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19.08.2019

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Kein Waffenschmuck für Potsdam

Petition zur Rekonstruktion der Garnisonkirche


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Der Streit um die Rekonstruktion der Garnisonkirche in Potsdam geht in die nächste Runde. Während der Turm des 1730–35 von Philipp Gerlach errichteten Gebäudes schon seit 2017 wiederaufgebaut wird, wächst der Widerstand gegen das Projekt weiter. Dass sich das Phänomen Rekonstruktion nicht verallgemeinern lässt, sondern immer am konkreten Baudenkmal und seiner Geschichte verhandelt werden muss, betont der Architekturtheoretiker und -historiker Philipp Oswalt, der gerade eine Petition gestartet hat: „Selbst wenn man sonst für Rekonstruktionen ist, ist dieses Projekt aufgrund seiner rechten Geschichte ein Tabubruch. Es zieht sich hier leider eine Linie vom preußischen Militärwesen über den Rechtsradikalismus in der Weimarer Republik, den Nationalsozialismus bis hin zum neuen Rechtsradikalismus. Auch das heutige Wiederaufbauprojekt hat – anders als die Frankfurter Altstadt – seinen Ursprung in rechtsradikalen Kreisen.“

Dennoch will der Bund seine Finanzierungsbeteiligung von bisher 12 Millionen Euro im Herbst sogar noch auf 18 Millionen Euro erhöhen. In „großer Sorge“ richten sich nun über 100 namhafte Künstler*innen, Architekt*innen, Denkmalpfleger*innen, Wissenschaftler*innen, Kirchenvertreter*innen, Kulturschaffende und zivilgesellschaftlich Engagierte als Erstunterzeichner*innen in einem offenen Brief an die Regierungsverantwortlichen und verbinden diesen mit einer Petition. Es geht ihnen nicht um den Stopp des schon begonnenen Wiederaufbaus, sondern um drei konkrete, dezidiert auf einen Kompromiss hin ausgelegte Forderungen:

  • Abriss des 1991 von der Traditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel
    e. V. in Potsdam errichteten und der Stadt geschenkten Nachbaus des Glockenspiels der Garnisonkirche mit ihren revisionistischen, rechtsradikalen und militaristischen Inschriften.

  • Ein Verzicht auf die Nachbildung jeglichen Waffenschmucks bei der Rekonstruktion des Gebäudes, um symbolischen Abstand zu schaffen zu einem Identifikationsort des preußischen Militarismus, des Rechtsradikalismus der Weimarer Zeit und des Nationalsozialismus.

  • Eine veränderte Trägerschaft des Projektes, welche nicht die Einheit von Kirche, Staat und Militär wiederbelebt. Anstelle der Repräsentanten aus Politik und Militär sollen zivilgesellschaftliche Initiativen treten, die sich für Menschenrechte und gegen Militarismus und Verbrechen gegen die Menschlichkeit einsetzen.


Konkret müssten etwa Amnesty International, Ärzte ohne Grenzen, Aktion Sühnezeichen Friedensdienste, Ohne Rüstung Leben oder die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsdienstgegner aktiv miteinbezogen werden. Andernfalls bleibe das Nutzungskonzept als Versöhnungszentrum und Lernort der deutschen Geschichte eine leere Phrase und diene der Stiftung Garnisonkirche lediglich als Vorwand für die formale Wiederauferstehung der Kirche. Und das, obwohl die kontinuierliche Vereinnahmung der Kirche von rechts außen historisch inzwischen umfänglich aufgearbeitet ist (u. a. in Matthias Grünzig: „Für Deutschtum und Vaterland. Die Potsdamer Garnisonkirche im 20. Jahrhundert“, Berlin 2017).

