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28.10.2020

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Erweitert und an den Boulevard gerückt

Wettbewerb zur Komischen Oper Berlin entschieden


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Nachdem die Berliner Staatsoper Unter den Linden nach sieben Jahren Sanierung 2017 wiedereröffnet wurde, ist nun die Komische Oper gleich in der Nähe mit einer Generalüberholung an der Reihe. Das ist auch dringend nötig. Die bühnentechnische Ausstattung basiert auf dem Stand des Wiederaufbaus Mitte der 1950er Jahre und der Erstausstattung der 1960er Jahre. 227 Millionen Euro hat der Berliner Senat für die Sanierung und Erweiterung um einen Funktionsbau veranschlagt. Gestern wurde das Ergebnis des im Dezember 2019 ausgelobten, offenen zweiphasigen Realisierungswettbewerbs verkündet.

Vier große Herausforderungen steckten in der Wettbewerbsaufgabe, sagte Senatsbaudirektorin Regula Lüscher auf der gestrigen Pressekonferenz. Erstens solle die Solitärwirkung des Bestands aus den 1960er Jahren erhalten bleiben. Zweitens solle das Opernhaus, das sich bislang ausschließlich zur Behrensstraße orientiert, mit dem neuen Funktionsbau für Probenräume, Café und Büros nun auch eine Adresse zur Straße Unter den Linden erhalten. Drittens müssten die 15.000 Quadratmeter zusätzliche Fläche auf einem kleinen schmalen Grundstück an der Glinkastraße untergebracht werden und viertens sollten alle drei Zeitschichten – der alte Saal von 1892, der Teil aus den 1960er Jahren und der Neubau erkennbar bleiben und eine Einheit erzeugen.

63 Büros hatten für die erste Phase eingereicht. 16 Arbeiten waren zur weiteren Bearbeitung der zweiten Phase ausgewählt worden. Nach zweitägiger Sitzung Ende Oktober vergab das Preisgericht unter Vorsitz von Stefan Behnisch drei Preise und drei Anerkennungen.

  • 1. Preis kadawittfeldarchitektur (Aachen), Wh-p Beratende Ingenieure (Berlin), Ingenieurbüro Nordhorn (Münster)

  • 2. Preis Baumschlager Eberle (Berlin), Ingenieurbüro Liebert Versorgungstechnik (Berlin)

  • 3. Preis AFF (Berlin) und Topotek 1 (Zürich), Schnetzer Puskas Ingenieure (Basel), Buro Happold Limited (Bath)

  • Anerkennung JSWD Architekten (Köln), Gina Barcelona Architects (Barcelona), Werner Sobek (Stuttgart), ZWP Ingenieur-AG (Köln)

  • Anerkennung OMA International (Rotterdam), Buro Happold (Berlin)

  • Anerkennung gmp (Berlin), Pfeifer Interplan (Cottbus)



Der Siegerentwurf setzt auf einen plastisch gegliederten und in seiner Materialisierung differenzierten Gebäudekörper mit Vor- und Rücksprüngen, hinter denen Café und Tageskasse, eine Probebühne und der Orchesterprobenraum sowie das Mitarbeiterrestaurant liegen. Die Anordnung der Funktionen fand die Jury ebenso überzeugend wie die Gestaltung der Tageskasse an Unter den Linden. Der Entwurf weise eine hohe Sinnlichkeit auf, heißt es in der Beurteilung. Lobenswert sei zudem die Vielzahl der öffentlichen Orte – der Vorplatz an Unter den Linden, die Außenräume entlang der Glinkastraße, der erweiterte Straßenraum an der Behrenstraße und die beiden Terrassen für Mitarbeiter*innen und Besucher*innen.

Der Wettbewerb war bereits der zweite Anlauf des Senats, geeignete Planer*innen für den Opernhausumbau zu finden. Wegen eines Verfahrensfehlers war der nicht offene Realisierungswettbewerb, für den unter anderem David Chipperfield, OMA, John Pawson, Snoehetta und Nieto Sobejano gesetzt waren, Ende 2019 für ungültig erklärt worden. Stefan Braunfels, der Architekt der Foyerumgestaltung 2005, hatte das Verfahren wegen Ungleichbehandlung gerügt und von der Vergabekammer des Landes Berlin Recht bekommen.

Im nächsten Schritt wird der Auftraggeber nun mit den drei Preisträgern über die Beauftragung der Generalplanerteams verhandeln. Ende 2023 zieht die Komische Oper aus, voraussichtlich in ihr Ausweichquartier im Schillertheater. Dann kann mit den Baumaßnahmen begonnen werden. (Heinrich Geißendörfer / fm)


Zum Thema:

Wegen den aktuellen Maßnahmen zur Corona-Bekämpfung konnten die Arbeiten bisher nicht öffentlich ausgestellt werden. Eine anderweitige Präsentation ist aber geplant.

