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03.07.2019

Kirche und Gemeindehaus

Neubau und Sanierung von VON M in Kehl


Öffnen wolle sich die Kirchengemeinde, auch anderen Veranstaltungen Raum geben, nicht nur den klassischen Gottesdienst abhalten. So steht es in der Projektbeschreibung. Man merkt, dass die Kirchen um ihren Erhalt, ihre wirtschaftliche Grundlage bangen. Die Schäfchen laufen massenhaft davon, vielerorts wird umstrukturiert. Um Geld einzusparen, die Verwaltung zu verschlanken, effizienter zu arbeiten. So auch in Kehl, dem Grenzstädtchen zu Frankreich bei Straßburg. Aus einst vier Gemeinden wurde eine, zentraler Ort der Kehler Protestanten ist jetzt die Christuskirche, ihres Zeichens älteste Kirche der Stadt.

Aus diesem Grund erhielt der 1822 von Kirchenarchitekt Hans Voß erbaute Sakralbau für 2,5 Millionen Euro nicht nur eine umfangreiche Sanierung, sondern auch ein neues Gemeindehaus. Voß ist ein Schüler Friedrich Weinbrenners (1766-1826), der mit seinem klassizistischen Stil viele Städte im Südwesten Deutschlands prägte. Verantwortlich für die aktuelle Planung ist das Stuttgarter Büro VON M, die sich 2013 im Wettbewerb durchsetzten.

Ziel war es, die gesamte Anlage aus Kirche, Gemeindezentrum und dem sogenannten Haus der Kirche neu zu ordnen, der kompakte, eingeschossige Neubau definiert dabei die Grundstücksgrenzen hinter der Christuskirche. Ein neu geschaffener Platz verbindet die drei Gebäude, wofür unter anderem der zuvor verbaute Westeingang der Kirche reaktiviert wurde.

Der monolithische, 536 Quadratmeter Gemeindehaus-Neubau ist räumlich einem Kreuzgang nachempfunden, zentrales Element: der überhohe, stützenfreie Veranstaltungssaal. Mit Hilfe von Faltwänden kann der Raum sogar noch erweitert und mit den zwei angrenzenden Gruppenräumen zu einem Saal verbunden werden. Je nachdem, was ansteht: Hochzeitsfeier oder Podiumsdiskussion, Gemeindefest oder Konferenz, Chorprobe oder Seniorenabend.

Ganz im Sinne von Weinbrenners Klassizismus werde die Architektur des Gemeindehauses von einer klaren geometrischen Ordnung und purem Materialeinsatz geprägt, so die Architekt*innen. Gemauert ist es mit mineralisch gedämmten Hochlochziegeln, die teilweise mit Kalk geschlämmt, teilweise glatt gespachtelt wurden, sodass die Struktur des Ziegelmauerwerks sichtbar bleibt. Für den Lokalkolorit verpasste man dem Boden, geschliffener Zementestrich, einen farbigen Zuschlag aus Rheinkies. Sowohl im Gemeindehaus als auch in der Kirche.

Diese wurde in ihrer ursprünglichen Gestalt und Farbigkeit als klassizistische Kirche wiederhergestellt und um ein neues Hauptportal ergänzt. Eine flexible Bestuhlung ersetzt die alten Kirchenbänke im 840 Quadratmeter großen Sakralbau und auch alle Prinzipalien sind als mobile Möbel aus Eichenholz konzipiert. Für maximale Flexibilität und Offenheit sorgt schließlich eine aufklappbare Trennwand – sie ist in der Längsachse der Kirche frei verschiebbar. (kat)

Fotos: Zooey Braun


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