Filmtipp: Architektinnenportrait
Barbara Buser. Pionierin der Nachhaltigkeit
Die Basler Architektin und Unternehmerin Barbara Buser ist längst ein großer Name im Architekturgeschehen. Als „Nachhaltigkeitspionierin“ und „Stadtentwicklerin“ hat man sie bezeichnet, als „Wiederverwenderin“ und „Gegenmodell zur Stararchitektur“. Seit Jahrzehnten ist die heute 72-Jährige mit einer Vision unterwegs, die inzwischen vielen als Vorbild dient. Das Schweizer Bundesamt für Kultur verlieh ihr dafür den Meret Oppenheim Preis, britische Zeitschriften zeichneten sie mit dem Jane Drew Preis aus. Und auch die Industrie ehrte ihr Werk mit dem Holcim Award.
Ihr Name taucht auf, wenn es um Wiederverwendung, Bauteilbörsen und die gemeinwohlorientierte Transformation von Schweizer Industriearealen geht. Er ist verbunden mit dem Gundelinger Feld in Basel, das sie zum Stadtquartier entwickelte, dem ELYS in Basel und dem K118 in Winterthur. Über die Jahre hat Barbara Buser mehrere Unternehmen gegründet, neben baubüro in situ gehören unterdessen, spezialisiert auf Zwischennutzungen, Denkstatt sárl vor allem für Arealentwicklung und zirkular für zirkuläres Bauen dazu. Wie sie tickt, wo sie herkommt und was ihren Tag füllt, erzählt nun der Film Barbara Buser – Pionierin der Nachhaltigkeit. Ab heute läuft er in den deutschen Kinos.
Regisseurin Gabriele Schärer zeichnet das Portrait einer Frau, die beharrlich ihrer Überzeugung folgt. Sich an die Gegebenheiten anpassen, die Kraft der Gemeinschaft nutzen, das Alte pflegen, das hat Barbara Buser früh gelernt. Mit Hilfe alter Fotos erzählt Schärer vom Aufwachsen auf einem Bauernhof, der Zeit in Südsudan und Tansania, von der Familiengründung und der Geburt ihrer Tochter Anna Buser, dem Rückzug nach Europa.
Munter wechselt der Film zwischen den Kraftstationen ihres Lebens und ihren beruflichen Wirkungsstätten hin und her: von der Rheinfähre zum Gundelinger Feld, vom Segeln auf den Lagerplatz in Winterthur, von der Basler Markthalle an den Küchentisch und zurück auf den See. Er zeigt sie beim Fenster kitten und Fahrrad fahren, beim Boot schleifen und Pflanzen schneiden.
Buser entdeckt Potenziale, entwickelt Nutzungskonzepte, überzeugt Menschen und Geldgeber wie die Stiftung Abendrot und die Edith Maryon Stiftung. Scheinbar mühelos behauptet sie sich in einem Berufsfeld, das zumindest in der Schweiz noch immer von Männern dominiert ist. Ihr Rollenverständnis wird deutlich, wenn sie erklärt, warum Recycling ein männliches Prinzip ist, oder wenn sie über den Begriff „Rendite“ spricht. Stadtrendite statt Investorenrendite, sagt Buser. Der Boden soll dem Staat gehören. Häuser dürfen keine Geldanlage sein. Ihr Wert solle allen zugute kommen, im Sinne einer bunten, fröhlichen Stadt.
Wie sich diese Stadt in ihren Projekten darstellt, bleibt im Film jedoch auf Kamerafahrten durch die umgebauten Industriehallen und transformierten Areale beschränkt. Kontroverse Positionen oder Momente der Ambivalenz finden keinen Raum. Zu Wort kommen ausschließlich Mitstreiter*innen und Familienmitglieder. Allen voran ihr Geschäftspartner und Sohn ihres Mannes Eric Honegger. Mit ihm hat sie als Nachfolgeregelung die einzelnen Unternehmen inzwischen in eine Genossenschaft überführt, an der Mitarbeiter*innen nach zwei Jahren Anteile erwerben können.
Dieser Film kommt zur richtigen Zeit: für die Debatte um das Gemeinwohl in den Städten, für das zirkuläre Bauen und das sich verändernde Rollenverständnis in der Architektur. Barbara Buser hat in ihrem Leben frühzeitig Antworten gefunden, die heute als Vorbild dienen. Ihre Geschichte zeigt, welchen Weitblick und Vertrauen Prozesse brauchen, damit Neues entsteht. An einen Ruhestand, auch das vermittelt der Film, ist bei ihr nicht zu denken. Jetzt geht es mit dem Franck Areal in Basel weiter.
Text: Friederike Meyer
Barbara Buser. Pionierin der Nachhaltigkeit
Regie: Gabriele Schärer
Mit Barbara Buser, Eric Honegger, Daniel Glauser, Valérie Waibel, Laia Sofia Meier, Andreas Ruby, Marc Angst, Anna Buser
Dokumentarfilm, Schweiz 2026
118 Minuten
mindjazz-pictures.de
Heute startet der Film in den deutschen Kinos.
Hier geht’s zum Podcasttipp, hier zur BauNetz WOCHE#692 über Lernende Planung und die Arbeit von Denkstatt sárl und hier zur BauNetz WOCHE#589 mit einem Portrait von Zirkular.





