Vier Jahrhunderte Beharrlichkeit
Sanierung von Maximilian Hartinger Architekt
Das Sinnvollste ist nicht immer das, was zunächst als realistisch gilt. In Tiefenbach, nördlich von Passau, stand ein Bauernhaus von 1601 kurz vor der Aufgabe. Wassereintritt, Fäulnis, eine mangelhafte Gründung – mehrere Fachleute erklärten den Bau für nicht sanierbar. Dass er heute wieder bewohnt ist, verdankt sich der Beharrlichkeit der Eigentümerfamilie und der Unterstützung der Denkmalpflege. Für die Sanierung Haus mit gehobenem Dach erhielt Maximilian Hartinger Architekt (München/Berlin) den BDA-Preis max40.
Über Generationen hinweg lebte dieselbe Familie in dem Haus. Mit dem Auszug der Großmutter, der letzten Bewohnerin, schien diese Kontinuität zu enden. Die frisch eingeheiratete Schwiegertochter engagierte sich jedoch für eine neue fachliche Bewertung des Bestands. Eine dendrochronologische Untersuchung brachte schließlich Gewissheit über das bemerkenswerte Alter: Mehr als vier Jahrhunderte Baugeschichte hatten das Haus gezeichnet, und nicht jeder Eingriff erwies sich im Nachhinein als tragfähig.
Um 1800 wurde ein Teil des Blockbaus im Erdgeschoss durch Mauerwerk ersetzt. Für Region und Bautypus durchaus gängig, doch die Gründung blieb unzureichend. Das Gebäude setzte sich talseitig um rund einen halben Meter. Mitte des 20. Jahrhunderts folgte die namensgebende Intervention: Das Dach wurde angehoben. Was zusätzlichen Raum versprach, führte konstruktiv zu Verformungen und Schäden. Anstatt diesen mit bescheidenen Mitteln durchgeführten Eingriff rückzubauen, entschieden sich Bauherrschaft und Architekt, ihn als Teil der Baugeschichte zu akzeptieren.
Insgesamt verzichtet die Sanierung auf die romantisierende Rückführung in einen vermeintlichen Urzustand. Stattdessen wurde repariert, ergänzt und präzise nachjustiert. Raumfolgen, Bauteilfügungen und Oberflächen erfuhren eine denkmalgerechte Ertüchtigung. Lehmputze, Kaseinfarben und Schmiedearbeiten knüpfen an historische Techniken an. Im besten Sinne collagiert wurden geschädigte Hölzer in Tragwerk, Fassade und Innenraum millimetergenau ersetzt – das Material stammt größtenteils aus dem familieneigenen Wald. Dachspitz und Obergeschoss, einst reine Lagerflächen, sind nun Wohnräume.
Zentraler Eingriff sind mehrere eingestellte Holzkörper im bestehenden Blockbau. Sie übernehmen statische Aufgaben, steifen insbesondere den fragilen Dachraum aus und wahren zugleich Dichtung und Dämmung. Als eigenständige Elemente bleiben sie vom Bestand ablesbar. Mit ihren hellen Oberflächen reagieren sie auf die geringe Belichtung im Obergeschoss und reflektieren das einfallende Licht tiefer in den Raum. (gk)
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur:
- Maximilian Hartinger
- Mitarbeit Bauleitung:
- Benjamin Neumeier
- Aufmaß und Vorprojekt:
- Norbert Paukner
- Denkmalpflege:
- Dr. Thomas Kupferschmied (BLfD) & Alois Spieleder (Landratsamt Passau)
- Tragwerk:
- Büro Bergmann
- Energie/Bauphysik:
- Ingenieurbüro Hausladen
- Beratung Restaurierung und Baustoffe:
- Franz Kaltenecker
- Energieberatung:
- Manuel Breu
- Schädlingsgutachten:
- Susann Gürtler
- Bauherrschaft:
- Christina und Robert Roßgoderer
- Fläche:
- 280 m²
- Auszeichnungen:
- BDA max40
Vor fünf Jahren wurde Benjamin Eder für ein ähnliches Projekt der max40 verliehen.




