Gibt es keine Alternativen?
Zur Debatte um eine Randbebauung des Tempelhofer Feldes in Berlin
Gibt es keine Alternativen?
Zur Debatte um eine Randbebauung des Tempelhofer Feldes in Berlin
Am Mittwoch präsentierten Hans Kollhoff und Tobias Nöfer einen Entwurf für eine mögliche Randbebauung des Tempelhofer Feldes in Berlin. 21.400 Wohnungen wollen sie auf rund einem Drittel der seit Jahren umkämpften Freifläche errichten. Wie? In kleinteilig parzellierter Blockrandstruktur. Ihren Vorschlag bezeichnen die beiden Berliner Architekten als alternativlos.
Keine Begeisterung, keinen Aufbruch habe der vom Land Berlin ausgelobte Ideenwettbewerb zum Tempelhofer Feld erzeugt, befinden Hans Kollhoff und Tobias Nöfer. Die vor knapp einem Jahr veröffentlichten Ergebnisse hätten wieder mal die „Chancen für Berlin und seine vielfältige Stadtgesellschaft unterschätzt“. Und das trotz oder, wie die Architekten vermuten, sogar wegen (!) der Bürgerbeteiligung. Also eilten sie den ratlosen Bürger*innen – und 164 internationalen Planungsteams des Wettbewerbs – zu Hilfe. Am Mittwoch stellten sie ihren eigenen Entwurf zusammen mit Immobilienunternehmer Hamid Djadda in der Avus-Tribüne vor.
Dass ihr Vorschlag „Zuhause am Tempelhofer Feld“ Begeisterung auslösen wird, dessen sind sich Kollhoff und Nöfer sicher. Denn sie hätten genau das vorgelegt, „was die Berliner wollen“. Das haben vor ihnen freilich schon viele versucht, seit der ehemalige Flughafen 2008 geschlossen und 2010 zur öffentlichen Freifläche gemacht worden war. Etwa Architekt Johannes Tigges, der einst die Vision eines künstlichen Bergmassivs auf dem Tempelhofer Feld zeichnete. Eine Initiative wollte es in einen See verwandeln. Die Internationale Gartenausstellung hier stattfinden zu lassen, stand mal im Raum, ebenso der Bau der Zentral- und Landesbibliothek.
Andere konzentrierten sich mit ihren Ideen nicht auf die Wiesenfläche, sondern auf bereits versiegelte Bereiche. Arno Brandlhuber stellte sich einen langen, geschwungenen, mit Stelzen über das denkmalgeschützte Flughafengebäude gehobenen Riegel vor. 3.500 Wohnungen hätten hier Platz finden können. Vergangenes Jahr preschte Christoph Langhof mit Visualisierungen von zwölf Hochhäusern vor, die 5.000 Wohnungen aufnehmen sollten. Positioniert hatte er die Türme, die jede*n gedanklich sofort nach Dubai katapultieren, vor dem Flughafengebäude in Richtung Platz der Luftbrücke.
Feldbebauungsfantasien
Fast genauso lange, wie das Feld offen ist, stehen auch Randbebauungen zur Debatte – in verschiedenen Variationen von verschiedenen Landesregierungen und Architekt*innen durchgespielt. Nie waren die Pläne wirklich ausgegoren. So erfuhren sie nicht nur von etlichen Fachleuten Kritik, sondern auch große Ablehnung seitens der Bürgerschaft. 2014 schließlich stimmten die Berliner*innen in einem Volksentscheid mit 64 Prozent für den hundertprozentigen Erhalt des Tempelhofer Feldes als Freifläche. Das ist zwar inzwischen zwölf Jahre her, aber die Entscheidung ist nach wie vor Gesetz. Das aus dem Volksentscheid entstandene ThF-Gesetz verbietet jegliche Baumaßnahmen.
