Dreizügig in Rosa
Schulerweiterung in Münster von Heupel
Die Annette-von-Droste-Hülshoff-Grundschule im Süden Münsters freut sich über ihre zweite Erweiterung. Der Ursprungsbau von Bernhard Tönies entstand 1952 als eingeschossiger, L-förmiger Körper mit Satteldach. Dreizehn Jahre später folgte eine erste Ergänzung – wiederum ein L in ähnlicher Gestalt. Die jüngste Erweiterung sowie die Sanierung und Neuorganisation des zurückhaltenden Bestands plante das ortsansässige Büro Heupel. Dass die Architekt*innen das VgV-Verfahren für das Projekt für sich entscheiden konnten überrascht kaum, denn Architekt Andreas Heupel war hier selbst einst Schüler.
Benannt ist die Schule nach der Schriftstellerin und Komponistin Annette von Droste-Hülshoff, die im 19. Jahrhundert im Münsterland lebte und wirkte. Bis 2021 wurde die Grundschule zweizügig mit acht Klassen und rund 240 Schüler*innen betrieben. Der nun realisierte Erweiterungsbau schafft die räumlichen Voraussetzungen für die Dreizügigkeit. Insgesamt umfasst das Ensemble jetzt rund 5.700 Quadratmeter Bruttogrundfläche. Im Zuge der Arbeiten wurde auch der Bestand umorganisiert. Die Verwaltung etwa wurde in den südlichen Flügel verlagert.
Der Neubau fügt der Anlage ein weiteres, lose verwandtes L hinzu. Anders als der Bestand zeigt sich der Baukörper jedoch tiefer, mit verspringenden Höhen und Flachdach. Der zweigeschossige Klassentrakt organisiert die Unterrichtsräume in Clustern. Nördlich schließt eine eingeschossige Mensa an, die sich zwischen Bestandsecke und Klassentrakt schiebt. Über einen Windfang erschlossen, bildet sie den neuen Haupteingang, erweitert das Bestandsfoyer und fungiert als Verteiler. Neben der täglichen Mittagsverpflegung kann der Raum auch für Veranstaltungen genutzt werden.
Äußerlich zeigt sich der Neubau mit einer grau lasierten Holzfassade aus hinterlüfteter Boden-Deckel-Schalung aus Douglasie. Die Latten sind an ihren Kanten abgerundet. Ein kleines Detail, das die ansonsten ruhige Fläche horizontal gliedert und ihr eine gewisse Weichheit verleiht. Dazu treten rosafarbene Akzente: Fensterrahmen aus Holz und Aluminium, feingliedrige Absturzsicherungen mit ebenfalls gerundeten Profilen, Markisoletten sowie Sockel und Türen.
Konstruktiv steht der Neubau im Kontrast zum massiven Bestand. Die Erweiterung wurde weitgehend als Holzbau realisiert: Außen- und Innenwände als Holzrahmen- beziehungsweise Holztafelelemente, die Decken aus Brettsperrholz. Letztere bleiben im Innenraum teilweise sichtbar und wurden um Holzwolleplatten ergänzt, die neben der Akustikverbesserung auch die offene Kabelführung kaschieren. In den Fluren erhielten die Innenwände aus Brandschutzgründen eine Bekleidung aus Gipsfaserplatten, während sie in den übrigen Bereichen mit Dreischichtplatten aus lasierter Weißtanne verkleidet sind. Auch innen taucht die Farbe Rosa wieder auf. Kautschukboden, Treppengeländer und Flurtüren setzen Akzente, während die Klassenraumtüren in einem ruhigeren Beige gehalten sind. (gk)
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur (LPH 1–5):
- Heupel GmbH
- Projektleitung (LPH 1–5):
- A.-K. Becker
- Umsetzung (LPH 6–8):
- assmann Gruppe
- Bauherrschaft:
- Stadt Münster
- Fläche:
- 5.700 m² Bruttogrundfläche
- Baukosten:
- 6.800.000 € netto (KG 300 + 400)
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