600 Meter Dachpark in Shenzhen
Naturkundemuseum von 3XN und B+H Architects
Sicher, wir alle haben auf das nächstes chinesisches Superlativ-Projekt bereits gewartet. Verlässlich liefert in dieser Hinsicht das New-Era-Programm von Shenzhen, mit dem die Millionenstadt seit 2018 mehrere neue Kulturbauten errichten lässt – um nicht nur das Silicon Valley Chinas, sondern auch ein internationaler Kultur-Hotspot zu sein. Im Sommer eröffnete ein weiteres Projekt dieses Programms: Das Shenzhen Natural History Museum nach Plänen von 3XN (Kopenhagen) und B+H Architects (Toronto/Hong Kong u.a.) ist laut Pressemitteilung eines der weltweit größten Naturkundemuseen und das größte in Südchina.
Dabei misst der Neubau an seiner höchsten Stelle gerade mal sechs oberirdische Geschosse, läppische 36 Meter. Damit soll der Blick auf die nördlich gelegenen Berge erhalten bleiben, so Wing Cen Yingyin von B+H. Das Museum liegt im Distrikt Pingshan direkt am Yanzi-See zwischen den Feuchtgebieten des Perlflussdeltas und der Stadt im Süden. Die gut 105.000 Quadratmeter Bruttogrundfläche des Bauwerks erstrecken sich vor allem in der Länge, der Fußweg auf dem komplett begehbaren Dach zieht sich über rund 600 Meter.
Das Konsortium aus 3XN, B+H (Ausführung, Landschaftsgestaltung und Innenrarchitektur) und dem Shenzhener Büro Zhubo Design (Kontaktbüro und Projektabwicklung) hatte 2020 einen internationalen Wettbewerb gewonnen. Die Jury, darunter Pritzker-Preisträgerin Yvonne Farrell, damals unter anderem den kreativen Umgang mit der Landschaft. Die Form des Museums ahmt die Verläufe des Pingshan Flusses nach. Die mit Granit verkleidete Lamellenfassade sei von Kliffkanten inspiriert, so die Architekt*innen.
Den gigantischen Dachpark verstehen sie als Naturkunde-Ausstellung unter freiem Himmel, der auch jenseits der Museumsbesuch zugänglich sein soll. Zu sehen sind dort etwa seltene und charakteristische einheimische Arten oder tropische Bepflanzungen. Ein Aufzug erlaubt eine barrierefreie Erschließung.
Das Innere organisieren fünf in den Wellenbäuchen positionierte, kegelförmige Volumen. Sie sind stützenfrei konstruiert und mit goldfarbenem Marmor aus Guangxi verkleidet, dessen Maserung an geologische Schichten erinnern soll. Das große, südwestlich gelegene Atrium lässt allerdings an Frank Lloyd Wrights New Yorker Guggenheim Museum denken. Für ihren Rundgang können Besuchende zwischen Rampe, offener Treppe oder Aufzug wählen. Ein Vorteil der Kegel sei zudem, dass sie sich einzeln umbauen oder warten ließen.
Die Ausstellungsgestaltung, die 4,6 Milliarden Jahre Erdgeschichte abdecke, stammt von Atelier Brückner (Stuttgart) und Museum Studio. Der Rundgang führt von der Kosmologie und den Ursprüngen des Universums über die Geologie und die Evolution bis hin zum Zeitalter der Dinosaurier. Dabei werden physische Exponate, digitale Medien, Datenvisualisierung und immersive Formate verbunden. Zudem gibt es ein Theater mit 500 Plätzen, ein Kuppelkino und Forschungsräume. (mh)
- Fertigstellung:
- 2026
- Architektur (Lead Designer; Concept Design):
- 3XN
- Architektur (Lead Consultant, Executive Architect, Landscape Architect, Interior Design):
- B+H Architects
- Fläche:
- 105.300 m² Bruttogrundfläche