Aber Gesetze sind bekanntlich dafür da, sie zu ändern. Im Koalitionsvertrag von 2023 hielten die Regierungsparteien CDU und SPD fest: „Es bedarf angesichts der zugespitzten Wohnungsnot seit dem Volksentscheid 2014 einer neuen Debatte über die Zukunft des Tempelhofer Feldes. Mit einem internationalen Wettbewerb wird der Senat die Möglichkeiten einer behutsamen Randbebauung in begrenzten Teilen der Fläche ausloten.“ Nur produzierte dieser Wettbewerb Kollhoff und Nöfer zufolge keine erfolgversprechenden Ergebnisse. Wie sieht also ihre Zauberformel aus?
Die Antwort: Klassische Blockrandstruktur nach gründerzeitlicher Couleur einmal ringsum um das Feld. 21.400 Wohnungen für etwa 50.000 Menschen sollen in den sechsgeschossigen Gebäuden möglich sein, 30 Prozent davon gefördert. Dazu kommen 10 Prozent Gewerbeflächen in den Sockelgeschossen und 15 Prozent öffentliche Einrichtungen wie Kitas oder Schulen. Dieser bebaute Saum – bis hin zum einstigen Taxiway – würde etwa ein Drittel der heutigen 300 Hektar großen Freifläche einnehmen. Die übrigen 200 Hektar in der Mitte wollen die Architekten, begrenzt durch eine umlaufende Promenade, in eine Stiftung überführen und so dauerhaft vor Bebauung schützen.
Dass ihr Vorschlag „Zuhause am Tempelhofer Feld“ Begeisterung auslösen wird, dessen sind sich Kollhoff und Nöfer sicher. Denn sie hätten genau das vorgelegt, „was die Berliner wollen“. Das haben vor ihnen freilich schon viele versucht, seit der ehemalige Flughafen 2008 geschlossen und 2010 zur öffentlichen Freifläche gemacht worden war. Etwa Architekt Johannes Tigges, der einst die Vision eines künstlichen Bergmassivs auf dem Tempelhofer Feld zeichnete. Eine Initiative wollte es in einen See verwandeln. Die Internationale Gartenausstellung hier stattfinden zu lassen, stand mal im Raum, ebenso der Bau der Zentral- und Landesbibliothek.
Andere konzentrierten sich mit ihren Ideen nicht auf die Wiesenfläche, sondern auf bereits versiegelte Bereiche. Arno Brandlhuber stellte sich einen langen, geschwungenen, mit Stelzen über das denkmalgeschützte Flughafengebäude gehobenen Riegel vor. 3.500 Wohnungen hätten hier Platz finden können. Vergangenes Jahr preschte Christoph Langhof mit Visualisierungen von zwölf Hochhäusern vor, die 5.000 Wohnungen aufnehmen sollten. Positioniert hatte er die Türme, die jede*n gedanklich sofort nach Dubai katapultieren, vor dem Flughafengebäude in Richtung Platz der Luftbrücke.
Feldbebauungsfantasien
Fast genauso lange, wie das Feld offen ist, stehen auch Randbebauungen zur Debatte – in verschiedenen Variationen von verschiedenen Landesregierungen und Architekt*innen durchgespielt. Nie waren die Pläne wirklich ausgegoren. So erfuhren sie nicht nur von etlichen Fachleuten Kritik, sondern auch große Ablehnung seitens der Bürgerschaft. 2014 schließlich stimmten die Berliner*innen in einem Volksentscheid mit 64 Prozent für den hundertprozentigen Erhalt des Tempelhofer Feldes als Freifläche. Das ist zwar inzwischen zwölf Jahre her, aber die Entscheidung ist nach wie vor Gesetz. Das aus dem Volksentscheid entstandene ThF-Gesetz verbietet jegliche Baumaßnahmen.
Aber Gesetze sind bekanntlich dafür da, sie zu ändern. Im Koalitionsvertrag von 2023 hielten die Regierungsparteien CDU und SPD fest: „Es bedarf angesichts der zugespitzten Wohnungsnot seit dem Volksentscheid 2014 einer neuen Debatte über die Zukunft des Tempelhofer Feldes. Mit einem internationalen Wettbewerb wird der Senat die Möglichkeiten einer behutsamen Randbebauung in begrenzten Teilen der Fläche ausloten.“ Nur produzierte dieser Wettbewerb Kollhoff und Nöfer zufolge keine erfolgversprechenden Ergebnisse. Wie sieht also ihre Zauberformel aus?