Für viele Theater und Opern stellt sich gerade die Zukunftsfrage. Mehr dazu in der BAUNETZWOCHE#559 „Baustelle Oper“.


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Kommentare

14

tiffys | 04.11.2020 09:39 Uhr

intrinsische motivation

das komische an dieser oper ist ja auch die transformation an diesem ort und die für ortsunkundige seltsame abgewandheit hinter lindenkonformen fassadengewändern - innen eine ganz andere welt... mir gefallen die profanen boxen von kadaw. nicht sonderlich. der annex in der seitenstraße hätte die möglichkeit haben dürfen, das komische an diesem ort fantastisch werden zu lassen...

wo wenn nicht hier hätte f.gehry zeigen können, was architektur nicht muss, sondern kann?

13

d.teil | 31.10.2020 15:48 Uhr

Definitiv.....

....hat das Preisgericht auch für mich den anscheinend besten Entwurf gekürt.
Punktum.

12

Klaus222 | 31.10.2020 11:05 Uhr

naja...

Das Gebäude könnte überall stehen in Las Vegas oder neben der Eastsidemall. Die denkmalgeschützte Oper wird total ignoriert und eine Show-Architektur davor geklatscht. Der alte Haupteingang wird unbedeutend und auch die Fassade unter den Linden erzählt nur leuchtende Ringe und Glas. Ist das das Berlin, was der Jury vorschwebt? Das Soll in einer Reihe mit Schinkel, der Staatsbibliothek und Staatsoper stehen?
Die offenen Ecken an der Straße sind vielleicht ein netter Mehrwert aber wer will sich neben einem so hohen Gebäude schon aufhalten? Die Perspektiven täuschen übrigens. Jeder der die Ecke kennt weiß, dass es dort viel enger ist..
Mir gefallen 2. und 3. wesentlich besser. Vor allem die Perspektive von AFF mit dem Blick zwischen Bestand und Neubau! Typisches Berliner Hinterhof-Gefühl!

11

STPH | 30.10.2020 16:05 Uhr

...

zum Elefantenbrei um die Linden:
Ähnlich wie Chipperfields Museumseingangsumfahrung hier eine den Blockrand vollständig zusammenfassende durchgehende aber schwebende Attika, die die Tiefenentwicklung gegenüber den Linden betont. Darunter beginnend mit vertikalem Glasfoyer. Ansonsten locker folgend darunter und ggf. auch darüber oder dahinter die Nutzungen mit Glas dazwischen.

Probeweise der 1. Preis Bild 1 und 8 mit diesem ausreichend horizontal dimensionierten davorschwebenden umlaufenden Attikastreifen ...wie die Wirkung einer barocken Kolossalordnung mit dem Architekturtheater darunter darüber.

Und die Sache hat eine ähnliche Wucht in die Tiefe, als Querraum zu den Linden wie in der gleichen Zeile die Räume um das Schloß, um die Staatsoper unter den Linden und der Pariserplatz. Und das ist ja wohl die Liga.

Diese Räume haben alle die Aufgabe die traurige Nordfassade der Straße aufzureißen. Licht in das ganze zu bringen.

10

.,- | 30.10.2020 09:48 Uhr

1.Preis

Ich finden den ersten Preis hervorragend, da er als einziger den Bestand weiterdenkt und die Aufgabe nicht einfach als eine Addition der neuen Anforderung versteht!
Ich macht daraus ein Ganzes mit tollen neuen Qualitäten für das Haus.

9

Tius | 29.10.2020 17:40 Uhr

@ Frauke

Liebe Frauke,
dass der erstplatzierte Entwurf wegen seiner Glasflächen wie eine Shoppingmall aussieht, ist Ihre Interpretation.
Tatsächlich haben die anderen Preisträger nicht weniger Glas verbaut. Sie kommen allerdings mit deutlich weniger architektonischem Spektakel aus. Sie lassen das innere "Spektakel" nach außen scheinen, anstatt alles mit einer poppigen Hülle zu übertünchen.
Tatsächlich ist der erstplazierte Entwurf eine Addition weitgehend geschlossener Kuben, nur im unteren Bereich partiel geöffnet, mit unterschiedlichen Materialien tapeziert und von einem Glasaufsatz gekrönt. Wer denkt da nicht an ein Mall mit "Luxuswohnungen" oh Top?

8

Frauke | 29.10.2020 11:06 Uhr

Offenes Haus

@Titus
was für ein oberflächlicher und formalistischer Kommentar!
Nur weil ein Gebäude eine Glasfassade hat ist es keine Shopping Mall. Der 2. und vor allem 3. Preis stehen einfach nur in der typischen Berliner Tradition Natursteinblöcke mit möglichst wenig Öffentlichkeit und stadträumlicher Qualität an die aüßerste Kante des Blockrands gdrängt zu setzen. Im 1. Preis entstehen immerhin diffferenzierte durch Cafe etc. bespielte Flächen zu Gewehg und Straßenraum. Ich hoffe sehr, das der Gewinner auch im Verhandlungsverfahren erfolgreich bleibt und Berlin Mitte von einem weiteren toten Monument verschont bleibt.

