Sanfte Farben, dunkler Bambus
Förderschulkomplex in Hoorn von KRFT Architecture Studio
Hoorn ist eine Kleinstadt am Markermeer in den Niederlanden, etwa 45 Kilometer nördlich von Amsterdam. Seit 2016 verfolgte die Gemeinde den Plan, die über die Stadt verteilten förderpädagogischen Einrichtungen für Kinder mit körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen an einem Ort zu bündeln. Die Gemeinde wandte sich an die auf Schulbau spezialisierte, private Stiftung Mevrouw Meijer, die drei Architekturbüros zu einem Wettbewerb einlud, und entschied sich, KRFT Architecture Studio (Amsterdam) mit dem Neubau zu beauftragen.
Das KRFT-Team verteilte das große Raumprogramm – 6.980 Quadratmeter Nutzfläche für mehr als 250 Kinder im Alter zwischen 0 und 14 Jahren – auf fünf durchgehend dreigeschossige Gebäude. Diese hängen zwar zusammen, die Volumen stehen jedoch versetzt zueinander, sodass sich klar unterscheidbare Häuser und dazugehörige Höfe und Freiräume bilden.
Durch das Versetzen der einzelnen Baukörper entstehen zudem zusätzliche Möglichkeiten, Licht ins Innere zu bringen sowie durch große Fenster immer wieder Sichtbeziehungen zu den Außenräumen herzustellen. Die Fassaden, die wechselweise aus grünlichem Putz und dunkelbraunem Bambusholz bestehen, tragen zur Unterscheidbarkeit der einzelnen Häuser bei.
Das größte der fünf Gebäude nimmt die neue Sporthalle auf, die auch von Vereinen genutzt wird. Davor liegt ein großer Parkplatz, der auch nötig ist, da die meisten Schüler*innen mit speziellen Fahrdiensten zur Schule gebracht werden. An die Sporthalle schließt das „Praathuis“ an, was sich mit „Gesprächshaus“ übersetzen lässt. Hier werden die sozialen Beratungsdienste gebündelt. In den drei folgenden Gebäuden liegen die Klassen- und Besprechungsräume für das Arbeiten in größeren oder kleineren Gruppen. Jedes Haus hat einen eigenen, klar erkennbaren Eingang an der Westseite, markiert durch ein Vordach. An der Ostseite liegen die Spielplätze und Gärten.
Bei der Konstruktion handelt es sich um einen offenen Holzskelettbau, der eine relativ flexible Einteilung der Innenräume auch in Zukunft möglich macht. Die Fassaden bestehen fast vollständig aus biobasierten Materialien: Vorgefertigte Holzrahmenpaneele mit Holzfaserdämmung, Holzfensterrahmen und eine Verkleidung aus gepresstem Bambus.
Insgesamt sei der Bau damit beispielhaft für nachhaltigen Schulbau, schreiben KRFT. Die CO2-Bilanzierung bestätigte dem Projekt abschließend einen Wert von 230 Kilogramm CO2 pro Quadratmeter. Würde zusätzlich auch die CO2-Speicherung im verwendeten Holz berücksichtigt, ergäbe sich ein Wert von nur 45 Kilogramm pro Quadratmeter, so die Architekt*innen. Die gewählten Materialien haben aber auch noch andere Vorteile: Die Kombination aus sanften Farben, viel sichtbarem Holz und guter Akustik der Holzdecken erzeugt eine freundliche Atmosphäre, die speziell den Bedürfnissen von Kindern mit sensorischer Empfindlichkeit entgegenkommt. (fh)
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur:
- KRFT Architecture Studio
- Team:
- Alexander Beeloo (Projektleiter), Oscar Vos, Thomas Dieben, John Rous, Ashleigh Sullivan, Luke van der Vorst, Sohila Elshenawi, Thomas Fell Rubio, Javier Pose Bazarra
- Projektmanagement:
- bbn
- Research:
- Stiftung Mevrouw Meijer
- Tragwerksplanung:
- Adviesbureau Lüning
- Landschaftsarchitektur:
- Jan de Vries, Grijs Kleurt Groen
- Künstler:
- Marc Volger
- Bauherrschaft:
- Gemeinde Hoorn
- Fläche:
- 6.980 m² Gross Floor Area