Die Antwort: Klassische Blockrandstruktur nach gründerzeitlicher Couleur einmal ringsum um das Feld. 21.400 Wohnungen für etwa 50.000 Menschen sollen in den sechsgeschossigen Gebäuden möglich sein, 30 Prozent davon gefördert. Dazu kommen 10 Prozent Gewerbeflächen in den Sockelgeschossen und 15 Prozent öffentliche Einrichtungen wie Kitas oder Schulen. Dieser bebaute Saum – bis hin zum einstigen Taxiway – würde etwa ein Drittel der heutigen 300 Hektar großen Freifläche einnehmen. Die übrigen 200 Hektar in der Mitte wollen die Architekten, begrenzt durch eine umlaufende Promenade, in eine Stiftung überführen und so dauerhaft vor Bebauung schützen.
Minimalkonsens urbanen Hausbaus
Kollhoff und Nöfer verweisen auf Vorbilder Berliner Quartiere wie Schillerkiez oder Bergmannkiez. Das Berliner Stadthaus lasse die unterschiedlichsten Formen gemeinschaftlichen Lebens zu und sei sowohl als Eigentum, zur Miete und öffentlich gefördert möglich. Ein paar Spielregeln für diese „Rückbesinnung auf die einzigartige Tradition des Berliner Stadtbaus seit James Hobrecht“ haben die Architekten sogleich mit aufgestellt: vorgegebene Firsthöhe, Bautiefe, solide (monolithische) Bauweise, Gliederung mit Sockel und Traufe, Fassaden in Weißtönen … Hausnummern auf Emailschildern mit blauer Schrift auf weißem Grund. All das habe sich als Minimalkonsens urbanen Hausbaus bewährt.
Sogar so erprobt – oder konventionell –, dass es „keiner weiteren städtebaulichen oder architektonischen Wettbewerbe“ bedürfe, weil man weiß, wie es wird. Entsprechend könne der Bau in bereits zwei Jahren beginnen, in sechs die ersten Wohnungen bezugsfertig sein. Bauen könnten öffentliche Gesellschaften, Genossenschaften oder auch die Privaten, so Nöfer und Kollhoff. Wichtig ist ihnen die Kleinteiligkeit. Insgesamt lägen die Investitionskosten bei rund neun Milliarden. In den drei Finanzierungsmodellen, die sie zum Entwurf vorlegen, rechnen sie mit Baukosten von 3.800 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche. Würde das Land Berlin sämtliche 21.400 Wohnungen vermieten, müsste es 1,8 Milliarden Euro Eigenkapital in das Vorhaben stecken, so das erste Modell.
In den zwei anderen Finanzierungsoptionen zeigen die Architekten aber auch den teilweisen Vorabverkauf der Wohnungen auf – zu 30 bzw. 50 Prozent. Letzteres würde vier Milliarden in die Landeskassen spülen. Ein solcher Verkauf von Grundstücken aus dem Landesbesitz fasst man in Berlin allerdings aus bekannten und guten Gründen seit Jahren nur in Ausnahmen an.
Keine Alternativen?
Wieso wollen Kollhoff, Nöfer, Djadda und der Berliner Senat um den regierenden Bürgermeister Kai Wegner (CDU) und Stadtentwicklungssenator Christian Gaebler (SPD) überhaupt das Tempelhofer Feld bebauen, wenn es doch per Volksentscheid und Gesetz ausgeschlossen ist. Alle Beteiligten argumentieren mit der zugespitzten Lage auf dem Wohnungsmarkt. Im Berliner Stadtentwicklungsplan Wohnen 2040 heißt es, in der Stadt werden bis dahin 222.000 neue Wohnungen benötigt. Das gleiche Dokument weist bereits Potenzialflächen für 249.000 Wohnungen aus, im Bestand und in neuen Stadtquartieren wie der Europacity, dem Schumacher Quartier oder der Neuen Mitte Tempelhof. Das Tempelhofer Feld ist darin nicht gelistet. Stattdessen wird dieses laut SenStadt als Teil der Flächenvorsorge betrachtet, die weitere 50.000 Einheiten beträgt.