7

Jan | 29.10.2020 10:13 Uhr

Eingang

Es ist ja jetzt schon eine schwiegige eingangssizuation:
man stolpert vom engen Trottoir auf die Außentreppe (ohne ausreichend Platz vor der Eingangstür), in einen schmalen Windfang und dann quetscht man sich an der Haupttreppe vorbei zur Garderobe...

Der Siegerentwurf macht es ja noch schlimmer, indem er das Foyer an die Straßenecke legt, von welchem man seitlich! (hier schlage ich meine Hände über den Kopf) auf die Treppe stößt.

Da machen es AFF und gmp noch am besten, indem sie den Haupteingang so lassen wie er ist und ihn nicht verschlimmbessern, wie die restlichen Beiträge.

Und dem Kommentag #4 kann ich mich nur anschließen.

6

auch ein | 29.10.2020 09:02 Uhr

architekt

das stückchen transparente pasta von OMA ist ja eher nicht ernst zu nehmen...
bekommt man denn als teilnehmer auch honorar wenn man unsinnigen schrecklichen mist abgibt ????

5

Hinrich Schoppe | 28.10.2020 18:40 Uhr

So machen

kann man das.
Schwierige Gemengelage. Dafür ist es gut, und gut um die mannigfachen Ecken herumgeschnibbelt.
Immerhin - und den Zeitläufen geschuldet - darf alles,was da ist stehen bleiben und wird sogar "zurückgeführt", was auch immer das im Ergebnis heißen mag.
Die große Geste - für mich JSWD - erscheint mir natürlich verführerisch, aber vielleicht ist hier weniger mehr. Ohne gleich in so etwas Wolkiges wie AFF zu verfallen, was dann doch in realitier - und ohne Nebel - ganz anders aussieht.
Die Ausführungsqualität wird viel ausmachen, die vielen kleine Sonderlösungen, die der geneigte Laie vermutlich garnicht mitbekommt.
Ich bin positiv gespannt. Danke.

4

STPH | 28.10.2020 17:24 Uhr

Gläserne Kreuzungsecke


Um den mannigfaltigen Büroecken gewachsen zu sein und dem Format der Linden gerecht zu werden, hätte der Erste seinen Glasfoyerkopf wenigstens traufhoch feiern können.
Die Aufmerksamkeit der gesamten Kreuzung wäre ihm sicher gewesen und die einer vertikalen Zäsur ähnlich der russischen Botschaft etwas weiter. So spielt das ganze irgendwo zwischen drin mit in dieser langlatschigen Meile und nix greift über das brave Spalierstehen und biedere drunterschlupfen hinaus. Die Ecke wills.

3

karlo | 28.10.2020 16:54 Uhr

also

Sieht irgendwie komisch aus.

(sorry konnte es mir nicht verkneifen)

2

Benjamin B. | 28.10.2020 15:50 Uhr

SUPER SCHÖN

NOT

1

Tius | 28.10.2020 15:44 Uhr

Schon wieder nichts geworden...

Sieht aus wie eine Shoppingmall.
Warum landen die guten Entwürfe in Berlin immer nur auf dem 2. oder 3. Platz?

 
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1. Preis: kadawittfeldarchitektur (Aachen), Wh-p Beratende Ingenieure (Berlin), Ingenieurbüro Nordhorn (Münster)

1. Preis: kadawittfeldarchitektur (Aachen), Wh-p Beratende Ingenieure (Berlin), Ingenieurbüro Nordhorn (Münster)

2. Preis: Baumschlager Eberle (Berlin), Ingenieurbüro Liebert Versorgungstechnik (Berlin)

2. Preis: Baumschlager Eberle (Berlin), Ingenieurbüro Liebert Versorgungstechnik (Berlin)

3. Preis: AFF(Berlin) und Topotek 1 (Zürich), Schnetzer Puskas Ingenieure (Basel), Buro Happold Limited (Bath)

3. Preis: AFF(Berlin) und Topotek 1 (Zürich), Schnetzer Puskas Ingenieure (Basel), Buro Happold Limited (Bath)

Anerkennung: JSWD Achitekten (Köln), Gina Barcelona Architects (Barcelona), Werner Sobek (Stuttgart), ZWP Ingenieur-AG (Köln)

Anerkennung: JSWD Achitekten (Köln), Gina Barcelona Architects (Barcelona), Werner Sobek (Stuttgart), ZWP Ingenieur-AG (Köln)

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