Wie einseitig das Streben nach Erinnerung sein kann, zeigt sich im Übrigen auch am unweit gelegenen Alten Markt in Potsdam, wo 2017–18 das in den 1970er Jahren errichtete ehemalige FH-Gebäude abgerissen wurde. Die Diskussion um den Erhalt der DDR-Moderne und die Umgestaltung der Potsdamer Innenstadt will das Filmprojekt „Schrott oder Chance“ zusammenfassen, für das derzeit eine Crowdfunding-Kampagne läuft. (stu)


Zum Thema:

Petition und offener Brief Wiederaufbau Garnisonkirche Potsdam: Bruch statt Kontinuität – Notwendig ist ein Lernort anstelle eines Identifikationsorts auf change.org


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Kommentare

24

Claus | 26.08.2019 00:52 Uhr

@123

Angebot und Nachfrage
Dass (pseudo)historisches Bauen unmöglich sei, war nicht mein Argument. Natürlich ist es möglich, es wird ja auch oft genug gemacht. Nur gibt es ein Missverhältnis was die Kostendisziplin zwischen Rekonstruktionsprojekten und normalem zeitgenössischen Bauen angeht. Die allgemeinen Kostensteigerungen der letzten Jahren gehen auf den massiven Anstieg der Nachfrage im Bausektor zurück. Daher kann ich wirklich nicht verstehen, wie sie darauf kommen, dass eine höhere Nachfrage für Steinmetz- oder Zimmererarbeiten zu günstigeren Preisen führen würden. Besonders, da auch in diesen recht attraktiven Berufen offene Ausbildungsstellen unbesetzt bleiben. Sie drehen hier Angebot und Nachfrage um und sagen: so wird ein Schuh draus. Das ist aber nicht wie Wirtschaft funktioniert.

Römerkitsch
Danke, dass Sie den Domrömer hier aufbringen, ist gerade dieses Projekt doch ein Paradebeispiel für absurd subventionierte Rekonstruktionsprojekte. Am Domrömer hat man für eine absurde Menge an Geld ein kleines Luxus-Disneyland erschaffen, das mit der sozialen Durchmischung der ursprünglichen Altstadt auch in 20 Jahren nichts zu tun haben wird. Sicher bietet die Altstadt eine qualitative Dichte, das gebe ich zu, darüber hinaus ist hier (abgesehen vom Entwurf aus dem Haus Morger) ausschließlich alberner Kitsch neuentstanden. Gleichzeitig wurde das Projekt Werkbundstadt im Zuge der Spekulation zu Grabe getragen, was mit politischem Willen wohl nicht hätte passieren können.

Stile im Sand
Stile jeglicher Art gehören in die Architekturgeschichte und den Denkmalschutz, in der Entwurfslehre haben "Stile" nichts verloren. Eine akademische Stillehre erzeugt nur ein tumbes Wiederkäuen von Altbekanntem, bei dem jedes mal etwas verloren geht. Viel wichtiger ist es, dass den Studierenden Materialgerechtigkeit, Tektonik und Handwerklichkeit vermittelt werden. Ich lese Ihren letzten Kommentar so, dass Sie auch den Verlust von handwerklicher Qualität bedauern, da stimme ich mit Ihnen überein. Das Bauen ist zur Industrie geworden und wir Architekten machen da fleißig mit und verbauen fleißig den ganzen Müll von Knauf, Schüco und Konsorten. Die Lösung für das Problem ist aber nicht den Kopf in den Sand zu stecken und uns architektonisch zurück ins Reich zu wünschen. Vielmehr muss die ausgeführte Qualität wieder steigen und das liegt auch an uns Architekten und was wir von den Handwerkern verlangen und das geht nur mit einer selbstbewussten zeitgenössichen Architektur, sehen Sie hierzu mal in die Schweiz oder nach Belgien und nicht zurück ins 19. Jahrhundert...

