Erweitert und an den Boulevard gerückt
Wettbewerb zur Komischen Oper Berlin entschieden
Nachdem die Berliner Staatsoper Unter den Linden nach sieben Jahren Sanierung 2017 wiedereröffnet wurde, ist nun die Komische Oper gleich in der Nähe mit einer Generalüberholung an der Reihe. Das ist auch dringend nötig. Die bühnentechnische Ausstattung basiert auf dem Stand des Wiederaufbaus Mitte der 1950er Jahre und der Erstausstattung der 1960er Jahre. 227 Millionen Euro hat der Berliner Senat für die Sanierung und Erweiterung um einen Funktionsbau veranschlagt. Gestern wurde das Ergebnis des im Dezember 2019 ausgelobten, offenen zweiphasigen Realisierungswettbewerbs verkündet.
Vier große Herausforderungen steckten in der Wettbewerbsaufgabe, sagte Senatsbaudirektorin Regula Lüscher auf der gestrigen Pressekonferenz. Erstens solle die Solitärwirkung des Bestands aus den 1960er Jahren erhalten bleiben. Zweitens solle das Opernhaus, das sich bislang ausschließlich zur Behrensstraße orientiert, mit dem neuen Funktionsbau für Probenräume, Café und Büros nun auch eine Adresse zur Straße Unter den Linden erhalten. Drittens müssten die 15.000 Quadratmeter zusätzliche Fläche auf einem kleinen schmalen Grundstück an der Glinkastraße untergebracht werden und viertens sollten alle drei Zeitschichten – der alte Saal von 1892, der Teil aus den 1960er Jahren und der Neubau erkennbar bleiben und eine Einheit erzeugen.
63 Büros hatten für die erste Phase eingereicht. 16 Arbeiten waren zur weiteren Bearbeitung der zweiten Phase ausgewählt worden. Nach zweitägiger Sitzung Ende Oktober vergab das Preisgericht unter Vorsitz von Stefan Behnisch drei Preise und drei Anerkennungen.
- 1. Preis kadawittfeldarchitektur (Aachen), Wh-p Beratende Ingenieure (Berlin), Ingenieurbüro Nordhorn (Münster)
- 2. Preis Baumschlager Eberle (Berlin), Ingenieurbüro Liebert Versorgungstechnik (Berlin)
- 3. Preis AFF (Berlin) und Topotek 1 (Zürich), Schnetzer Puskas Ingenieure (Basel), Buro Happold Limited (Bath)
- Anerkennung JSWD Architekten (Köln), Gina Barcelona Architects (Barcelona), Werner Sobek (Stuttgart), ZWP Ingenieur-AG (Köln)
- Anerkennung OMA International (Rotterdam), Buro Happold (Berlin)
- Anerkennung gmp (Berlin), Pfeifer Interplan (Cottbus)
Der Siegerentwurf setzt auf einen plastisch gegliederten und in seiner Materialisierung differenzierten Gebäudekörper mit Vor- und Rücksprüngen, hinter denen Café und Tageskasse, eine Probebühne und der Orchesterprobenraum sowie das Mitarbeiterrestaurant liegen. Die Anordnung der Funktionen fand die Jury ebenso überzeugend wie die Gestaltung der Tageskasse an Unter den Linden. Der Entwurf weise eine hohe Sinnlichkeit auf, heißt es in der Beurteilung. Lobenswert sei zudem die Vielzahl der öffentlichen Orte – der Vorplatz an Unter den Linden, die Außenräume entlang der Glinkastraße, der erweiterte Straßenraum an der Behrenstraße und die beiden Terrassen für Mitarbeiter*innen und Besucher*innen.
Der Wettbewerb war bereits der zweite Anlauf des Senats, geeignete Planer*innen für den Opernhausumbau zu finden. Wegen eines Verfahrensfehlers war der nicht offene Realisierungswettbewerb, für den unter anderem David Chipperfield, OMA, John Pawson, Snoehetta und Nieto Sobejano gesetzt waren, Ende 2019 für ungültig erklärt worden. Stefan Braunfels, der Architekt der Foyerumgestaltung 2005, hatte das Verfahren wegen Ungleichbehandlung gerügt und von der Vergabekammer des Landes Berlin Recht bekommen.
Im nächsten Schritt wird der Auftraggeber nun mit den drei Preisträgern über die Beauftragung der Generalplanerteams verhandeln. Ende 2023 zieht die Komische Oper aus, voraussichtlich in ihr Ausweichquartier im Schillertheater. Dann kann mit den Baumaßnahmen begonnen werden. (Heinrich Geißendörfer / fm)
Wegen den aktuellen Maßnahmen zur Corona-Bekämpfung konnten die Arbeiten bisher nicht öffentlich ausgestellt werden. Eine anderweitige Präsentation ist aber geplant.
Für viele Theater und Opern stellt sich gerade die Zukunftsfrage. Mehr dazu in der BAUNETZWOCHE#559 „Baustelle Oper“.
wo wenn nicht hier hätte f.gehry zeigen können, was architektur nicht muss, sondern kann?
Punktum.
Die offenen Ecken an der Straße sind vielleicht ein netter Mehrwert aber wer will sich neben einem so hohen Gebäude schon aufhalten? Die Perspektiven täuschen übrigens. Jeder der die Ecke kennt weiß, dass es dort viel enger ist.. Mir gefallen 2. und 3. wesentlich besser. Vor allem die Perspektive von AFF mit dem Blick zwischen Bestand und Neubau! Typisches Berliner Hinterhof-Gefühl!
Ähnlich wie Chipperfields Museumseingangsumfahrung hier eine den Blockrand vollständig zusammenfassende durchgehende aber schwebende Attika, die die Tiefenentwicklung gegenüber den Linden betont. Darunter beginnend mit vertikalem Glasfoyer. Ansonsten locker folgend darunter und ggf. auch darüber oder dahinter die Nutzungen mit Glas dazwischen. Probeweise der 1. Preis Bild 1 und 8 mit diesem ausreichend horizontal dimensionierten davorschwebenden umlaufenden Attikastreifen ...wie die Wirkung einer barocken Kolossalordnung mit dem Architekturtheater darunter darüber. Und die Sache hat eine ähnliche Wucht in die Tiefe, als Querraum zu den Linden wie in der gleichen Zeile die Räume um das Schloß, um die Staatsoper unter den Linden und der Pariserplatz. Und das ist ja wohl die Liga. Diese Räume haben alle die Aufgabe die traurige Nordfassade der Straße aufzureißen. Licht in das ganze zu bringen.
Ich macht daraus ein Ganzes mit tollen neuen Qualitäten für das Haus.