Runder Schwung in Rouen
Sport- und Freizeitanlage von OLGGA und A+R Paysages
Die Fotos sehen nach einem Projekt an der Pariser Peripherie aus. Und tatsächlich, die Seine liegt um die Ecke. Gab es nicht auch immer wieder ambitionierte Versuche, die trennende Trasse der Stadtautobahn zu überwinden? So wie mit dieser Brückenkonstruktion, die in eine Rampe mit Skatepark übergeht. Wir befinden uns allerdings nicht in Paris, sondern ein ganzes Stück weiter im Nordwesten in Petit-Quevilly bei Rouen – also wenige Kilometer vor Mündung der Seine in den Ärmelkanal. OLGGA Architectes (Paris) haben hier zusammen mit A+R Paysages (Bordeaux) einen Sport- und Kulturpark umgesetzt.
Die Gemeinde Petit-Quevilly schließt unmittelbar an die Innenstadt von Rouen an und war lange Zeit primär industriell geprägt. Auch das Grundstück des neuen Sport- und Freizeitparks hat eine solche Vergangenheit, obwohl es im sogenannten Schwimmbad-Viertel liegt. Letzteres verdankt seinen Namen einem bemerkenswerten Hallenbad, das der Architekt Bernard Schoeller in den 1970ern im Rahmen eines Typenbau-Programms entworfen und in ganz Frankreich über 180 Mal umgesetzt hat. Die Segmente der vorfabrizierten Großkonstruktion, deren Kreisform OLGGA mit ihrer Rampe aufzunehmen scheinen, lassen sich im Sommer aufschieben. Das Umfeld ist heterogen und umfasst alle möglichen Wohnformen vom kleinen Haus bis zur Großsiedlung. Die autobahnartige Schnellstraße namens Sud III durschneidet das Stadtgeflecht.
Das Team um OLGGA und A+R überbrücken zunächst das breite Straßenband und strukturieren dann das Gelände mit einem linearen Hochpfad, den sie als „Promenade Belvédère“ beschreiben. Die kreisförmige Rampe kreuzt mittig die Promenade, an der alle wichtigen Funktionen angeordnet sind. Dazu gehört der Skatepark samt Jugendclub unter der Rampe, eine Sporthalle, ein Freizeitzentrum, mehrere Freiplätze und diverse kleinere Trainingsanlagen im Außenraum. Rund drei Hektar umfasst die Anlage.
In der Umsetzung kamen primär Beton und Metall zum Einsatz. Daraus ergibt sich eine robuste Architektur, deren Härte aber dank der Durchdringung mit dem Außenraum abgemildert wird. Ihre raumgreifende, im Ausdruck homogene Struktur beschreiben OLGGA als Klammer, die das Umfeld zusammenzieht. Jenseits aller Architekt*innenlyrik darf man vermuten, dass der Besitz von Kinderfahrrädern in der Umgebung seit der Fertigstellung der Anlage signifikant gestiegen ist. (sb)
- Fertigstellung Sporthalle und Freizeitzentrum:
- 2024
- Fertigstellung Außraumgestaltung:
- 2025
- Architektur:
- OLGGA Architectes
- Landschaftsarchitektur:
- A+R Paysages
- Weitere Planungsbeteiligte:
- ABI Structure (Tragwerk), SOGETI (Haustechnik), Alternatives (Akustik)
- Bauherrin:
- Ville de Petit-Quevilly
- Fläche:
- 27.851 m² Gesamtfläche (Gebäude: 2.360 Quadratmeter)
- Baukosten:
- 12.400.000 €