochziegeln, mit lokalem Sand gefüllte Trennwände sowie Lehm- und Strohverputze prägen den Innenraum. Die Decken sind als einfache Holzbalkenkonstruktionen ausgeführt. Auch im weiteren Ausbau bleibt das Projekt seiner Linie treu: Böden aus lokalem Kalkstein, Fliesen und Dachziegel aus der Region. Das Materialkonzept liest sich wie ein bewusst unspektakuläres, aber stringentes Bekenntnis zur lokalen Baukultur.
Diese Klarheit setzt sich im Grundriss fort. Auf rund 400 Quadratmetern zeigt sich das Haus auch hier symmetrisch. Im Erdgeschoss liegen vier kompakte Wohnungen mit Bad, Schlafzimmer und Wohnküche, jeweils ergänzt durch eine nach Osten orientierte Terrasse. Im Obergeschoss befinden sich zwei größere Einheiten mit je zwei Schlafzimmern und Terrassen an den Stirnseiten des Gebäudes.
Auch das klimatische Konzept folgt der Logik der Einfachheit. Querlüftung, außenliegender Sonnenschutz und die hohe thermische Trägheit der Konstruktion sorgen für eine Grundregulierung. Ergänzt wird dies durch einen Wärmepuffer im Satteldach, der sich im Sommer zur Entlüftung öffnen lässt. Das Gebäude erreicht dank solcher Maßnahmen laut Architekt*innen nahezu den Standard eines Nullenergiegebäudes: Der Energieverbrauch wird mit lediglich 1,7 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr angegeben – ein Wert, der selbst im Kontext zeitgenössischer Wohnbauten auffällt. (gk)
- Fertigstellung:
- 2024
- Architektur:
- Alventosa Morell und Joan J. Fortuny
- Bauherrschaft:
- IBAVI (Balearic Housing Institute)
- Fläche:
- 400 m² Nutzfläche
Mehr zu den IBAVI-Wohnexperimenten auf den Balearen auch in unserer Baunetzwoche#651.






