Dachlandschaft am Parkrand
Schule bei Bordeaux von Ateliers Mathieu Laporte und Fagart & Fontana
Bei diesem Projekt erhält der Begriff „Dachlandschaft“ eine neue Prägnanz. Die École primaire Saint-Exupéry in Gradignan bei Bordeaux setzt auf eine Staffelung und Überlagerung unterschiedlich geneigter Dachflächen mit teils weit auskragenden Traufen. Was zunächst wie ein formales Übermaß erscheinen mag, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als Antwort auf Klima und Kontext – insbesondere mit Blick auf Sonnen- und Regenschutz. Entworfen wurde der Bau von Ateliers Mathieu Laporte und Fagart & Fontana, beide mit Sitz in Paris.
Gradignan ist von Grünzügen und Parkanlagen durchzogen, die das Stadtgefüge strukturieren. An der Schnittstelle eines solchen Parks und eines neu entstehenden Wohnquartiers positioniert sich der Neubau als Y-förmige Figur. Der Landschaftsraum wird dabei nicht nur gerahmt, sondern bis an die Fassaden herangeführt. Perspektivisch soll der Park stellenweise unmittelbar an das Gebäude anschließen.
Die Geometrie folgt der Nutzung. Ein langgestreckter, eingeschossiger Riegel verläuft parallel zur östlichen Grundstücksgrenze und nimmt einen Kindergarten auf. Rechtwinklig dazu, nach Westen orientiert, steht ein kürzerer, dreigeschossiger Baukörper für Grundschule und Mehrzwecksaal. Letzterer ist auch außerhalb der Unterrichtszeiten zugänglich und versteht sich als Baustein einer sozialen Infrastruktur im Ort. Beide Volumen tragen Zinksatteldächer, doch erschöpft sich das Motiv nicht in der archetypischen Geste. Am höheren Baukörper staffeln sich zusätzliche Vordächer und zwei großformatige Gauben, die sich nahezu über die gesamte Dachlänge ziehen.
An den Fassaden wird die Dachfigur konstruktiv nachvollziehbar. Große Teile sind als Pfosten-Riegel-Konstruktionen oder Bandfenster ausgebildet. Die tiefen Überstände sorgen für sommerlichen Wärmeschutz und erlauben zugleich eine weitgehende Transparenz. Unter den auskragenden, von schlanken Stützen gefassten Vordächern liegen die drei Haupteingänge, die den Bau adressbildend zur Umgebung öffnen.
Von außen wirkt das Ensemble stellenweise additiv, fast collagiert. Im Inneren jedoch entfaltet sich eine klare Raumdramaturgie. Doppelgeschossige Zonen, Lufträume und Decken, die den Dachverläufen folgen, schaffen differenzierte Lernlandschaften. Sichtbeton, Holz und schwarzer Stahl verleihen den Räumen eine sachliche, zugleich feine Robustheit. In das Projekt mit rund 3.700 Quadratmetern Bruttogrundfläche investierte die Stadt etwa 10,5 Millionen Euro. (gk)
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur:
- Ateliers Mathieu Laporte und Fagart & Fontana
- Bauherrschaft:
- Stadt Gradignan
- Fläche:
- 3.700 m²
- Baukosten:
- 10.500.000 €
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Trotzdem noch ganz gut und luftig