Laut einer – ebenfalls am Mittwoch – veröffentlichten Umfrage der Industrie- und Handelskammer befürwortet inzwischen eine Mehrheit von 59 Prozent der Berliner*innen eine maßvolle Bebauung am Rand des Tempelhofer Feldes, solange die mittige Fläche frei bleibt. Durchgeführt wurde die Erhebung vom Meinungsforschungsinstitut Insa consulere Anfang April unter 1.000 Personen ab 16 Jahren (zum Vergleich: beim Volksentscheid stimmten über 1,1 Millionen ab). Eingebettet war die Frage in eine generelle Einschätzung der Bürger*innen zum Wohnungsmarkt und was sie von innerstädtischer Nachverdichtung halten. Andere bebaubare Flächen wurden allerdings nicht abgefragt, lediglich das Tempelhofer Feld. In vier Monaten sind übrigens Wahlen in Berlin.
Kollhoff und Nöfer verweisen auf Vorbilder Berliner Quartiere wie Schillerkiez oder Bergmannkiez. Das Berliner Stadthaus lasse die unterschiedlichsten Formen gemeinschaftlichen Lebens zu und sei sowohl als Eigentum, zur Miete und öffentlich gefördert möglich. Ein paar Spielregeln für diese „Rückbesinnung auf die einzigartige Tradition des Berliner Stadtbaus seit James Hobrecht“ haben die Architekten sogleich mit aufgestellt: vorgegebene Firsthöhe, Bautiefe, solide (monolithische) Bauweise, Gliederung mit Sockel und Traufe, Fassaden in Weißtönen … Hausnummern auf Emailschildern mit blauer Schrift auf weißem Grund. All das habe sich als Minimalkonsens urbanen Hausbaus bewährt.
Sogar so erprobt – oder konventionell –, dass es „keiner weiteren städtebaulichen oder architektonischen Wettbewerbe“ bedürfe, weil man weiß, wie es wird. Entsprechend könne der Bau in bereits zwei Jahren beginnen, in sechs die ersten Wohnungen bezugsfertig sein. Bauen könnten öffentliche Gesellschaften, Genossenschaften oder auch die Privaten, so Nöfer und Kollhoff. Wichtig ist ihnen die Kleinteiligkeit. Insgesamt lägen die Investitionskosten bei rund neun Milliarden. In den drei Finanzierungsmodellen, die sie zum Entwurf vorlegen, rechnen sie mit Baukosten von 3.800 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche. Würde das Land Berlin sämtliche 21.400 Wohnungen vermieten, müsste es 1,8 Milliarden Euro Eigenkapital in das Vorhaben stecken, so das erste Modell.
In den zwei anderen Finanzierungsoptionen zeigen die Architekten aber auch den teilweisen Vorabverkauf der Wohnungen auf – zu 30 bzw. 50 Prozent. Letzteres würde vier Milliarden in die Landeskassen spülen. Ein solcher Verkauf von Grundstücken aus dem Landesbesitz fasst man in Berlin allerdings aus bekannten und guten Gründen seit Jahren nur in Ausnahmen an.
Keine Alternativen?
