Treffpunkt venezianische Villa
Umbau in Vicenza von RigonSimonetti
Nach jahrelangem Leerstand wurde eine venezianische Villa aus dem 18. Jahrhundert nahe Vicenza als Arbeits- und Begegnungsort zu neuem Leben erweckt. Sanierung und Umbau des stark beeinträchtigten Bestands plante RigonSimonetti, ein junges Büro aus Vicenza. Nun betreibt das im Zuge der Revitalisierung gegründete Sozialunternehmen Parco delle Stagioni hier unter anderem Co-Working-Räume und Büros, hinzu kommen Bildungsangebote, Veranstaltungsflächen, eine Schneiderwerkstatt und ein Café. Beauftragt hat das Projekt die Immobiliengesellschaft Officina 27 Srl als Eigentümerin des Objektes.
Die am Rand eines Parks gelegene Villa Donà befindet sich in der kleinen Gemeinde Motta di Costabissara. Sie besteht aus einem dreigeschossigen Haupthaus mit gut 710 Quadratmetern Bruttogrundfläche und einer zur Straße hin anschließenden Barchessa. Dieser ehemalige Wirtschaftsflügel mit Arkadengang verfügt über knapp 930 Quadratmeter Bruttogrundfläche, verteilt auf zwei Geschosse. Ein vorgelagerter eingeschossiger Neubau ergänzt das historische Ensemble.
Beim Haupthaus, in dem sich nun ein Showroom der Schneiderei, Besprechungsräume und Gästeapartments befinden, stand die Restaurierung im Vordergrund. Die Barchessa hingegen wurde komplett überarbeitet und zum neuen öffentlichen Mittelpunkt transformiert. Dabei habe man die durch diverse Eingriffe entstandenen Spuren unterschiedlicher Epochen durch das Entfernen von Putzschichten sichtbar gemacht, erklären die Architekt*innen. Statt den bauzeitlichen Originalzustand wiederherzustellen, sei das Ziel gewesen, den Bau als „Palimpsest“ zu inszenieren, als Objekt, in dem sich unterschiedliche Schichten durchdringen und miteinander interagieren.
An der durch drei Rundbögen charakterisierten Stirnfassade setzten RigonSimonetti im mittleren Bogen eine Glaswand mit integrierter schaufensterartiger Holzbox ein, um so eine Verbindung zwischen dahinterliegendem Café und öffentlichem Straßenraum zu schaffen. Durch den dritten Rundbogen gelangt man zur von Arkaden gesäumten offenen Seite der Barchessa, in der ein neues Volumen mit Holz-Glas-Fassade steht. Es nimmt im Erdgeschoss einen Veranstaltungssaal und im durch schlanke Stahlstützen getragenen Obergeschoss Co-Working-Flächen auf.
Auf der anderen Seite der Barchessa, in ihrem alten Gemäuer, befinden sich oben ebenfalls Büros. Die zum neu eingefügten Volumen liegende Wand wurde durch verglaste, in eine stabilisierende Stahlbetonkonstruktion integrierte Holzrahmen großflächig geöffnet. Im Erdgeschoss liegen Serviceräume, eine Küche sowie ein weiterer kleiner Saal. Sein Zentrum bildet jedoch das Café mit teils doppelter Höhe und Einbaumöbeln aus Holz.
Den gegenüberliegenden Neubau mit Satteldach bezeichnen die Architekt*innen als zeitgenössische Interpretation einer Barchessa. In ihm kommen die Schneiderwerkstatt mit Workshop-Angeboten sowie Lagerflächen unter. Auch die landschaftsgestalterische Überarbeitung des anschließenden Parks war Teil des Projekts. Unter anderem wurde ein vor dem Haupthaus liegender Brunnen zum Regenrückhaltebecken umgewandelt. (da)
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur:
- RigonSimonetti
- Landschaftsarchitektur:
- Giacomo Casentini
- Statik:
- Nicola Caleca
- Gebäudetechnik, Brandschutz:
- Christian Castellani
- Bauherrschaft:
- Officina 27 Srl, Parco delle Stagioni Srl impresa sociale
- Fläche:
- 8.840 m² Gesamtfläche
- Baukosten:
- 3.400.000 €