23

123 | 23.08.2019 14:52 Uhr

@Claus

Das Argument, dass historische Bauweisen heute nicht möglich wären ist falsch. Sicherlich sind aufwändige Massiv-Natursteinfassaden heute nicht mehr so leicht darstellbar, aber eine Bauweise in Art Theodor Fischer/Paul Schmitthenner/Paul Bonatz etc. wäre heute kein Problem. Es ist außerdem eine Frage von Angebot und Nachfrage. Würde wieder so gebaut werden, würden die Preise automatisch auch günstiger werden. Moderne Techniken könnten außerdem zu deutlichen Vergünstigungen führen. Wenn wieder Steinmetze und Zimmermänner gebraucht würden, würden vielleicht auch wieder mehr ausgebildet und der Preisdruck aufgrund mangelnder Handwerker würde auch nachlassen. Außerdem bin ich auch Architekt und nicht unbedingt für Rekonstruktionen. Ich finde jedoch, dass die Rekonstruktion ihre Daseinsberechtigung hat. Im Krieg wurde sehr viel Schönes zerstört. Warum sollte man es nicht wieder aufbauen, vor allem wenn im Falle des Domrömers das zeitgenössische Bauen versagt hatte? In vielen Städten werden die Missstände der vergangenen Jahrzehnte beseitigt, was nachfolgt ist meist nicht viel beständiger und wird in den nächsten 30 Jahren wieder abgerissen, wenn Geld da ist, wenn nicht muss die Gesellschaft noch viel länger damit leben.
An den Hochschulen müssen daher alle Baustile unterrichtet werden, nur so kann wieder ein neuer, eigener Baustil der Zeit erwachsen. Unerlässlich dafür ist der Bezug zur Vergangenheit und der Vorbauhausära um wieder Qualität zu erhalten.

22

g.k. | 22.08.2019 09:43 Uhr

@ixamotto

Zweifeln ist oft der Anfang von Veränderung.
Deshalb sind Selbstzweifel ja so wunderbar hilfreich.

21

Claus | 22.08.2019 08:21 Uhr

verschobene Perspektiven

Bei diesen Debatten taucht ja auch immer wieder das Argument auf, dass die zeitgenössische Architektur es nicht fertigbringen würde in der Qualität vergangener Zeiten zu bauen (123s erster Post). Ich finde dieses Argument immer etwas fadenscheinig, da es im zeitgenössischen Bauen einen deutlich höheren Preisdruck gibt, besonders auch seitens der öffentlichen Bauherren. Gleichzeitig gibt es für die aufwändigsten Rekonstruktionsprojekte Unmengen an Geld und Zeit. Wo gespart wird, mindert es sofort die Qualität so wie bei den WDVS-Fassaden um den Dredner Altmarkt. Hier gibt es eine Schieflage in der Betrachtung. Hätte es ein ergebnisoffenes Verfahren gegeben, wäre die Debatte sicher offener geführt worden und man hätte ehrlich Vor- und Nachteile abwiegen können. Aber hiervor scheuen die Verfechter von Rekonstruktionen eigentlich immer zurück, vielleicht im inneren Zweifel, daran, ob sich das Vergangene heute überhaupt ohne Stützen durchsetzen kann.

20

Dr. Yikes | 22.08.2019 00:33 Uhr

Oh Gott

Man sollte das Privatvermögen der SED-Mitglieder für den Wiederaufbau pfänden.

19

ixamotto | 21.08.2019 20:58 Uhr

@g.k.

Was die Wandelbarkeit und Vielfältigkeit von Gesellschaftsverständnissen angeht, gebe ich ihnen vollkommen Recht. Aber ob das auch immer "ganz wunderbar" ist, daran habe ich, wie sie meinen Argumenten wahrscheinlich entnehmen konnten, große Zweifel.

18

123 | 21.08.2019 19:30 Uhr

@ixamoto

Danke dito. Sie werden mir sicher Recht geben das unsere ideologischen Gräben zu tief sind um sie zuzuschütten. An diesem Umstand ist im übrigen nicht die AfD Schuld, ich war schon vorher so, Sie mit Sicherheit auch!

17

g.k. | 21.08.2019 18:03 Uhr

@ixamotto

Sie schreiben, dass "Architektur auch immer gebautes Gesellschaftsverständnis " sei. Das mag sein, aber bitte bedenken Sie, dass es zu keiner Zeit nur ein Gesellschaftsverständnis gegeben hat, oder geben wird.
Das Gesellschaftsverständnis unterliegt einer ganz wunderbaren Vielfältigkeit und Wandelbarkeit.

16

Lars K | 21.08.2019 13:08 Uhr

Wirklich interessant, was hier so am Rande der Diskussion auftaucht.

@123 bzgl. Gedächtniskirche:
Das "Konglomerat" versaut den schönen Stadtraum? Sie meinen den wunderbaren Eiermann? Einen der schönsten und beeindruckendsten Kircheninnenräume der letzten 70 Jahre? Kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Der Stadtraum wird an dieser Stelle, wenn überhaupt, vom überbordenden Autoverkehr versaut. Sonst ist das ein wunderbarer Raum, dem inzwischen leider etwas der Halt durch das Schimmelpfenghaus fehlt. Die Hochhäuser dort haben den Raum aufgelöst, sicher nicht Eiermann.

