Flurlos am Acker
Grundschule bei Hamburg von Trapez Architektur
Engagierter Schulbau ist kein Großstadtthema. Das beweist die neue Grundschule Bünningstedt in Ammersbek nordöstlich von Hamburg. Wobei man relativierend sagen muss, dass die schleswig-holsteinische Kleinstadt letztlich zur Agglomeration der Hansestadt zählt und ganz am Rand ihres Gemeindegebiets sogar eine U-Bahn-Haltestelle der Hochbahn hat.
Die neue Grundschule ist jedoch meilenweit entfernt von der U-Bahn. Sie steht buchstäblich zwischen Feldern und Äckern und ersetzt einen Bestandsbau. Dieser war zu klein geworden und entsprach nicht mehr dem pädagogischen Anspruch der Schule.
Nachdem eine erste Machbarkeitsstudie keine politische Mehrheit gefunden hatte, beauftragte die Gemeinde Ammersbek im Jahr 2018 die beiden schulbauerfahrenen Büros Trapez Architektur (Hamburg) und SICHT.weise Beratung (Verden) mit einer sogenannten Phase Null, um mit den Nutzer*innen zu ergründen, wie die Schulgemeinschaft sich ihren Neubau wünscht. Die daran anschließenden Leistungsphasen 1 und 2 konnten direkt an Trapez vergeben werden, mit den Phasen 3 bis 9 wurde das Hamburger Büro schließlich nach einem VgV-Verfahren beauftragt.
Im letzten Jahr ging die zweizügige Grundschule mit den Klassenstufen 1 bis 4 in Betrieb. Knapp 200 Schüler*innen lernen in dem flach gehaltenen, holzverkleideten Neubau. Dieser zeigt sich als dreiteiliges Ensemble über polygonalem Grundriss, bestehend aus einem zweigeschossigen Hauptgebäude und zwei eingeschossigen Lernhäusern.
Wer das langgestreckte Hauptgebäude durch den Haupteingang in der Südwestecke betritt, stößt direkt auf die zentrale, doppelgeschossige Veranstaltungsfläche der Schule. Sie wird auch als Mensa genutzt und kann mit dem daran anschließenden Musikraum verbunden werden. Eine lange Halle, die sich an zwei Stellen großzügig zum Obergeschoss öffnet, zieht sich als Rückgrat durch das Hauptgebäude. Neben dem Lernbereich der Viertklässler*innen im Obergeschoss finden sich alle üblichen Funktionen der Schule im Hauptgebäude.
Die Lernhäuser schließen im Osten an das Hauptgebäude an und sind den Jahrgangsstufen 1 bis 3 vorbehalten. In einem wird jahrgangsübergreifend unterrichtet, im anderen konventionell. Beide sind als Cluster organisiert und punkten mit einer Gemeinschaftsfläche, die über viel Fensterfläche und einen direkten Ausgang ins Freie verfügt.
Im gesamten Gebäude konnte auf Flure verzichtet werden zugunsten großzügiger Erschließungsbereiche, die auch als pädagogische Flächen genutzt werden. Zusammen mit Sitzstufen, festen Einbauten, flexiblen Möbelelementen und so mancher Nische entstand eine lebendige Lernumgebung, die in ihrer organischen Bewegtheit ein wenig an Hans Scharouns legendäre Schulbauten aus den 1950/60er Jahren erinnert. (gh)
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur:
- Trapez Architektur
- Team Trapez:
- Janine Feddersen (Projektleitung), Rahel Haas, Verena Zschocke
- Partizipationsprozess Phase Null:
- SICHT.weise Beratung
- Tragwerksplanung:
- Schreyer Ingenieure
- Freiraumplanung:
- tBL Landschaftsarchitekten
- Bauherrschaft:
- Gemeinde Ammersbek
- Fläche:
- 3.456 m² Bruttogrundfläche
- Baukosten:
- 9.000.000 € netto (KG 300 + 400)
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