Wieso wollen Kollhoff, Nöfer, Djadda und der Berliner Senat um den regierenden Bürgermeister Kai Wegner (CDU) und Stadtentwicklungssenator Christian Gaebler (SPD) überhaupt das Tempelhofer Feld bebauen, wenn es doch per Volksentscheid und Gesetz ausgeschlossen ist. Alle Beteiligten argumentieren mit der zugespitzten Lage auf dem Wohnungsmarkt. Im Berliner Stadtentwicklungsplan Wohnen 2040 heißt es, in der Stadt werden bis dahin 222.000 neue Wohnungen benötigt. Das gleiche Dokument weist bereits Potenzialflächen für 249.000 Wohnungen aus, im Bestand und in neuen Stadtquartieren wie der Europacity, dem Schumacher Quartier oder der Neuen Mitte Tempelhof. Das Tempelhofer Feld ist darin nicht gelistet. Stattdessen wird dieses laut SenStadt als Teil der Flächenvorsorge betrachtet, die weitere 50.000 Einheiten beträgt.
Laut einer – ebenfalls am Mittwoch – veröffentlichten Umfrage der Industrie- und Handelskammer befürwortet inzwischen eine Mehrheit von 59 Prozent der Berliner*innen eine maßvolle Bebauung am Rand des Tempelhofer Feldes, solange die mittige Fläche frei bleibt. Durchgeführt wurde die Erhebung vom Meinungsforschungsinstitut Insa consulere Anfang April unter 1.000 Personen ab 16 Jahren (zum Vergleich: beim Volksentscheid stimmten über 1,1 Millionen ab). Eingebettet war die Frage in eine generelle Einschätzung der Bürger*innen zum Wohnungsmarkt und was sie von innerstädtischer Nachverdichtung halten. Andere bebaubare Flächen wurden allerdings nicht abgefragt, lediglich das Tempelhofer Feld. In vier Monaten sind übrigens Wahlen in Berlin.
Berliner Baupolitik
Tempelhofer Feld
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Berlin war das Machtzentrum, von dem zwei Weltkriege ausgegangen sind. In früheren Zeiten wurden Friedensverträge durch Austausch von qualifizierten, renommierten, meist adligen Menschen besiegelt, die dann beim ehemaligen Gegner Wohnung bezogen, in dessen Dienste traten und letztlich in gemischten Ehen dieses Bündnis genetisch besiegelten. Wenn nationale Strömungen in Europa wieder Aufwind bekommen, steht ja durchaus die Gefahr im Raum, dass antiquierte Animositäten wieder aufbrechen. Berlin wurde groß, auch durch Ansiedlung von französischen Hugenotten. Berlin heute, lebt stark von europäischen Einwanderern. Als Flughafen, war das Feld Jahrzehnte ein Tor zur Welt. Wir können aus dem Tempelhofer Feld ein europäischen Projekt machen. Wir lassen einzelne Straßen ausschließlich von französchen, italienischen, spanischen, schweizerischen oder dänischen Architekten gestalten, und vermieten oder verkaufen diese Häuser gezielt an diese Nationalitäten: Tempelhof als Tafelrunde. Eine Mischung findet ja ohnehin statt, aber ein Lateineuropakiez, Slavenkiez oder Skandikiez hätten eine Identität, ein Narrativ, sie wären eine Einladung an, ein Bekenntnis zu Europa und ein kleines Stück Vielfalt im gesellschaftlichen, nicht rein individualistischen Sinne. Über ein kleines Stück Heimat würden sich viele Expats vermutlich dann doch freuen. Vielleicht zieht so ein Habitat auch ein paar weniger exzentrische Gestalten an, die sich sonst nicht in diese grobe Teutonenmetropole getraut hätten.
So wie Schröder mit der SPD die, von Vielen als notwendig befundene Agenda 21 umsetzen konnte, so kann ja vielleicht gerade die Linke eine Randbebauung umsetzen. Nicht als Kapitalakkumulationsobjekt für internationale Investoren, sondern als Entwicklungsprojekt für die Stadt und ihre Bewohner und solche die es werden wollen.
Es gibt viele junge Architekturbüros, die gerne etwas bauen würden und dafür vermutlich auch nicht viel verlangen. Innerhalb klarer Vorgaben könnte auch nicht viel schief gehen, und gebaut werden, kann es ja dann doch wieder von einzelnen großen Generalunternehmen. Wir können den Wettbewerb des Jahrhunderts veranstalten, ein Fest europäischer Baukultur, mit 500 Siegerentwürfen, die alle gebaut werden.
