Robotron-Kantine wird Kunstort
Wettbewerb in Dresden entschieden
Die beste Nachricht zuerst: Die Robotron-Kantine in Dresden wird zum Zentrum für zeitgenössische Kunst umgebaut. Die Idee ist nicht neu, doch ihre Realisierung stand immer wieder in Frage. Mit der jüngsten Wettbewerbsentscheidung geht nun ein jahrelanges Ringen um den Erhalt des pavillonartigen Typenbaus, der Anfang der 1970er Jahre nach Plänen von Herbert Zimmer, Peter Schramm und Siegfried Thiel als Betriebsgaststätte für den DDR-Computerhersteller in der Lingnerstadt zwischen Hygiene-Museum und Rathaus entstand.
Nachdem das Gelände 2014 an die Immovation Immobilien Handels AG verkauft worden war, starteten die Gründer von Ostmodern, Matthias Hahndorf und Marco Dziallas, eine Intiative für den nachkriegsmodernen Bau. In deren Folge wurden Nutzungskonzepte erarbeitet und im Stadtrat diskutiert. 2024 hatte der Bund im Rahmen seines Programms Nationale Stadtentwicklung für den Umbau zum „Ort für zeitgenössische Kunst, Diskurs und Demokratiebildung“ eine Förderung von vier Millionen Euro zugesagt. Doch die Stadt Dresden, die ihrerseits kofinanzieren muss, wollte das Geld zwischenzeitlich für den Wiederaufbau der Carola-Brücke verwenden.
Im Juni 2025 verkündete die Stadt schließlich: „Die Sanierung ist finanziell abgesichert.“ Geplant sei die Instandsetzung der Gebäudehülle, eine Dachsanierung, die Beseitigung von Bauschäden und die Installation einer modernen Haustechnik. 6,1 Millionen Euro seien veranschlagt, finanziert aus den Bundesmitteln, einer Privatspende der Familie Arnhold über 1,5 Millionen Euro und Eigenmitteln der Landeshauptstadt.
In einem 1-phasigen Realisierungswettbewerb mit Ideenteil, organisiert von Schubert + Horst Architekten, war ein Konzept für die Revitalisierung gesucht, das das Haus mit minimalem Budget bautechnisch ganzjährig in Nutzung bringt und dabei flexible Räume für das Kunsthaus Dresden, die Kunstschau Ostrale und das House of Urban Culture schafft. Im Ideenteil des Wettbewerbs sollten zudem Perspektiven für eine spätere Bauphase aufgezeigt werden. Die Aufgabe bestand unter anderem darin, ein flexibles Ausstellungsraumkonzept mit dem Denkmalschutz überein zu bringen. Denn ähnlich der Neuen Nationalgalerie in Berlin ist das Erdgeschoss bis auf die Betonformsteinwände rundum verglast, während im Untergeschoss kleinteilige Räume zu finden sind.
Die Jury, der unter anderem die Architekt*innen Claudia Marx, Matthias Fuchs, Elke Reichel und Susanne Wartzeck (Vorsitz) angehörten, entschied unter den 12 eingegangenen Arbeiten wie folgt:
- 1. Preis: Knerer und Lang Architekten (Dresden)
- 2. Preis: Hütten & Paläste, Schönert Grau Architekten (Berlin) und Alexander Poetzsch Architekturen (Dresden)
- 3. Preis: Heine Mildner Architekten, Architekten Kunze Reisnecker (beide Dresden) und studio punkt (Karlsruhe)
- Anerkennung: Aukett + Heese (Berlin)
- Anerkennung: meyer-bassin und Partner (Dresden)
Im Siegerentwurf von Knerer und Lang sah die Jury einen überzeugenden Entwurf, der im Grundriss flexible Raumkonstellationen zulasse, Lust zum Mitmachen wecke und dabei das Prinzip der Wieder- und Weiterverwendung ernst nehme. Die Architekt*innen schlagen vor, leichte Trennwände zugunsten einer großzügigen Raumwirkung und guten Erschließungssituation zu entfernen und die Fassade zu ertüchtigen. Um den Heizwärmebedarf zu reduzieren, sollen die Erschließungszonen oder Nebenräume von der Abwärme der Kernzonen profitieren. Kontrovers diskutierte die Jury, ob die „doch sehr zurückhaltenden Eingriffe vor allem am äußeren Erscheinungsbild das Narrativ einer neuen Zeitschicht stark genug in die Öffentlichkeit transportieren können“.
Beim zweitplatzierten Entwurf überzeugte die Jury der „bestandsgerechte Ansatz und der Respekt vor dem besonderen Charakters der Kantine“. Im architektonischen Ausdruck, insbesondere bei der Entwicklung des Ideenteils, sei jedoch eine größere Stringenz erstrebenswert.
Der Drittplatzierten Arbeit attestierte sie eine sehr hohe architektonische Qualität im Realisierungsteil, die jedoch durch einen unangemessenen Eingriff im Ideenteil den architektonischen Ausdruck der Robotron-Kantine in Frage stelle. Das Planungsteam hatte stark in die Substanz eingegriffen und ein doppelgeschossiges Atrium vorgeschlagen.
Der Baubeginn ist für 2027 geplant. Spätestens Ende 2028 müssen die Arbeiten abgeschlossen sein. (fm)