Transformation statt Ikone
Internationaler Hochhaus Preis 2026/27 für ZIN in Brüssel
Der Internationale Hochhaus Preis 2026/27 geht an das gemischt genutzte Projekt ZIN in Brüssel – entworfen von 51N4E, Jaspers-Eyers Architects (beide Brüssel) und l’AUC (Paris) für den privaten Investor Befimmo. Das gab das Deutsche Architektur Museum gestern Nachmittag bekannt.
In seiner 12. Ausgabe setzt der Internationale Hochhauspreis damit fort, was sich bereits 2022 mit dem Sieg der Quay Quarter Towers in Sydney abzeichnete: Prämiert wird Transformation statt Neubau. Wurde damals ein einzelner Turm aufgestockt, verschmilzt in Brüssel ein ganzer Komplex aus zwei Hochhäusern durch ein drittes Element zu einem neuen Ganzen.
Den Bestand bilden die beiden ehemaligen Brüsseler World-Trade-Center-Türme aus den 1970er Jahren. Erhalten blieben das Fundament, die Untergeschosse und die Erschließungskerne – die Türme drumherum wurden zurückgebaut und neu errichtet. Eine Scheibe mit doppelten Geschosshöhen verbindet den Komplex nun zu einem Gebäude. Die Wiederverwendungsquote liegt trotz des weitgehenden Neubaus bei über 50 Prozent. Büro-, Hotel- und Wohngeschosse wechseln sich ab, hinzu kommen Gastronomie, eine Sporthalle, ein Dachgarten und ein gewächshausartiger Glasbau im Erdgeschoss.
Schwerpunkt der Jurybewertung ist der Beitrag, den das „weltweit innovativste Hochhaus“ für seine unmittelbaren Umgebung leistet. 10.000 Quadratmeter des ZIN sind öffentlich zugänglich, der Glasbau im Erdgeschoss öffnet sich zum Straßenraum – und durch die Nutzungsmischung ist das Gebäude auch abends und am Wochenende belebt. Die Stärke des Siegerprojekts liege darin, „so viel zu bewirken“, ohne auf ikonische Wirkung abzuzielen – so DAM-Direktor Peter Cachola Schmal. Das ZIN ist als Startpunkt der Erneuerung des Brüsseler Nordquartiers angelegt. Ob es die erhoffte Initialzündung auslöst, bleibt abzuwarten.
Der Internationale Hochhaus Preis wird seit 2004 alle zwei Jahre von der Stadt Frankfurt, dem Deutschen Architektur Museum (DAM) und der DekaBank vergeben. Er ist mit 50.000 Euro und einer Statuette von Thomas Demand dotiert. 2024 ging er an BIG und CRA für das Projekt CapitaSpring in Singapur.
Aus über 1.000 weltweit fertiggestellten Hochhäusern hatte das DAM diesmal 30 Projekte aus 12 Ländern nominiert. Neben dem Siegerprojekt wählte die Jury unter Vorsitz von Brian Yang (BIG) das AGE 360 in Curitiba (Architects Office und Triptyque), den Tencent Tower in Guangzhou (Ateliers Jean Nouvel), 88 Walker in Sydney (Fitzpatrick + Partners) und die One Pearl Bank in Singapur (Serie Architects und Multiply Architects) ins Finale. Die zugehörige Ausstellung „Best High-Rises 2026/27“ eröffnet am heutigen Mittwoch, 4. November 2026 und ist bis zum 4. April 2027 im Deutschen Architekturmuseum zu sehen. (kms)



