Farbenfroh engagiert
Betreutes Wohnen in Berlin von Modersohn & Freiesleben
Der Verein Sozialdienst katholischer Frauen hilft seit über 100 Jahren Frauen und Mädchen in schwierigen Lebenslagen sowie Menschen mit Behinderung. Anfang des Jahres stellte das Berliner Büro Modersohn & Freiesleben im Norden der Hauptstadt einen Neubau für den Frauenverband fertig, der Wohn- und Aufenthaltsräume für Menschen mit Assistenzbedarf aufnimmt.
Der Neubau steht auf einem Campus, auf dem auch eine Einrichtung der Jugendhilfe sowie — in einer denkmalgeschützten Villa — die Geschäftsstelle des Vereins verortet sind. Ein ebenfalls unter Denkmalschutz stehender Backsteinbau aus dem 19. Jahrhundert und dessen Erweiterung aus den 1990er Jahren beherbergen weitere Wohnangebote. Nach knapp zwei Jahren Bauzeit schafft der Neubau auf 2.550 Quadratmetern Bruttogrundfläche 21 Wohneinheiten sowie eine Tagesstruktur für circa zwanzig Menschen.
Ein massiv gemauerter Sockel bildet das Erdgeschoss und beherbergt die Beschäftigungs- und Förderbereiche der Tagesgäste. Darauf sitzt ein dreigeschossiger Holzbau aus vorgefertigten Elementen. Hier leben die Bewohner*innen individuell in Zimmern mit Bad, die wiederum als kleine Wohngemeinschaften mit Küche und Balkon organisiert sind. Ein Snoezelraum, Gemeinschaftsbereiche, Verwaltungsflächen, Pflegebäder und weitere Nebenräume ergänzen das Programm.
Kräftige Farben und verschiedene Materialien prägen die Hülle des Hauses. Das Erdgeschoss erhielt einen rauen Außenputz, dessen Grünton sich in den Fensterrahmen wiederholt. Die überdachten Eingangsbereiche sind durch Relieffliesen markiert. Rot lasierte Holzbretter bilden die Fassade der Obergeschosse, gegliedert durch Schürzen aus ebenfalls roten Eternit-Wellplatten, die dem Brandschutz dienen und den außenliegenden Sonnenschutz der Fenster aufnehmen.
Im Innenraum verwendeten die Architekt*innen Terrazzo in den Treppenhäusern und Linoleum in den Fluren und Wohneinheiten. Um die Kosten im Rahmen zu halten, beschränkten sie die Auswahl der verwendeten Materialien auf serielle Industrieprodukte. So werden die Baukosten für die Kostengruppen 300 und 400 mit rund 6,7 Millionen Euro angegeben. Die Außenflächen, geplant von Locodrom Landschaftsarchitekten (Berlin), sind aktuell noch nicht fertiggestellt. Die Ausführung übernimmt ein Werkstattbetrieb, der als Teil des Sozialdienstes katholischer Frauen auch Bewohner*innen des Campus beschäftigt. (sbm)
Fotos: Sebastian Schels
Das Wohnhaus ist Teil der aktuellen Werkbund-Ausstellung „Atlas des Gemeinsamen“ in Berlin.
Zuletzt stellte das Büro auch eine Wohnanlage im Berliner Westen sowie ein Einfamilienhaus im nordhessischen Dorf Netra fertig.
auf den ersten blick wirkt es auf mich eher wie eine sanierung bei der die fassade aufgedoppelt wurde. mir persönlich ist das alles ein wenig zu unruhig, weil es ein wenig durcheinandergewürfelt daherkommt. farbigkeit in der architektur finde ich gut, dennoch wirkt das rot auf dem hellen grün schwer und disharmonich. schräge welleternitplatten? muss das sein? wirkt wie die pseudomansarddächer bei garagen. mir gefallen sehr die schrägen deckenausführungen innen und das lichtband.
Gratulation!
"Die Farbgebung (...) passt aber wieder zu Möglichkeitsrahmen der Ausführbarkeit/Bezahlbarkeit und ist m.E. schlau gelöst". was hat Farbgebung mit diesen Schlagwörtern zu tun?