Fünf Küchen statt Speisesaal
Wohnstätte in Göppingen von UTA Architekten
Am Fuß der Burg Hohenstaufen haben UTA Architekten (Stuttgart) ein Wohnhaus für 24 Menschen mit Behinderung fertiggestellt. Das Gebäude liegt im gleichnamigen Teilort der Kreisstadt Göppingen, am Übergang zum Filstal. Der überwiegend in Holzbauweise errichtete Neubau ersetzt ein ehemaliges Freizeitheim, das seit knapp 30 Jahren als Wohnstätte genutzt worden war.
Ein großer Speisesaal, kleine, für die Gästeunterbringung konzipierte Zimmer, lange Flure – das Marie-Knauß-Heim entsprach aufgrund mangelnder Barrierefreiheit nicht den Anforderungen der Landesheimbauverordnung. Die Betriebserlaubnis lief aus. Der Träger, die Diakonie Stetten, entschied sich für einen Neubau an gleicher Stelle, auch weil die Bewohnenden über die Jahrzehnte Teil des Ortslebens geworden sind, beispielweise durch Engagement bei der Freiwilligen Feuerwehr.
Auf dem Grundstück in Hanglage entstanden zwei zueinander versetzte Baukörper: ein zweigeschossiger Nord- und ein ein- bis zweigeschossiger Südteil, verbunden über Erd- und Untergeschoss. Innenwände und Decken sind aus sichtbarem Brettsperrholz, die verputzten Außenwände in Holzrahmenbauweise ausgeführt. Lediglich erdberührte Teile und das Treppenhaus bestehen aus Stahlbeton. Begrünte Dächer, Photovoltaik und Luft-Luft-Wärmepumpen ergänzen das Energiekonzept.
Die fünf Wohngemeinschaften – drei für sechs, zwei für drei Personen – sind als Raumfolgen mit offener Küche, Essbereich und gemeinsamem Wohnraum organisiert. Je zwei bis drei Menschen teilen sich ein Bad, vier Zimmer verfügen über ein eigenes. Bodentiefe Fenster öffnen die Aufenthaltsräume nach Süden ins Tal. Büros für die Mitarbeitenden im Erdgeschoss sowie Wirtschafts-, Personal- und Technikräume im Untergeschoss ergänzen das Raumprogramm. Ein zentrales Treppenhaus mit Aufzug sichert die Barrierefreiheit nach DIN 18040. Das hauswirtschaftliche Konzept setzt auf Selbstversorgung vor Ort.
Der Außenraum wurde als naturnaher Garten mit zurückhaltenden Eingriffen gestaltet. Jede Wohngemeinschaft erhielt eine eigene, südorientierte Terrasse; ein Steg vom Obergeschoss erschließt den Garten zusätzlich. Grillplatz und Spielbereich blieben erhalten.
Die Lage am Ortsrand reproduziert ein räumliches Muster, das Wohnangebote für Menschen mit Behinderung an die Peripherie rückt. Dass hier dennoch Teilhabe entsteht, ist einer Bürgerschaft zu verdanken, die sich aktiv für den Verbleib eingesetzt hat. (kms)
- Fertigstellung:
- 2026
- Architektur:
- UTA Architekten
- Team:
- Sigrid Müller-Welt, Dominique Dinies, Lisa Beuchle, Lars Neuendorf, Anne-Catherine Dietz, Anna Jaimes Camargo
- Bauleitung:
- Ohlf Schoch Architekten
- Tragwerksplanung:
- sbp schlaich bergermann partner
- Bauphysik:
- GN Bauphysik
- Auftraggeberin:
- Diakonie Stetten
- Fläche:
- 1.455 m² Bruttogrundfläche





