Ertüchtigung am alten Standort
Zum Stopp des Opernneubaus in Düsseldorf
Ertüchtigung am alten Standort
Zum Stopp des Opernneubaus in Düsseldorf
Snøhettas spektakulärer Entwurf für eine neue Oper in Düsseldorf wird nicht gebaut. Das entschied Oberbürgermeister Stephan Keller letzte Woche, denn die Kosten waren nicht mehr in den Griff zu bekommen. Unser Autor erinnert an eine Umbauidee für den Bestandsbau von 1956, den das Büro raumwerk und Aileen Treusch vor einigen Jahren vorlegten.
Im November letzten Jahres ging ein Ruck durch die Düsseldorfer Kulturszene: Snøhetta (Oslo u.a.) hatten den Wettbewerb für den Neubau des Opernhauses gewonnen! Man erinnerte sich zurück an den jahrelangen Streit über den geeigneten Standort und einen Ideenwettbewerb 2023 für die beiden alternativen Standorte Heinrich-Heine-Allee und Am Wehrhahn – bis Ende 2024 ein zweistufiger Wettbewerb für Standort Am Wehrhahn ausgelobt wurde, der der Stadt völlig unerwartet durch die Signa-Insolvenz zugefallen war. Was seinerzeit als Glücksfall für die Stadt empfunden wurde, entpuppte sich aber zusehends als Danaergeschenk.
Auf die Euphorie folgte die Ernüchterung. Die exorbitanten Gesamtkosten von 1,8 Milliarden Euro wurden zunächst einmal von der schwarz-grünen Koalition auf eine Milliarde gedeckelt. Doch es blieben noch 150 Millionen Euro für den Ankauf des Grundstücks, zudem musste berücksichtigt werden, dass allein die Finanzierungskosten bei rund 800 Millionen Euro liegen würden. Der Finanzierungsspielraum wurde enger und enger – bis Oberbürgermeister Stephan Keller (CDU) letzte Woche ein Machtwort sprach und den Stopp des spektakulären Neubau-Projekts in der City verkündete.
Für Snøhetta bedeutet der Baustopp die dritte Niederlage in Folge in der Landeshauptstadt. Bereits 2014 konnten sich die Norweger mit ihrer Machbarkeitsstudie für den Kö-Bogen II nicht gegen Christoph Ingenhoven durchsetzen. 2021 scheiterten die Norweger erneut, als sie im Auftrag des Großinvestors Uwe Reppegather am Hofgarten zwei hoch aufragende Türme für eine neue Oper entwarf. Und jetzt – nach so vielen Vorschusslorbeeren – auch noch das Aus für ihren Opernentwurf Am Wehrhahn.
Oberbürgermeister Keller sprach nun aus, was man bereits vorher hätte wissen müssen: Es komme nun darauf an, den Bestandsbau an der Heinrich Heine-Allee zu „ertüchtigen“, um den Spielbetrieb der Oper zu gewährleisten. Was mit dem nebulösen „Ertüchtigen“ gemeint ist, wird die Stadtverwaltung in den nächsten Monaten zu konkretisieren haben. Es wäre sehr zu begrüßen, wenn man endlich das Nutzungspotential des 1956 eröffneten Bestandbaus von Paul Bonatz, Julius Schulte-Frohlinde und Ernst Huhn genauestens prüfte. Denn sie fügt sich mit ihrer unaufgeregten Moderne gut zwischen Heinrich-Heine-Allee und Hofgarten ein. Man kann Bonatz und Schulte-Frohlinde zu Recht vorwerfen, dass sie sich im Dritten Reich den Nationalsozialisten andienten. Doch gerade Bonatz’ Projekte – der Neue Stahlhof (1924), das Max-Plank-Institut und das Haus der Eisenindustrie (1936) sowie die Deutsche Oper (1956) – gehören in der zu den besten Beispielen einer modernen Architektur vor und nach dem 2. Weltkrieg in der Stadt.
Raumwerk im blaugrünen Ring
Es wäre zu wünschen, wenn man sich in der Stadtverwaltung darauf besinnen würde, dass die ARGE raumwerk und Aileen Treusch aus Frankfurt am Main sich im Rahmen des Wettbewerbs Blaugrüner Ring im Jahr 2019 damit beschäftigte, die innerstädtischen Kulturstandorte zusammen mit landschaftsarchitektonischen Eingriffen besser zugunsten einer lebenswerten, fußgängergerechten Stadt zu vernetzen. Das Team gewann mit seinem Entwurf den ersten Preis.
Auf die Euphorie folgte die Ernüchterung. Die exorbitanten Gesamtkosten von 1,8 Milliarden Euro wurden zunächst einmal von der schwarz-grünen Koalition auf eine Milliarde gedeckelt. Doch es blieben noch 150 Millionen Euro für den Ankauf des Grundstücks, zudem musste berücksichtigt werden, dass allein die Finanzierungskosten bei rund 800 Millionen Euro liegen würden. Der Finanzierungsspielraum wurde enger und enger – bis Oberbürgermeister Stephan Keller (CDU) letzte Woche ein Machtwort sprach und den Stopp des spektakulären Neubau-Projekts in der City verkündete.