Das Argument, Architekten seien nicht in der lage, "schöne Kirchen wie früher" zu bauen, ist blanker Populismus. Das liegt sicher zuletzt an den doofen Architekten. Es hat sehr viele Gründe, warum nicht mehr gebaut wird "wie früher".

@mehmet:
Das Stadtschloss steht da und gut ists? Überhaupt nicht. Was für eine grauenhafte Zuschüttung des Stadtraumes ist denn dieser gewaltige Klops ? Die billige Zuckerbäckerei an den Fassaden kann auch nichts retten und spätestens der vulgäre Nordflügel von Stella ist nun für viele Jahre ein non-place dieser Stadt.

15

ixamotto | 21.08.2019 11:49 Uhr

@Prof. Ludger Brands

Leider steht ihre Anmerkung beispielhaft für den Versuch einer Bagatellisierung sowohl hinsichtlich a) der verschiedenen Motivlagen hinter der Rekonstruktion der Garnisonskirche, als auch b) der damit verbundenen gesellschaftspolitischen Hintergründe und c) der Entwicklungs-, Rezeptions- und Aneignungsgeschichte der Kirche selbst.

Denn es geht in dieser Debatte gar nicht um die Frage einer Deutungshoheit zwischen Vertretern der architektonischen Moderne und Befürwortern historischer Rekonstruktionen an sich. Es geht um viel mehr. Es geht um die Frage, ob diese Kirche eben noch etwas anderes gewesen ist, als ein herausragendes Barockbauwerk oder ein unverzichtbarer Tiel der Potsdamer Stadtsilhoutte. Dass das der Fall ist, darauf ist, denke ich, bereits hinreichend hingewiesen worden. Ihre Versuche jedoch, Architektur 'an sich' zu betrachten und sie damit aus den gesellschaftlichen Produktionszusammenhängen zu lösen, dennen sich die Debatte über die Motive, den Sinn, und die Zweckmäßigkeit ihrer Rekonstruktion letztlich verdankt, sind irreführend – Architektur ist immer auch gebautes Gesellschaftsverständnis. Und deshalb fröstelt mir bei dem Gedanken daran, wie (und damit auch was) hier rekonstruiert werden soll, genauso wie beim Gedanken an die hetzerischen, kreigsverherrlichenden Inschriften des rekonstruierten Glockenspiels.

Im Übrigen: Ihre Beschreibung eines "großen kulturellen Verlustes durch Krieg..." ist nicht nur eine beispiellose Verharmlosung – weil sie sich darum drückt, Hintergründe, Ursachen und Wirkungen zu benennen. Sie ist als Behauptung auch irreführend, wenn man bedenkt, dass hier letztlich auch eine ganz bestimmte Kultur der Unterdrückung, des Imperialismus, des Nazismus, des Militarismus, der Diktatur, der Massenvernichtung und der Ausgrenzung verloren gegangen ist. Und für diese Kultur stand eben leider auch die schöne barocke, die Stadtsilhouette Potsdams prägende, vermeintlich so harmlose Garnisonskirche. Muss man sie also wirklich wieder aufbauen?

14

Prof. Ludger Brands, Potsdam School of Architecture | 21.08.2019 09:54 Uhr

Petition zur Rekonstruktion der Garnisonkirche

Es ist mitnichten so, dass der Druck gegen das Rekonstruktionsprojekt Garnisonkirche zunimmt, vielmehr werden immer wieder dieselben ideologisch motivierten Schlagworte dagegen ins Feld geführt. Auch stellen die in meinen Augen wirklich ewig Gestrigen, die Protagonisten der Moderne von "Brüchen und Gegenpositionen" mittlerweile fest, dass sie die Deutungshoheit über die Architekturentwicklung zu verlieren scheinen. Das mag für sie bisher ungewohnt und schmerzlich sein, haben sie doch seit 1945 weitestgehend bestimmen können, was richtig oder falsch ist. Nun ist aber seit gut 10 bis15 Jahren eine neue Position hinzugekommen, aus den Erfahrungen des großen kulturellen Verlustes durch Krieg und durch bewusste, geplante Zerstörung wichtiger architekturhistorischer Zeugnisse, die Rekonstruktion oder Interpretation stadträumlicher Situationen und von Monumenten. Eines dieser Monumente ist die Garnisonkirche. Richtig ist, dass hier ein für den norddeutschen Barock einmaliges Baukunstwerk wieder errichtet werden soll und damit die für die Stadt Potsdam so bedeutende Silhouette der drei großen Kirchen, Nikolaikirche - Garnisonkirche - Heilig-Geist-Kirche wieder hergestellt wird.

