Im Dazwischen des Archipels
Büro- und Veranstaltungsgebäude in São Paulo von Estúdio Gustavo Utrabo
Das Stadtviertel Vila Leopoldina im Westen von São Paulo befindet sich seit Jahren im Wandel. Vom ehemaligen sumpfigen Rand- und Industriegebiet entwickelt es sich zunehmend in eine urbane Gegend mit Wohnhochhäusern, Kreativfirmen, Restaurants und kulturellen Nutzungen. Ein Paradebeispiel dafür ist das Projekt Arquipeo – ein Komplex mit Co-Working-Spaces, Auditorium, Gastronomie, Gemeinschaftsbereichen sowie Flächen für Ausstellungen und Veranstaltungen. Entworfen wurde das Ensemble vom ortsansässigen Estúdio Gustavo Utrabo im Auftrag der Brookfield Properties für den Marketing- und Kommunikationskonzern WPP.
Viele der ehemaligen Fabrikhallen in Vila Leopoldina wurden abgerissen oder umgenutzt. Gleichzeitig bleibt der Stadtteil fragmentiert: Neben Luxusprojekten bestimmen weiterhin Lagerhallen, informelle Siedlungen und hochwassergefährdete Flächen das Bild. Die Architekt*innen beschreiben diesen Zustand als ein „Dazwischen“ und wollen das Projekt als Reflexion über zeitgenössische Stadt sowie über das Verhältnis von Kultur und Natur, Handwerk und Industrialisierung verstanden wissen. Architektonisch übersetzen sie dies in ein Ensemble aus miteinander verbundenen Volumen, offenen Freiräumen und gemeinschaftlichen Nutzungen. Auch der Name Arquipeo – abgeleitet vom französischen archipel – knüpft daran an. Und wer mag, darf an Neo-Strukturalismus denken.
Das Ensemble befindet sich auf einem Eckgrundstück nahe dem Zusammenfluss der beiden Flüsse Tietê und Pinheiros und umfasst mehr als 57.000 Quadratmeter vermietbare Fläche. Die Räume sind über Passerellen, Terrassen, Treppen und gemeinschaftliche Bereiche miteinander verbunden. Hinzu kommt eine Dachebene mit über 7.000 Quadratmetern Fläche. Drei der gestaffelt angeordneten fünf Etagen werden von WPP genutzt, die übrigen sollen an weitere Mieter vergeben werden.
Die Konstruktion greift das Spannungsfeld zwischen Handwerk und Industrialisierung auf. Die vorgefertigte Betonstruktur kombiniert standardisierte Elemente wie Stützen und Träger im Raster von 11,25 Metern mit aussteifenden Betonwänden. Letztere wurden auf Sandbetten gegossen, sodass auf den Oberflächen bewusst unregelmäßige, handwerklich wirkende Strukturen entstehen. Die Tragstruktur ermöglicht flexible Grundrisse sowie großzügige Terrassen, Innenhöfe und Verbindungswege zwischen den Gebäudeteilen.
Ein perforierter Metallvorhang legt sich um die Fassade und schafft Übergangszonen zwischen Innen- und Außenraum. Offene Wege, erhöhte Ebenen und durchlässige Freiräume reagieren auf die Hochwassergefahr des Standorts. Eine zentrale Rolle spielt die Landschaftsarchitektur mit mehr als 5.000 Quadratmetern Grünfläche und 115 einheimischen Pflanzenarten des Atlantischen Regenwalds. (dsm)
- Fertigstellung:
- 2024
- Architektur:
- Estúdio Gustavo Utrabo
- Landschaftsarchitektur:
- Raul Pereira Arquitetos Associados
- Ausführung:
- Pura Arquitetura
- Tragwerksplanung:
- CMA Engenharia / Consultrix Engenheiros Associados
- Team:
- Gustavo Utrabo, Fernanda Britto, Bárbara Francelin, Vito Macchione, Gustavo Ziviani, Luiz Felipe Sakata, Augusto Longarine, Beatriz Rocha, Ana Mulky, Felipe Klinger, Julia Park, Thiago Zati, Francisco Lucas Costa, Clara Varandas, Gabriela Sad, Ana Luisa Liesegang, Julia Frenk, Michael Guggenheim, Tancrede Prunier, Gabriel Dias, Mae Smith, Keith Wiley, Giulia Mirabella, Maia Bexkens, Bruna Moreira.
- Bauherrschaft:
- WPP Group and Brookfield
- Fläche:
- 68.911 m²









Das tiefe Brummen des Raums, der Leere, wie das OM der Buddhisten. Auch Parkhäuser können das. Einfach mal hinhören.