04.07.2018

Neue Räume am Rothschild-Palais

Baustellenbesuch beim Jüdischen Museum in Frankfurt am Main

13

Die Baustelle des Jüdischen Museums vom Mainufer aus, das Rothschildpalais im Vordergrund. Foto: Sören Rathgeber

Seit 1988 beherbergt das Rothschild Palais am Frankfurter Mainufer das erste jüdische Museum Deutschlands. Längst bietet das fast 200 Jahre alte Gebäude nicht mehr genügend Platz für die erhöhten Ansprüche an ein modernes Ausstellungshaus. Nach einem Entwurf von Staab Architekten, die im Wettbewerb einen von zwei 2. Preisen erhielten, wird seit August 2016 ein neues Eingangsgebäude auf der angrenzenden Grünfläche errichtet und der Altbau umfassend saniert. Die örtliche Bauleitung übernahmen Schneider & Schumacher Architekten. 21 Monate nach Baubeginn sind die Rohbauarbeiten abgeschlossen. Die Teilnehmer der Exkursion DIY des Fachbereich Architektur der Technischen Universität Kaiserslautern (fatuk) wurden von Bauleiter Carsten Nawrath im Mai über die Baustelle geführt.

Von Ernst Markus Rauska, Felix Rollitz und Kathrin Zimmer


Die Kubatur des Neubaus ist bereits gut erkennbar, während der Altbau noch durch Gerüst und Absicherungen verschleiert ist. Hier wird die Dauerausstellung ihren Platz finden, während im Neubau – neben Foyer und Café – Platz für Wechselausstellungen im Untergeschoss und eine Bibliothek mit Vortragssaal im Obergeschoss geschaffen wird. Die polygonale Grundrissform mit schräg aufliegendem Dach passt sich trotz ihrer Modernität erstaunlich gut in die umgebende, teilweise denkmalgeschützte Bebauung ein.

Wir schauen uns zunächst im Inneren des Neubaus um. Der Rohbau ist mit unglaublicher Präzision ausgeführt worden. Das zeigen die fein gearbeiteten Oberflächen und Kanten, die vorgesehenen Anschlüsse und so manches Detail.  Durch die komplexe, geometrische Struktur und die nicht übereinanderstehenden Wände war das Gebäude erst ausgesteift, nachdem das Dach aufgebracht war. Baumstämme hielten den Rohbau. „Die Baustelle sah zwischenzeitlich aus wie ein Wald“, erzählt Bauleiter Carsten Nawrath. Der zusätzliche Aufwand ging mit Zeitverzug einher. Die Innenwände und Decken sind in weißem Sichtbeton ausgeführt, der die höchste Sichtbetonklasse SB4 erfüllt. Die Bewehrung wurde verzinkt, um Verfärbungen zu vermeiden. Obwohl der Beton nicht geschliffen ist, fühlt er sie sich so glatt wie polierter Marmor an.

Außen bringen die Handwerker die Fassade an. Im Wettbewerbsentwurf war sie noch aus Ortbeton geplant. Wegen der hohen Anforderungen an das Material entsteht sie jedoch nun in Fertigteilbauweise. Der Beton wird in langen, horizontalen Bändern im Werk vorgefertigt, geschliffen und vor Ort horizontal übereinandergesetzt und vergossen. Das Gebäude erhält dadurch einen präzise definierten Sockel.

Im Zuge des Neubaus wird auch das denkmalgeschützte Rothschild-Palais aus dem Jahre 1842 restauriert. Früher war es einer der Wohnorte des deutschen Zweigs der internationalen Bankerdynastie, deren Ursprünge im Frankfurter Ghetto liegen. Seit Jahrzehnten wird das Haus durch das Museum für die Dauerausstellung genutzt. Teile der Decke sowie des Stucks werden rekonstruiert. Aufgrund des zunehmenden Antisemitismus mussten die Sicherheitsauflagen nachträglich erhöht werden. Dies führte ebenso wie viele unvorhersehbare Aufgaben bei der Altbausanierung zu Verzögerungen am Bau. Ob die Wiedereröffnung des gesamten Museums wie geplant 2019 stattfinden kann, wird sich also noch zeigen.


Zum Thema:

Der Beitrag entstand in Kooperation mit dem Fachbereich Architektur der Technischen Universität Kaiserslautern (fatuk). Im Rahmen einer Exkursion im Mai 2018, die von Peter Spitzley und Ulrike Weber geleitet wurde, besuchten die Studierenden Großbaustellen im Rhein-Main-Gebiet.