Das inhaltliche Programm ist hinreichend bekannt und kann auf der Seite der Stiftung Garnisonkirche Potsdam nachgelesen werden.

13

ixamotto | 20.08.2019 19:35 Uhr

@123

Alles klar. Ich hab mir schon gedacht, dass Dir die Argumente fehlen. Danke für die Bestätigung.

12

123 | 20.08.2019 15:41 Uhr

@ixamoto

Auf Sternchen*schreiber reagiere ich nicht, die Nerven spare ich mir lieber auf.

11

Henn12 | 20.08.2019 14:32 Uhr

ixamotto

Hallo,
es war von mir wirklich etwas kryptisch aus dem Bauch heraus drauflosgeschrieben. Kritik nehme ich an.
Es ist halt die Ermüdung die mit dem Kampf der selbsternannten "Aufrechten" gegen die ausgemachten oder selbstdefinierten "Nazis", "Rechtsextreme", etc. einhergeht. Je länger das Nazireich her ist umso stärker wird in Deutschland auch der Widerstand. Das lässt mich schmunzeln, da ich von den heutigen Widerstandskämpfern nicht glaube, dass sie den Mut der damaligen Widerstandskämpfer (und zwar in allen Ländern) haben würden, falls die Gefahr mal real wird.
Wir erinnern uns, mit dem Stadtschloss in Berlin steht der preußisch-militaristische Geist wieder auf, Kollhoff baute "rechte Räume", Potsdam ist gesamt verdächtig und Dresden erst. Selbst bei Aldi an der Kasse mit Plastiktüte ist heute schon eine rechte Tendenz zu verorten.
Nur nimmt diese Schreier kaum mehr einer ernst und die wirklichen gefährlichen (auch rechten) Tendenzen in unserem Land werden nicht mehr wahrgenommen. Zu laut sind die Wichtigtuer geworden.
P.S. nebenbei: Gegen das militaristische an der Garnisonskirche will man sich wehren? Wie wäre es mit Protest gegen das 2 % Ziel (des BIP!) = 90 Milliarden im Jahr für "Verteidigung". Ah ich glaube ich habe die Lösung: Bringt nicht so viel Publicity!
Land in Dauerschleife eben...

10

mehmet | 20.08.2019 13:13 Uhr

äpfel und Birnen

da muss man wirklich differenzieren! die rekonstruktion von Teilen des Alten Marktes incl. dem Palazzo Barberini halte ich für völlig in Ordnung.

Die furchtbar unsensiblen DDR-Gebäude im historischen Stadtkern zu entfernen und das ganze auf einem historischen Stadtgrundriss vielleicht mit teilweise modernen Gebäuden wieder aufzubauen, völlig ok.

wird auch woanders mit Erfolg praktiziert und auch wenns die schwarzbebrillten asketischen Architekten nicht mögen, die Bevölkerung nimmt es an, damit auch wirtschaftlich ein Erfolg.

Auch jetzt wo das Stadtschloss in berlin steht, sind all die ewigen diskussionen vergessen, da steht's und gut ist's.

Garnisonskirche.... andere Diskussion, weil sehr politisch aufgeladen. da sollte man wirklich einen gesellschaftlichen konsens finden, vor allem weil es öffentliche Gelder sind.

9

Sophia | 20.08.2019 13:13 Uhr

solltest Du Dir durchlesen und auch unterschreiben!

solltest Du Dir durchlesen und auch unterschreiben!

8

g.k. | 20.08.2019 12:32 Uhr

Was kann Architektur ?

