Mit Metro-Aushub gebaut
Kinder- und Sportzentrum bei Paris von HEMAA
Évry-Courcouronnes ist nicht nur bekannt für Mario Bottas Kathedrale der Auferstehung. Weite Teile der Gemeinde im Großraum Paris sind von raumgreifenden Strukturen der Nachkriegszeit geprägt, beispielsweise den Bauten des Komplexes Les Pyramides, die sich über kreuzförmigen Grundrissen zu terrassierten Beton- und Ziegelgebirgen auftürmen. Diesem Kontext wollten HEMAA Architectes (Paris) eine neue Komponente hinzufügen. Sie nutzten den Auftrag der Kommune für das Parc des Loges Childhood and Sports Center, um ein flaches Ensemble aus Lehm und Holz zu realisieren.
Die gut 2.400 Quadratmeter Bruttogrundfläche umfassende Anlage befindet sich zwischen den Pyramidenbauten und einem Park samt Sportplatz. Grün gibt es auf beiden Seiten reichlich, denn die rauen Gebilde aus den 1970er Jahren verstehen es durchaus, sich hinter Bäumen zu verstecken. Auch das Team um Charles Hesters und Pierre Martin-Saint-Etienne, die HEMAA 2018 gründeten, hat seine Baukörper mit sanft geschwungenen Dächern in neue Vegetation eingebettet. Die ist auf den Fotos zwar noch nicht angewachsen, soll aber zu einer natürlichen Lern- und Freizeitlandschaft für die Kinder werden.
Die fünf Volumen beherbergen Räumlichkeiten für Kindergarten, Grundschule, Hort, Cafeteria und Sporttribüne samt Trainingsbereichen. Die Architekt*innen arrangierten sie so, dass sie den Lärm von der Straßenkreuzung abschirmen und innen einen offenen Hof schaffen, der von Waldkindergärten inspiriert ist. Gemeinsam mit den Landschaftsplaner*innen von Wald (Paris) pflanzte man dort im Sinne der Biodiversität unter anderem Eichen, Eschen, Ahornbäume und Ulmen. Die Dächer wurden ebenfalls intensiv begrünt. Neben Außenanlagen mit rund 3.850 Quadratmetern Fläche gibt es auch eine Tiefgarage.
Die bestehende Topografie ließen HEMAA weitgehend unangetastet. So stehen die eingeschossigen Baukörper zur Straße etwas erhöht und der Haupteingang an der Ecke bekommt fast etwas Tempelartiges. Dazu tragen auch die Fassaden aus 50 Zentimeter dicken Stampflehmwänden bei, die links und rechts der zurückversetzten Verglasung wie mächtige Pfeiler wirken.
665 Kubikmeter Lehm verarbeitete man zusammen mit den Spezialist*innen von BETerre. Die Erde stammt aus dem Tunnelaushub der Grand Paris Metro. Innen sind die tragenden Lehmwände mit Hanfwolle gedämmt. Dachkonstruktion, Stützen und Trennwände bestehen aus Holz, die Sockelzone aus kohlenstoffarmem Beton. Abseits von ökologischen Beweggründen steht hinter dieser Materialpalette auch das Ziel, den Kindern eine warme und lebendige Umgebung zu schaffen. Wie HEMAA sagen, als bewusster Kontrast zum betongeprägten Umfeld. (mh)
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur:
- HEMAA Architectes
- Landschaftsarchitektur:
- Wald
- Lehmbauplanung:
- BETerre
- Bauingenieur:
- ANA Ingénierie
- Bauherrschaft:
- Kommune Evry-Courcouronnes
- Fläche:
- 2.444 m² Bruttogrundfläche
- Baukosten:
- 11.000.000 € Gesamtkosten






