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Arabische Republik Ägypten

Die Arabische Republik Ägypten hat sich im Diplomatenviertel an der Stauffenbergstraße ein unverkennbar zum Land passendes Botschaftsgebäude gebaut. Schon von weitem fällt es mit seinen in rotem poliertem Granit gemeißelten Hieroglyphen und Symbolen an der Fassade ins Auge.

Schon Ende der 40er Jahren hatte sich Ägypten zwei Grundstücke im Diplomatenviertel gesichert. Nach der deutschen Einheit und dem folgenden Hauptstadtbeschuss veräußerte das Land eines der Grundstücke und verwendete den Erlös für die Finanzierung des Bauvorhabens an der Stauffenbergstraße. Nachdem der Kairoer Architekt Samir Rabie 1998 mit seinem Entwurf den beschränkten Wettbewerb für den Neubau gewann, wurde das Berliner Büro Kendel Architekten mit der Ausführung betraut.

Das Gebäude besteht aus drei Volumen, die von der Straße ausgehend in die Grundstücktiefe hinein gestaffelt wurden. Sie verfügen über unterschiedliche Höhen. Die Baukörper sind von außen gut ablesbar und vermitteln - durch große geschlossene Fassadenflächen - einen eher introvertierten Eindruck.
Sowohl innen als auch außen sollte die Botschaft die beiden herausragenden Eigenschaften Ägyptens zum Ausdruck bringen: seine 7.000 Jahre alten Zivilisation und den modernen Anspruch, einen Platz unter den Industrienationen der Welt einzunehmen.
Im Rahmen dieses Konzeptes werden an den unterschiedlichsten Stellen im Haus Tradition und Moderne einander gegenüber gestellt.

Die Symbolik der Reliefs an der Hauptfassade beruht ebenfalls auf einem Dualismus: die beiden altägyptischen Städte Menf und Tiba aus dem oberen und dem unteren Ägypten werden durch den Papyrusanbau und stilisierte Lotusblüten miteinander verknüpft. Auf einer dem Nil nachempfundenen Wasserfläche stehen sie als Symbole für die Einheit des ägyptischen Volkes ohne Ansehen der Unterschiede in Religion und Hautfarbe.
Direkt im Anschluss an den Haupteingang befindet sich das Foyer, von dem aus alle Bereiche der Botschaft funktional erschlossen werden. Der zentralen Achse folgend, liegt im Herzen der Botschaft der überdachte Innenhof mit einer Höhe von elf Metern und im oberen Drittel umlaufender Galerie. Unterhalb der Galerie wurden in nördlicher und südlicher Richtung schmale Fensterschlitze in den hellen Sandstein eingearbeitet, die an traditionelle Tempelfenster erinnern. Das Atrium wird von einer modernen Stahlkonstruktion mit Zugelementen überdacht, sie soll als Kontrapunkt zur traditionsbewussten Wandgestaltung gelten. Weiter Richtung Westen verbirgt sich hinter zwei kassetierten und sehr hohen Holztüren der Versammlungsbereich. Mit dunklem Holz verkleidet und mit entsprechender Technik ausgestattet, eignet sich dieser Raum für jede Veranstaltungsart. Ein Blick durch ihn hindurch in den Garten vollendet die Zentralperspektive quer durch das Haus.

Alle anderen benötigten Räumlichkeiten der Botschaft wurden um diese drei Volumen - Foyer, Atrium und Saal - herum angeordnet. Sie verfügen über eine funktionale Anordnung und Ausstattung. Besonders repräsentativ gestaltet ist der Botschafterbereich im dritten Stockwerk: Er besitzt eine ausgesuchte italienische Möblierung und weitere exquisite Einrichtungsgegenstände.


Besonders bemerkenswert sind zwei Reliefs an den Wänden des Atriums: Bei genauer Betrachtung stellen die altägyptischen Muster zur Linken die traditionelle Weingewinnung und zur Rechten die "tägliche Prozedur zur Verschönerung einer Frau" dar. (Pressetext der Botschaft)

Grundstück

Stauffenbergstraße 6-7, 10785 Berlin

Architekten

Entwurf: Samir Rabie, Kairo; Ausführungsplanung: Kendel Architekten, Berlin

Bauherr

Egyptian Building Fonds Authority

Verfahren

Beschränkter Wettbewerb

Entscheidung

1998

Baubeginn

Januar 2000

Fertigstellung

Oktober 2001

Links

Website der Botschaft
Website der Berliner Architekten

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