Sollte aus städtebaulichen Gründen an dieser Stelle wieder ein Gebäude stehen ?

Benötigt die Kirche überhaupt einen weiteren Versammlungsort in diesem Stadtbereich ?

Könnte an dieser Stelle nicht auch ein multifunktionales "Gemeinschaftshaus" errichtet werden ?

Gibt es mehr rechtsradikales Denken und Verhalten wenn historische Gebäude rekonstruiert werden ?

Hat moderne Architektur das Wiedererstarken von rechtsradikalem Denken verhindern können ?

Ist die Garnisonskirche in Potsdam ein schlechtes Gebäude weil darin 1933 die feierliche Eröffnung des Reichtags stattgefunden hat und Hindenburg dabei Hitler die Hand geschüttelt hat ?

Ist die Garnisonskirche heute eher ein Gebäude oder ein Symbol ?

Ist sie gar ein Opfer ?

Sollte die casa del fascio in Como abgerissen werden ?

Was kann Architektur ?

7

ixamotto | 20.08.2019 12:06 Uhr

@123

1. Nein, ich bin nicht der Meinung, dass Notre-Dame abgerissen werden sollte, sondern ich bin der Meinung, dass die Garnisonskirche in der momentan vorgesehenen Art und Weise (mit Waffenschmuck und einer Trägerschaft aus Politik und Militär) nicht wieder aufgebaut werden sollte. Verstehen sie den Unterschied?
2. Den Relativismus, mit dem sie locker-flockig insinuieren, Napoleon und den Nationalsozialismus (der wie sie wahrscheinlich wissen u.a. für den Holocaust verantwortlich ist) seien so einfach nebeneinanderzustellen, finde ich ziemlich schockierend. Zumal ich auch gar nicht verstehe, warum: Schließlich geht es ja in der ganzen Debatte um die Garnisonskirche und nicht um Notre-Dame oder Napoleon, haben sie das nicht bemerkt?
3. Den rechtsradikalen Schenker*innen des Glockenspiels geht es nachweislich nicht nur um die "schöne Gestalt der Kirche". Das anzunehmen ist – man muss es so sagen, angesichts von Reden, wie sie Höcke über Holocaustmahnmale und "Schuldkult" geschwungen hat – einfach naiv.
4. Wenn sie sich derart aus dem Fenster lehnen, sollten sie doch eingentlich auch wissen, wovon sie reden: parlamentarische Volksvertretung und das Völkische sind zwei grundsätzlich verschiedene, sogar gegensätzliche Dinge. In der BRD wird das Volk nicht auf der Grundlage eine völkischen (sprich ethnisch und kulturell homogenen) Zugehörigkeitsverständnisses vertreten, sondern als Versammlung von Staatsbürger*innen und Rechtssubjekten. Auch wenn AfD und Konsorten glauben, dass es anders ist. Ich empfehle ihnen, einmal im Grundgesetz zu blättern und sich etwas besser zu informieren.
5. Zum Stichwort "böser Deutscher": Lesen sie doch noch einmal (oder ein erstes Mal?) die Begründung der Petition.

6

STPH | 20.08.2019 09:06 Uhr

mangelnde Selbstkritik

den rechtskritischen Wiederaufbau find ich gut.

was ich vermisse ist die mangelnde selbstkritische Auseinandersetzung linker Kreise mit unserer viel näher liegenden linkstotalitären Vergangenheit.

5

123 | 20.08.2019 08:53 Uhr

ixadingsda

Nach Ihrer Meinung sollte Notre Dame aufgrund der Kaiserkrönung Napoleons dann sicher auch lieber voll ganz abgerissen werden oder bezieht sich Ihre ewig gestrige Haltung nur auf die deutsche "Schuld".

Ich bin sicher das viele nur die schöne Gestalt der Kirche wieder haben wollen. Und daher wäre auch ein Neubau hinfällig, da es die zeitgenössischen Architekten sicher nicht vollbracht hätten eine derart schöne Kirche zu bauen. Siehe Gedächtniskirche Berlin, ein Negativbeispiel, der ganze Stadtraum ist versaut mit diesem Konglomerat.

