Pflege und Wohnen am Gleis
Quartier von bogevischs buero in Konstanz
In Konstanz haben bogevischs buero (München) 145 neue Wohnungen und 86 Pflegeplätze zu einem Ensemble mit einem gemeinsamen Gartenhof zusammengestellt. Drei polygonale Baukörper sollen abwechslungsreiche Perspektiven erzeugen, ein vierter schirmt als hundert Meter langer Riegel das kleine Quartier Am Weiherhof vor der nahen Bahntrasse ab.
Das Pflegeheim entstand für die Spitalstiftung Konstanz und ersetzt deren Haus Luisenheim – das wurde vorerst geschlossen, soll aber umgenutzt werden. Neben üblichem Sanierungsstau des Bestandsbaus sei vor allem sein hoher Anteil an Zwei-Bett-Zimmern ausschlaggebend für den Umzug gewesen, heißt es in der likalen Presse. Das neue Haus Weiherhof im südöstlich gelegenen, fünfeckigen Baukörper über circa 7.150 Quadratmeter Bruttogrundfläche basiert hingegen auf Wohngruppen.
Pro Etage versammeln sich dabei bis zu 15 Einzeleinheiten mit rund 23 Quadratmetern Fläche und eigenem Bad, die sich eine gemeinsame Wohnküche samt Terrasse teilen. Laut lokalen Medien seien unterm Strich lediglich zehn zusätzliche Plätze entstanden. Die Architektur sei bei Interessierten allerdings gut angekommen – auch wenn der Eigenanteil für die Bewohner*innen bis zu 4.750 Euro monatlich beträgt.
Das Projekt geht auf einen nicht offenen Wettbewerb von 2017 zurück, den die Spitalstiftung gemeinsam mit der Stadt und dem Immobilienunternehmen Businesspark Konstanz auslobte. Letzteres ist Bauherr der übrigen Wohngebäude über insgesamt rund 15.550 Quadratmeter Bruttogrundfläche. Deren Angebot umfasst mehrere Typen, von Mikroapartments über 5-Zimmer-Geschosswohnungen bis zu Maisonetten. Die polygonalen Grundrisse bringen dabei durchaus ungewöhnliche Winkel und Nischen mit sich – besonders in den Eingangsbereichen um den mittigen Treppenhäuser.
Der nördliche Riegel wird hingegen über einen Flur entlang der Gebäudeseite Richtung Bahnlinie erschlossen, der als Schallpuffer fungieren soll. Die Fassade bildet hier transluzentes Profilglas, punktuell durch Klarglas-Öffnungen unterbrochen. Die gegenüberliegende Seite falteten bogevischs buero und statteten sie mit trapezförmigen Balkonen aus. Die Fassadenfelder zwischen den Geschossbändern aus Betonfertigteilen – die als wiederkehrendes Motiv alle Baukörper gliedern – bestehen aus selbsttragenden, vorgefertigten Holzelementen.
Während der Riegel durch sein goldgelbes Farbmotto auf sich aufmerksam macht, zeigen sich die anderen Volumen dezenter. Für die beiden durch brückenartige Balkone verbundenen Wohngebäuden nutzten die Architekt*innen vorvergrauten Holzverkleidungen, für das Wohnheim eloxierte und perforierte Aluminium-Bleche.
Die Sockel aller Gebäude sind komplett mit Stahlbeton-Fertigteilen ausgeführt. In einem der Erdgeschosse kam die Tiefgarageneinfahrt unter. Im Pflegeheim befindet sich ebenerdig ein Multifunktionsraum, der die Einrichtung mit der Nachbarschaft verbinden soll. Gleich daneben liegt ein Demenzgarten mit Blick auf den gemeinsamen Hofbereich. Die Freiräume, zu denen auch eine Dachterrasse mit auffälliger Pergola zählt, gestalteten stautner + schäf landschaftsarchitekten und stadtplaner aus München. (mh)
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur:
- bogevischs buero architektur & stadtplanung
- Landschaftsarchitektur:
- stautner + schäf landschaftsarchitekten und stadtplaner partnerschaft
- HLS/E:
- IWF Ritzhaupt (LP 1-4), Greiner Engineering (LP 5)
- Statik:
- B+G Ingenieure Bollinger + Grohmann
- Bauherrschaft:
- Businesspark Konstanz (Wohnen), Spitalstiftung Konstanz (Pflegeheim)
- Fläche:
- 22.699 m² Bruttogrundfläche




Aaber: „…– auch wenn der Eigenanteil für die Bewohner*innen bis zu 4.750 Euro monatlich beträgt.“ What?