Buchtipp: Mountains of Gold
Uncovering the Architecture of Swiss Banking
Wer diesen Sommer in den Alpen verbringt, sollte Mountains of Gold: Uncovering the Architecture of Swiss Banking mitnehmen. Das Buch schlägt zwar keine Wanderrouten vor, aber kommt als kriminologische Spurensuche in spektakulärer Kulisse daher. Der niederländische Architekt und Architekturhistoriker Ludo Groen beschreibt, wie und wo die Schweizer Banken im 20. Jahrhundert ihre Reserven gesichert haben, warum sie ihre Stellung im internationalen Goldhandel ausbauen konnten.
Das klingt auf den ersten Blick nicht unbedingt nach einem Thema für eine Publikation, die im gta Verlag der ETH Zürich erscheint. Doch jenseits von Akten, Zahlen und Verträgen lässt sich diese Geschichte vor allem zu jenen Orten verfolgen, an denen Gold, das seit jeher als international akzeptierter Vermögenswert gilt, verwahrt wurde. Architektur, heißt es im Vorwort, ist in diesem Fall kein Untersuchungsthema, sondern qualitativer Beweis für eine politische und wirtschaftliche Geschichte.
So nimmt uns Ludo Groen mit in die auf 3161 Meter Höhe in der Eiger-Felswand gelegene Eismeer-Station der Jungfraubahn, in das Golddepot in Fort Bühl am Gotthardpass, in luxuriöse Hotels in Interlaken, Gstaad und Davos und in ein Fondue-Restaurant nach London. Dabei lässt er die Orte als Zeugen einer Geschichte aufleben, deren Quellen noch immer schwer zugängig sind, weil die Schweizer Banken ihre Archive größtenteils unter Verschluss halten.
Seit Jahren forscht Groen, der an der Delft University of Technology lehrt, zu den baulichen Strukturen des Schweizer Finanzsystems. Grundlage des Buches ist seine Dissertation an der ETH Zürich. Er untersucht nicht nur, wie und wo die Banken ihr Gold für den Kriegsfall sicher verwahrten, sondern auch, warum sich die Schweiz in den 1960er Jahren zum Zentrum des Goldhandels entwickelte und welche Rolle die Infrastruktur, die Goldminen von Südafrika und Verstrickungen zum Nazi-Gold dabei spielten.
Ungewöhnlich für eine derart tiefgründige wissenschaftliche Recherche ist, dass Ludo Groen die Kapitel teilweise wie einen Krimi verfasst. So lesen wir von den geheimen Goldtransporten nach Fort Brühl bei minus elf Grad, Schneesturm und Lawinengefahr. Wir lernen einige Akteure kennen, darunter die Ingenieure Ferdinand Rothpletz und Friedrich Lienhard, die halfen, den Munitionsstollen bei Interlaken für die Goldlagerung auszubauen, der Chefschatzmeister der Nationalbank Erich Blumer und Colonel Hans Possert, der für Planung und Überwachung des Golddepots Fort Bühl verantwortlich war.
Schließlich beleuchtet Groen die Verbindungen zu den Bond-Filmen „Goldfinger“ und „On Her Majesty’s Secret Service“, die Filmautor Ian Fleming in eben jener Bergkulisse verortete. Das ist alles erfrischend zu lesen. Und wer weiß, vielleicht hat Groen hier ja ein neues Genre ins Leben gerufen, das der Architekturgeschichte viele junge Leser*innen beschert.
Text: Friederike Meyer
Mountains of Gold. Uncovering the Architecture of Swiss Banking
Ludo Groen
232 Seiten
Englisch
gta Verlag, Zürich 2026
ISBN 978-3-85676-459-3
39 Euro