Für Snøhetta bedeutet der Baustopp die dritte Niederlage in Folge in der Landeshauptstadt. Bereits 2014 konnten sich die Norweger mit ihrer Machbarkeitsstudie für den Kö-Bogen II nicht gegen Christoph Ingenhoven durchsetzen. 2021 scheiterten die Norweger erneut, als sie im Auftrag des Großinvestors Uwe Reppegather am Hofgarten zwei hoch aufragende Türme für eine neue Oper entwarf. Und jetzt – nach so vielen Vorschusslorbeeren – auch noch das Aus für ihren Opernentwurf Am Wehrhahn.
Oberbürgermeister Keller sprach nun aus, was man bereits vorher hätte wissen müssen: Es komme nun darauf an, den Bestandsbau an der Heinrich Heine-Allee zu „ertüchtigen“, um den Spielbetrieb der Oper zu gewährleisten. Was mit dem nebulösen „Ertüchtigen“ gemeint ist, wird die Stadtverwaltung in den nächsten Monaten zu konkretisieren haben. Es wäre sehr zu begrüßen, wenn man endlich das Nutzungspotential des 1956 eröffneten Bestandbaus von Paul Bonatz, Julius Schulte-Frohlinde und Ernst Huhn genauestens prüfte. Denn sie fügt sich mit ihrer unaufgeregten Moderne gut zwischen Heinrich-Heine-Allee und Hofgarten ein. Man kann Bonatz und Schulte-Frohlinde zu Recht vorwerfen, dass sie sich im Dritten Reich den Nationalsozialisten andienten. Doch gerade Bonatz’ Projekte – der Neue Stahlhof (1924), das Max-Plank-Institut und das Haus der Eisenindustrie (1936) sowie die Deutsche Oper (1956) – gehören in der zu den besten Beispielen einer modernen Architektur vor und nach dem 2. Weltkrieg in der Stadt.
Raumwerk im blaugrünen Ring
Es wäre zu wünschen, wenn man sich in der Stadtverwaltung darauf besinnen würde, dass die ARGE raumwerk und Aileen Treusch aus Frankfurt am Main sich im Rahmen des Wettbewerbs Blaugrüner Ring im Jahr 2019 damit beschäftigte, die innerstädtischen Kulturstandorte zusammen mit landschaftsarchitektonischen Eingriffen besser zugunsten einer lebenswerten, fußgängergerechten Stadt zu vernetzen. Das Team gewann mit seinem Entwurf den ersten Preis.
In diesem Zusammenhang entstand auch der Entwurf für einen Opernumbau, der die Raumkapazität des Hauses um 25 Prozent erweitern und den Bestand zugleich besser mit Hofgarten und Düssel verbinden möchte. Die Idee war, den Bestand mit einer leichten, transparenten Hülle zu umfassen. Die projektierte, überdachte Terrasse zum Landskrone-Teich im Hofgarten würde die Oper sichtbarer mit Grabbeplatz, Kunstsammlung K20 und Kunsthalle verbinden.
Anlässlich der von Oberbürgermeister Keller verkündeten Entscheidung hat raumwerk die finanziellen Vorgaben neu berechnet. Die Kalkulation geht bei einer funktionalen Grundsanierung von 300 Millionen Euro aus, bei einer umfassenden Modernisierung von 400 bis 450 Millionen. Jon Prengel von raumwerk meint allerdings, dass angesichts der letzten Preissteigerungen auch mit einem Beitrag bis 500 Millionen Euro gerechnet werden könnte.
Diese erste, schnelle Kalkulation liegt also erheblich unter dem für den Snøhetta-Entwurf veranschlagten Finanzrahmen. Nicht zuletzt überzeugt der Entwurf von raumwerk, weil der denkmalgeschützte Bestandsbau saniert, erweitert und besser mit dem beliebten klassizistischen Hofgarten verbunden wird. Kurz und gut: ein „Opernhaus der Zukunft“, das dem genius loci wirklich angemessen wäre.
Anlässlich der von Oberbürgermeister Keller verkündeten Entscheidung hat raumwerk die finanziellen Vorgaben neu berechnet. Die Kalkulation geht bei einer funktionalen Grundsanierung von 300 Millionen Euro aus, bei einer umfassenden Modernisierung von 400 bis 450 Millionen. Jon Prengel von raumwerk meint allerdings, dass angesichts der letzten Preissteigerungen auch mit einem Beitrag bis 500 Millionen Euro gerechnet werden könnte.
Diese erste, schnelle Kalkulation liegt also erheblich unter dem für den Snøhetta-Entwurf veranschlagten Finanzrahmen. Nicht zuletzt überzeugt der Entwurf von raumwerk, weil der denkmalgeschützte Bestandsbau saniert, erweitert und besser mit dem beliebten klassizistischen Hofgarten verbunden wird. Kurz und gut: ein „Opernhaus der Zukunft“, das dem genius loci wirklich angemessen wäre.
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