Völkische Gedanken hat es im übrigen auch die Jahre nach dem Kriege immer gegeben, weil unsere Volksvertreter im Parlament auch noch das Volk vertreten haben. Aber die Diskussion sollte doch nicht auf Architekturseiten geführt werden oder? Die Kirche wird nun viel mehr instrumentalisiert um den bösen Deutschen hervorzukehren.

4

Claus | 20.08.2019 00:37 Uhr

maximale Minimalforderung

ich weiß nicht, irgendwie erscheint mir das Ganze fast nach einer resignierenden Minimalforderung. Fakt ist, der Ort entsteht neu. Nicht kritisch hinterfragt, nicht entlang einer Fragestellung neu interprätiert, sondern, mit oder ohne Waffenschmuck, in neu-alter Gloria.

Potsdam, hier scheint es Tradition zu sein, dass sich rechtsradikale neben das Establishment stellen und sich niemand daran stört. Bitter. Die Forderung wenigstens die Kontinuität in der Verflechtung der Trägerschaft aus Kirche, Politik und Miltär zu brechen ist wünschenswert, wo man sich hier keine Illusionen machen sollte; eine Trägerschaft ist im Zweifel schnell ersetzt.

Was den Abbruch des Glockenspiels angeht, bietet die Petition in meinen Augen allerdings eine offene Flanke für all die gernegroßen Rechtspopulisten im Land. Da ist schnell da gesagt: „die wollen uns dieses Herrliche Glockenspiel nehmen, was kann denn die Musik dafür...“ und genug Leute werden nur noch das hören. Nach Fertigstellung wird das Glockenspiel in den neuen Turm gehängt, sodass niemand mehr die Inschriften lesen kann. Nur die sich selbst Eingeweihten werden einander lächelnd zunickend und auf den nächsten Platz „deutscher“ Identität schielen.

Ich fand das Vorhaben der Kirchenrekonstruktion von Anfang an schlicht dumpf und feige. Ein mutiger (und demokratischer) Ansatz wäre ein offener Wettbewerb für einen Neubau gewesen. Wegen mir mit einer Höhenvorgabe, um die Potsdamer Kirchturmlandschaft zu reparieren. Vorbild hätte hier das Verfahren um die Gedächtniskirche aus den 1950ern sein können. Tja aber scheinbar hatten unsere Großeltern damals mehr Mumm neues zu wagen als wir (bzw. unsere Abgeordneten) heute.

3

ixamotto | 19.08.2019 19:57 Uhr

@Henn12

Was ist ihrer Meinung nach daran ewig gestrig, wenn man darauf hinweist, das hier eine Kirche wieder aufgebaut werden soll (mit Bundesmitteln!), die ein wesentlicher Bestandteil des Geschichts- und Gesellschaftsprogramms des preussisch-militaristischen Obrigkeitsstaates, der Demokratieverächter der Weimarer Republik und schließlich der Nationalsozialisten war? Eine Kirche, deren Rekonstruktion maßgeblich von Rechtsradikalen initiiert wurde, in einem Land in dem völkisch-identitäres Denken aktuell wieder an Boden gewinnt, also nicht der Vergangenheit angehört? Können sie ihre Position jenseits ihrer etwas kryptischen bzw. polemischer Aussagen präziser darstellen?

2

Henn12 | 19.08.2019 17:44 Uhr

Land in Dauerschleife

Bei manchen wie Oswalt frage ich mich, wer jetzt die ewiggestrigen sind. Aber same procedure... kennen wir ja... Und ein paar vergessene KünstlerInninnen sagen auch wieder Hallo. Brüh im Glanze :-)

1

auch ein | 19.08.2019 16:14 Uhr

architekt

ogott wie kompliziert!
das wird erst nach dem BER-debakel fertig wetten?

 
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Garnisonkirche um 1827, Gemälde von Carl Hasenpflug.

Garnisonkirche um 1827, Gemälde von Carl Hasenpflug.

Hitler bei seiner Rede in der Garnisonkirche am sogenannten „Tag von Potsdam“. Foto: Bundesarchiv, Bild 102-16093 / Georg Pahl / CC-BY-SA 3.0

Hitler bei seiner Rede in der Garnisonkirche am sogenannten „Tag von Potsdam“. Foto: Bundesarchiv, Bild 102-16093 / Georg Pahl / CC-BY-SA 3.0


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