Ist in irgendwelchen Highrisebuildings schonmal Kunst oder Subkultur gediehen, von verschnöselten Rooftopbars mal abgesehen? Kultur braucht menschliches Maß, die Offenheit der Straße, Nachbarn, kurze Wege, Grün und Ruhe. Für zwei gemütliche Parks in großstädtischem Format, für ein Wahrzeichen im Landkartenformat, für einen klassischen Berliner Kiez.
Auf dem Tempelhofer Feld kommt man nicht zur Ruhe, da von Ringbahn und Tempelhofer Damm Verkehrslärm über das Feld weht. Eine Randbebauung als Lärmschutz, würde die Aufenthaltsqualität auf dem Feld sogar steigern.
Beliebt ist vor allem das Areal im Osten, der Streifen am Schillerkiez, auf Neuköllner Boden. Hier ist es ruhig, hier sind Spätis und Eisdielen nicht weit, das Feld ist kleinteilig strukturiert, von Kleingärten, Sportflächen, Spielplätzen. Ließe man den Streifen als Park, würde er als grünes Band die Hasenheide mit dem Anita-Berber-Park verbinden. Die allermeisten Nutzer würden lediglich etwas Ausblick verlieren, ihren Garten, ihren Grill-, Skate-, oder Spielplatz aber behalten.
Die Aversion gegen Bebauung speist sich aus antikapitalistischem Misstrauen, und der Ablehnung des Städtebaus der letzten Jahrzehnte. Kapitalakkumulation und Architekturdiskurs fanden woanders statt, und hatten mit dem Ort und seinen Bewohnern oft wenig Berührungspunkte.
Die wunderbare Gründerzeitarchitektur des nördlich angrenzenden Bergmannkiez ist eine hervorragende Referenz. Kleinteilige Blockrandbebauung, die Geschosse von außen klar ablesbar an Fenstern und Gesimsen, die Häuser mit Sockel, Schaft und Krone. Innerhalb eines einheitlichen, schlichten Ensembles aus Steinfassaden, kommen dann einzelne Experimente aus Glas oder Metall sogar noch besser zur Geltung und können belebende Farbtupfer sein.
Gewissermaßen als Gegenthese zum rechteckigen Central Park in New York.
Das Areal angrenzend an Schillerkiez/Neukölln, auf dem sich 80% der Besucher aufhalten, bleibt ein Grünstreifen, der Hasenheide mit Anita-Berber-Park verbindet.
Alle wären zufrieden, schwöre.
Es gab einen Wettbewerb mit 164 Beiträgen. Es ist befremdlich, mit welcher Arroganz sich diese beiden Architekten über demokratische Prozesse hinwegsetzen und ihre eigenen "Lösungsvorschläge" als "alternativlos" bezeichnen. Diese lösen zwar ganz sicher "Begeisterung aus ... allerdings vor allem bei den Investoren!
Berlin hat mit dem Tempelhofer Feld eine einmalige Freifläche inmitten der Stadt mit einem historischen Kontext und einer vielfältigen Nutzung. Das gilt es zunächst zu erhalten.
Wenn eine "Randbebauung" tatsächlich mehrheitsfähig sein sollte - was in einem neuen Volksentscheid zu klären wäre und nicht über ungefragte Entwürfe und "Umfragen" - dann sollte der Umfang der Bebauung dabei gleich mit entschieden werden und dann - mit deutlich präziseren Vorgaben - ein neuer Städtebaulicher Ideenwettbewerb ausgelobt werden.
Das ist die einzige in einer Demokratie statthafte Vorgehensweise und dabei sollte eines klar sein: Das ständige Hinterzimmergemauschel von Regierung und Investoren haben die Berlinerinnen und Berliner genauso satt wie die Untätigkeit beim Wohnungsbau im Rest der Stadt, wo es genügend Flächen für Wohnungsbau gäbe - wenn man sich denn mal konkret damit befassen würde.